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Freitag, 17. Dezember 2010

Die "Aktionsgruppe Banat" in den Akten der Securitate. Sinn und Form November/Dezember 2010

Dieter Schlesak
17.Dezember 2010


Sehr geehrte, liebe Frau Dr. Kienlechner,

eben habe ich Ihren ausführlichen und sehr genau recherchierten Artikel über die „Aktionsgruppe“ gelesen und einiges Neues und Wichtiges erfahren, das mir auch in meiner Arbeit und in der nun notwendig gewordenen Aufarbeitung des eigenen Werkes, ja , des eigenen Lebens auf dem dieses Werk beruht, neue Denkanstöße gibt, ein Werk, das ja mit den beiden Diktaturen, braun und rot, sowie mit den Folgen, dem Exil umgeht. (Vgl.– www.dieterschlesak.de). Wobei ich eben an einem Securitate-Buch („Die rote Hölle“) arbeite, und nicht wenig, mir vor allem jetzt durch den Fall Pastior, der mich bespitzelt hatte, sehr viel an aufzuarbeitendem „Akten-Material“ über die Gulag-Securitate-Epoche vorliegt. Die darauffolgende Securitate-Epoche war dagegen „sanfter“, wenn auch in der Spitzeltätigkeit intensiver.

In William Totoks Buch „Die Zwänge der Erinnerung“ ist auch einiges an Information enthalten, wie ich damals (in den siebziger und achtziger Jahren) vom Westen aus versucht hatte, der „Aktionsgruppe“ mit meinen Mitteln beizustehen!

Mir liegt viel daran, dass Sie dieses wissen, da Sie sich ja nun ausführlich mit der „Aktionsgruppe“ in jener schwierigen und gefährlichen Phase befasst haben, und sich einige kleine Fehler in Ihren Aufsatz eingeschlichen haben.

So etwa: Dieter Schlesak, einem „in der BRD lebenden rumäniendeutschen Schriftsteller“ gelangte Totok-Brief und Material zum Artikel in der FR vom 10.Juli 1976 nicht irgendwie „in die Hände“, sondern wurde mir von der Familie und Freunden damals zugeschickt, um etwas zu unternehmen, damit Willi und die andern der Aktionsgruppe geschützt werden; ich habe dann einen Artikel „Kulturpolitik mit Polizeieinsatz“ verfasst und veröffentlicht. In diesem Artikel hatte ich, wie Sie richtig schreiben, auf Verlangen der Aktionsgruppe, „dekonspiriert“, nämlich, dass Totok und Ortinau als „Doppelagenten“ wirkten.

Weiter: Es handelt sich bei der Veröffentlichung in der FR zu den zwei wichtigsten Momenten der Unterdrückung , eben jenen der „Dekonspiration“ und jenen der Befreiung William Totoks, nicht um zwei verschiedene Artikel. Bei jenem, der angeblich auf einem Totok-Brief beruhte, den Wichner „der Presse zugespielt“ haben soll, handelt es sich um den gleichen Artikel, nämlich um meinen Artikel vom 10. Juli in der FR. Es stimmt auch nicht, dass durch Ernest Wichner oder wen auch immer „in den anderen westlichen Ländern“, die „Öffentlichkeit darüber informiert“ wurde, sondern es handelte sich um eine Veröffentlichung in „Le Monde“, die ich über meinen Freund, den Romancier Dumitru Tepeneag, der in Paris lebte, in „Le Monde“ untergebracht hatte, der dann parallel, als „Aktion“ also, mit dem FR-Artikel erschien und ( wenn auch nur als Notiz) einen ähnlichen Inhalt hatte!

William Totok wurde dann auch nicht irgendwann „im Sommer“ entlassen, sondern gleich nach Erscheinen des Artikels in der FR und der Notiz in „Le Monde“. Von einer „Verwarnung“ weiß ich nichts. Willi Totok wurde vor eine Kommission geladen, wo sogar ein General den Vorsitz führte, und sollte nun den FR-Artikel dementieren, einen Text verfassen und der Zeitung zuschicken, aber auch mit anderen bekannten Rumäniendeutschen im In- und Ausland Kontakt aufnehmen, und sie bitten, gegen diesen Artikel anzuschreiben, was William Totok tapfer verweigerte. Es gibt dazu einen ausführlichen „Maßnahmeplan“ der Securitate, den mir Totok zugeschickt hat. Ich kann Ihnen diese ganze ausführliche Akte per mail zukommen lassen. Oder auch Willi Totok könnte dieses tun.

In meiner eigenen Akte, die ich jetzt eingesehen habe, ist ebenfalls eine maßlose Verfolgung gegen mich nachzulesen; ich befand mich 1976 Gottseidank schon im Westen, diese Verfolgungsakte, die freilich auch wegen anderer „Delikte“, vor allem wegen meines „illegalen Grenzübertritts“ (transfugul),Zeitungsartikel, Radiosendungen etc. gegen das Gulag-Rumänien und dann auch das Ceauṣescu-Regime angelegt wurde, führte letztlich dazu, dass ich als „persoana nondeziderabila“ und „Staatsfeind“ „erfasst“ wurde, und ein Militärgericht mich (in Abwesenheit) zu sieben Jahren Haft verurteilte.

Es gibt viel zu zitieren. Und das alles gehört ganz sicher zu Ihrem Thema „Die Aktionsgruppe Banat in den Akten der Securitate.“

Ich habe vor, im März für mein Buch „Die rote Hölle“ einen Essay mit viel Aktenmaterial zu diesem Thema zu schreiben, da sich in meinem Nachlass auch viele Briefe und Tonbandbriefe von Nikolaus Berwanger, mit dem ich befreundet war, befinden, die die späte Phase der „Aktionsgruppe“ neu beleuchten könnten. Ihren wichtigen Aufsatz werde ich dabei gern und oft zitieren.

Ihnen alles Gute und schöne Grüße nach Berlin

Von Dieter Schlesak

Dr.h.c. Dieter Schlesak,
Pieve 327. Agliano
I-55041 Camaiore, Italien
T.0039/0584951214. Fax 951907
Mobil: 00393356508780
In Deutschland: Tizianweg 5, 70192 Stuttgart
schlesak@tiscali.it; dieter.schlesak@gmail.com
www.dieterschlesak.de ; schlesak.blogspot.com

Montag, 24. Mai 2010

Nochmals zu den zwei Epochen der Securitate. Sogar Gedichte zur Geschichtsfälschung. Samt ZEIT-KOMMENTAREN

SECU-GEDICHTE UND ZEITKOMMENTARE AM ENDE


MILDERNDE UMSTÄNDE IM PROZESS
ein riesiges Kollektiv von Toten Vergangenen
vernetzt das Außen:
Ämter Strassen Fluglinien Nachrichten
Systeme sogar das Netz der Banken wo die Masse
anrollt / und Menschen auf rotierendem Erdball
und meine Akte im Schrank
Polizeigewahrsam fürs Hirn und im Geschehen Befragung
Interesse kalt doch mit scharfer Kontur Securitate
tat weh / fahl der Tag / ein Zittern
Ausnahmezustand stob ins Bild das wir sahen.
Doch wehe meine Ewigkeit wird vernachlässigt
und ich werde gnadenlos jenem Summen übergeben
zur Ruhe im Patientenpark oder schreibend am Tisch
ganz allein ausgesetzt auf den Bergen einwärts
im Grünen zu frei.
Die Krankheit leben zu müssen
erreichte mich / erst im Westen
erbsündennah wie ein Totschlag
im Alleinsein wund und ganz da.


Securitate. Betrug mit Macht oder Macht mit Betrug. Vorläufig im Essay Gedicht



1
Was nicht sagbar ist unter der Sonne/was Macht bringt auch unter dem Mond
Und gegen alle Sterne/ die zerschellen würden/ aus ihrer Bahn geworfen
Wider die Natur von ihrem Sein abgewichen: der Begriff durfte die Lüge/ nicht fassen.

Das Gedicht aber braucht den Beweis nicht/ es ist wie ein Kind
Beweis.

Ihr aber ihr früheren Freunde ( hab ihr es in der Hölle gelernt?) ihr „arbeitet“ mit ihr
Nun groß geworden im Fernseh Licht/ Mit aufgerissenen Mäulern (Schweigen wäre besser
gewesen … menschennah und geerdet), schreit ihr Erfindungen in eine/ nach glaubbarer Lüge
Gierende/ Welt.

Sie aber klatschen euch zu/ völlig verblendet. Beklatschen in stinkenden Sälen das Kunst Licht.
In den Himmel gehoben, der leer ist ohne Gott : für euch ist er längst gestorben/ zeigt ihr euc h schamlos als Gottersatz vor/ dem Publikum , das euch braucht/ die selbstgemachten Helden Puppen.

Ein X für ein U/ wenn Gefühle Zähne hätten wärt ihr längst tot / ihr aber
Glaubt daran / Oh wenn ihr nur daran glauben müsstet, das laute Wort
Im Halse/ stecken geblieben /im tieferen Sein wärt ihr aber gerettet.

Und sogar die Engel habt ihr zur Lüge bekehrt. Nicht wissend, was wirklich geschehen war
In der Hölle / singen sie halbmündig ahnend / was sie da tun /verführt und betrogen
Flüstern sie manchem Zuhörer zu: Vorsicht, die Hölle färbt ab! Worüber ihr spracht.

In einer höllischen Zeit habt ihr die größten Chancen /Chancen wie noch Nie / das wisst ihr, das nützt ihr Aus/ steigend auf immer höheren Trampolinen, die man euch baut und baut und baut
Bis ihr den falschen Himmel erreicht. Sag, Herr der Welt, wann fallen sie herab und zurück

In die Hölle? Nie? Sie arbeiten doch damit/ glaubst du sie sind blöde/ Dialektiker von Beruf
Sie haben es dort gelernt/arbeiten sie doch genau mit ihrem Fall: der vorgespielten Hölle
Wie sollen sie dann fallen, mein Freund?

2
Irre ich mich/habt ihr Nichts getan/ nur euer Machtwissen eingesetzt
Intelligent wie der Teufel/ sprühend, genial sag ich/ Aber. Aber sage ich/ wir alle
Die durch die Hölle gingen/ haben ein vollklingendes Instrument/ gereift

In schmerzender Enttäuschung/ mächtig klingend einsetzbar/ für Wahrheit oderLüge.
Die Zuhörer sind/ naiv und offen. Sie wollen das Lied vom Schmerz und vom Standhalten hören.
Wie leicht ist es doch Leichtgläubige zu betrügen /und größer als groß zu werden durch sie.

Größer als groß über Leichen zu gehen/ auf ihnen steigt man doch gut, höher und höher hinauf.

Geht das gut und ewig/ wenn man mal oben ist/kann man nicht fallen? Wer merkt es
Heute schon, dass Lügen doch sonst kurze Beine haben? Aber keiner will es wissen wenn alle jubeln.
Wer stört/ der ist doch der Betrüger/ er bringt die Leute um ihr Buchglück/ das sichtbar geworden War.

Wieder Helden zu haben. Echte, die wirklich gelitten und im Kampf nicht gefallen
Aufgestanden immer wieder mit lauter leicht erzählten Geschichten
Helden gibt’s doch heute so selten/ lass sie uns doch/ wir möchten sie nah ganz nahe haben.

So nah fassbar und lesbarer noch mit wirklichen Märchen. Lass sie uns doch: verschwinde!
Vom Neid/ nicht von des Gedankens Blässe/ angekränkelt: grün und gelb bist du auch im Vers?
Grünzahn, du, sagt einer / er muss es ja wissen/ er kennt doch die Leiter zum Aufstieg zu gut!

Sie wollen nun auch mich als Leiche haben, höher zu steigen, aber wohin noch? Ach, Heilig
Gesprochen zu werden/ heilig, heilig/ die nächste Lesereise geht zum Papst.
Sich anpassen nun/ wie früher an den Zauber der Ideen: damals

Im guten Grund der Securitate.

Aber was wärt ihr, Freunde/ heute: ohne SIE?
Ihr wärt wie vor ihr ein Nichts und ein Niemand vom Rande.

3
Ich sage jetzt alles/ was sonst/ doch aus Takt/ aus geklammert werden muss.
Was unsagbar ist. Unsäglich bleibt. Und Wirklichkeit wurde.
Habe ich alles falsch gemacht? So ohne kurze Beine und Connection.

Mit der Wahrheit auf dem Papier/ geduldig. Die kurzen Beine
Gekappt und so auf dem Bauch/ gelandet: auf einem einsamen
Papier Berg in dieser Zeit der Macht als Betrug/ und dem Betrug als Macht?

Oh, Freunde ich bewundere euch: die Poetik des Marktes Mal war es die
der Securitate. Der Trommler geht um/ die Ware lacht und glitzert schwarz
begehrlicher Blick in die Hölle. Freunde, das zahlt sich/ ehrlich nun/
AUS.




Leser-Kommentare DIE ZEIT
1.
• 10.09.2009 um 11:17 Uhr
• Gafra
1. Ja, gerade nach Naumanns Rezension
war ich auf das Buch gespannt, auch darauf, wie man Literatur über ein solches Thema schreibt, wenn man selbst nicht zur Erlebnisgeneration gehört.
Ich bin, wie Iris Radisch, enttäuscht, ja unangenehm berührt.
Vielleicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand, der solches erlebte, sich in diesen Bildern wieder finden kann.
Verstehen, ansatzweise verstehen kann ich nach der Lektüre von Kertész, Levi, Borovski.
Hier habe ich irgendwann entnervt aufgegeben vor der Überzahl der süßlichen Bilder, die das Elend zukleistern, das ich begreifen möchte.
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2.
• 08.10.2009 um 15:16 Uhr
• revm
2. Es ist ein simples
Es ist ein simples Mißverständnis, dass Herta Müller da spreche. Dann ist es vielleicht ein Hinweis, dass da ein Ich-Erzähler spricht, ein Ich also nur. Völlig unerheblich übrigens, was Herta Müller da gewollt hat, lässt sich sowieso nicht feststellen. Und selbst wenn, wäre das nur das geringste. Dann schreibt die Autorin, dass sich die Wortwelt, Verfremdungsverfahren kaum verändert hätten. Ja, was heißt denn hier das "kaum"? Da hat man schonmal genug zum Nachdenken für eine Weile...
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3.
• 09.10.2009 um 16:46 Uhr
• hagego
3. Kein "Entweder oder"!
Die obige Headline-Frage verstellt geradezu den Blick auf das OEuvre Herta Müllers. Die Entfernung zwischen "Kitsch" und "Weltliteratur" ist riesig. Hier findet nicht nur die "Oder" ihren Platz. Sondern Flüsse von ganz anderen Ausmaßen!
Natürlich soll die Frage ("Kitsch oder Weltliteratur") ein wenig provozieren - weil man von einer Großen der Zunft immer und ständig Größeres und Spektakuläreres erwartet.
Herta Müller aber, so scheint es, wollte gar nichts "Spektakuläres" schreiben. Sie wollte über etwas schreiben, was zu ihrer eigenen Sozialisation gehörte. Was sie erfahren hatte. Was man ihr erzählt hatte. Was mit ihr und ihrem damaligen Heimatland Rumänien zu tun hatte. Und - was sie irritierte und sogar abstieß.
Bleiben wir auch in der sachlichen Auseinandersetzung und der Kritik maßvoll. Es müssen und können sich nicht immer alle Zeilen von bekannten oder unbekannten Schriftstellern zur Weltliteratur gerieren. Aber wenn sie es denn nicht werden, so müssen diese Zeilen nicht zwangsläufig kitschig sein!
Manchmal muss man vielleicht auch seine eigene Enttäuschung überwinden, weil man lieber eine andere Literaturnobelpreisträgerin oder einen anderen Literaturnobelpreisträger gehabt hätte. Mir, ich gebe es zu, ist das ebenso gegangen.
Frau Müller, ich gratuliere Ihnen!
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4.
• 13.10.2009 um 8:24 Uhr
• matisse1
4. seit jahren überschätzte literatur
die kritik von iris radisch beruhigt mich und bestätigt meinen
eindruck, den ich - nicht nur - nach der lektüre "atemschaukel" habe.
zu viele stilistisch-antiquierte fassaden und eine verstaubte sprache.
herta müllers romane...werden seit jahren überschätzt - leider kein einzelfall -, somit darf man sich über z.t. fragwürdige preisüberschüttungen nicht weiter verwundern.
iris radisch eine persönliche enttäuschung vorzuwerfen, halte ich für kontruiert und absurd, sie ist seit jahren für ihre objektiv-fundierten kritiken und einschätzungen bekannt.
im übrigen existieren seit längerem in diversen internetforen, z.b. der siebenbürger zeitung oder dem banatblog u.a., heftige vorwürfe gegen herta müllers vergangenheit, der sie sich bis dato nicht
überzeugend stellte.
auch für mich stellen sich hier noch ungeklärte fragen.
einer der kritiker ist hr. carl gibson, der sie zu einem offenem leserbrief aufforderte. sein text selbst wurde von mehreren redaktionen
mit der brgündung der redundanz abgelehnt.
sehr fadenscheinig, das alles.
matisse1
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5.
• 13.10.2009 um 16:23 Uhr
• taunusberge
5. Oberpeinlich
finde ich, dass dieser Schrott auch noch den "großen" Bücherpreis bekommt. Unglaublich. Unfassbar. Parfümierter Kisch ist ja noch gelinde gesprochen, neuerdings gönnt uns der Hässliche Rundfunk jetzt täglich eine Lesung zum Geniessen. Na dann prost.
[Anm.: Bitte bemuehen Sie sich, Kritik sachlich und konstruktiv zu formulieren. Danke. /Die Redaktion pt.]
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6.
• 02.11.2009 um 10:45 Uhr
• Christiane Bärmann
6. Unverstehen aus der selbstzufriedenen Behaglichkeit des Lesesess
Möglicherweise begründet sich "das Parfümierte" oder auch "der Kitsch" den Frau Radisch und ihre Anhänger der "Atemschaukel" von Herta Müller andichten, darin, das sowohl die Rezensentin als auch ihre Befürworter über keinerlei Erfahrung mit ähnlichen: despotischen, tyrannischen, gewaltätigen demütigenden Lebenssituationen verfügen. Damit haben sie diese Perspektive aus dem behaglichen Lesesessel eingenommen: das schockiert / berührt mich mich nicht (genug)..das sind alles "Um-Schreibungen" mit Wörtern aus einem "vergangen Jahrhundert". Diese Argumentationsschiene tut so, als ob es irgendwelche spezifischen Wörter, Sätze, Be-Schreibungen für diese Art von Erfahrungen gäbe. Das Perfide an Müllers "Thema" ist ja eigentlich das Unbeschreibliche, das Unbeschreibbare und damit im wahrsten Sinne Unsagbare solcher Erfahrungen. Herta Müller hat aber gerade das Unsaggbare in Worte gefaßt....die sich der reinen intellektuellen / literarisch-wissenschaftlichen Aufnahme und Verwertung des Themas und des Textes verschließen. Ihre Wörter und Sätze sind "absurd" und teilweise eher dadaistisch. Sie gehen am rein geistigen Verstehen "vorbei" und damit machen sie auch nicht "betroffen". Sie dringen direkt in die Kern-Zone vor..wo das sitzt..was man die menschliche kultiviertheit nennen kann. Deren Abhandenkommen ist das Thema der Atemschaukel und das was einem geschieht...der diese eintauschen muß für 800 gr. Brot.
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7.
• 13.12.2009 um 14:01 Uhr
• klauszeit
7. So oder so …
Was sollen diese abschätzigen Kommentare …
Herta Müller hat sich vermutlich nicht um den Literatur-Nobelpreis gerissen. Was kann sie dafür, wenn andere ihr Werk hierfür ausgewählt haben?
Außerdem, meist sind bezeichnender Weise die am härtesten im Urteil, die selbst ihr ganzes Leben lang niemals ein Buch in diese Welt setzen werden (können). Und denen fehlt es dazu nicht nur am Thema.
Klaus R.
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8.
• 22.12.2009 um 22:02 Uhr
• lokaote
8. Iris Radisch in der ZEIT zu Herta Müllers "Atemschaukel" – eine
Das Buch kommt aus einer anderen Welt als derjenigen, aus der Iris Radisch und wohl die meisten von uns kommen. Das Buch schreibt von Deportation, von Zwangsarbeit, von Hunger, von Kälte, von Qual, von Tod, von der "Banalität des Bösen", um Hannah Arendt zu zitieren. Und es erzählt vom Überleben in der Hölle und den Nachwirkungen dieser Traumatisierung.
In unserer Welt fragt man sich, wenn man nachts raus muß, ob es warm genug ist oder ob man den Bademantel braucht. In der Welt des Buches kann es einem passieren, daß man auf dem nächtlichen Gang über den Lagerhof zur Latrine erschossen wird, weil der Wachposten schlechte Laune hat.
Dieses Buch, das von einer unendlichen Qual erzählt, irritiert zunächst durch seine Sprache. Diese Sprache ist überraschend poetisch. Fortlaufend und wiederkehrend werden Bilder, poetische Verdichtungen gebraucht: die Atemschaukel, der Hungerengel, die Herzschaufel, um nur einige zu nennen. Das Geschehen selbst, die Außenwelt, da hat Radisch recht, wird in eine menschengestaltige Sprache (Anthropomorphismen) gebracht, alles wird lebendig, verliert die Grenze von Innen zu Außen, verliert auch das Maß an Zeit und Raum.
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MILDERNDE UMSTÄNDE IM PROZESS
ein riesiges Kollektiv von Toten Vergangenen
vernetzt das Außen:
Ämter Strassen Fluglinien Nachrichten
Systeme sogar das Netz der Banken wo die Masse
anrollt / und Menschen auf rotierendem Erdball
und meine Akte im Schrank
Polizeigewahrsam fürs Hirn und im Geschehen Befragung
Interesse kalt doch mit scharfer Kontur Securitate
tat weh / fahl der Tag / ein Zittern
Ausnahmezustand stob ins Bild das wir sahen.
Doch wehe meine Ewigkeit wird vernachlässigt
und ich werde gnadenlos jenem Summen übergeben
zur Ruhe im Patientenpark oder schreibend am Tisch
ganz allein ausgesetzt auf den Bergen einwärts
im Grünen zu frei.
Die Krankheit leben zu müssen
erreichte mich / erst im Westen
erbsündennah wie ein Totschlag
im Alleinsein wund und ganz da.




Für Nicolas Damian.
(Damian Necula)
1937- 6. September 2009

Sie sausen vorbei / die Sekunden
Auch jetzt. Wir wollten
Die Zeit aufhalten / mit
Einer Poesieakademie.
Dachten / wir seien besser
In einer vergehenden U-Topie
Als jene /die nicht daran glauben
Dass es in uns den alten Gott
Immer noch gibt.

So hatten wir auch dem
Teufel der Securitate
Widerstanden / Stolz bis
Vor zehn Jahren. Aufgerieben
Unser Mut und die Stärke des Herzens
Langsam / denn das Alter schlug zu.

Und sterben müssen wir alle.

Wir wurden leiser und leiser
Wir wurden weniger und weniger und
Verloren den
Größeren Mut im Exil.

Und jetzt bin ich allein / hier mit der
Vorgestellteren Zukunft
Du bist nun
Asche.

Und deine Bücher gehen
In ihren Schlaf ein
Im Bleiben.




Samstag, 1. Mai 2010

Die zwei Epochen der Securitate. Neueinstellung:Wider Geschichstfälschungen

Dieter Schlesak

DIE ZWEI EPOCHEN DER SECURITATE

VORBEMERKUNGEN

Nein, es geht hier nicht nur um Literatur, es geht um eine falsche Heldenlegende und um eine Verwechslung und Vermischung von Literatur und Widerstand. Ja, mehr noch, um eine Trennung von Literatur und Widerstand. Ein angeblicher Widerstand gegen das rote Regime, ein Widerstand, den es nicht gegeben hat, der nichts als Literatur ist, wird weltweit als aktive politische Widerstandsleistung vorgeführt, ins Politische stilisiert. Anstatt die wirklichen, die literarischen Werte zu preisen, wird er als politische Tat peinlicherweise mit höchsten Ehren bedacht– und der jungen Generation als Beispiel vorgeführt.

Da ich mit meinem Werk und meinem ganzen Leben als Autor diesen Themen eng verbunden bin, aber nicht nur die eine Epoche der Securitate, die der Tauwetterzeit des Ceauşescuregime, sondern auch die harte Gulag-Periode miterlebt habe, sowie die Nazizeit, dann den Heimatverlust und das Exil, diesen Themen mein Leben als Autor gewidmet habe, ich also in der Lage bin, diese Heldenlegende - peinlich berührt - zu durchschauen, erscheint auch mir (und noch vielen anderen meiner Generation!) diese angemaßte Widerstandslegende wie eine moralische Beeinträchtigung auch des eignen Lebenswerkes. So dass ich (wie andere auch!) nicht schweigen kann!!

Ich sehe mich, gemeinsam mit meinen noch lebenden Altersgenossen, als letzte Augenzeugen und auch als Augenzeugen der Augenzeugen, die der Wahrheit und niemals der Karriere und dem taktischen Machtspiel verpflichtet waren. Was seinen Preis hat und Machtverlust bedeutet. Ich glaube deshalb kaum, dass wir etwas an dem durch geschickte jahrelange Taktik gewonnen Machtspiel und an der verhärteten Öffentlichkeitsmeinung etwas ändern können. Und jetzt nach dem durch Öffentlichkeitsmacht gewonnenen antikommunistischen Widerstandsanspruch der "Aktionsgruppe Banat" und der neuen Nobelpreisträgerin, riskieren wir sogar, dass nun mit dem Finger auf uns gezeigt wird, wenn wir diesen Anspruch nicht akzeptieren, sondern ihn als peinlich empfinden!

Wir müssten wissen, dass die hohe „Währung öffentliche Aufmerksamkeit“ , auch wenn sie mit Täuschungen und Schein umgeht, nicht mehr korrigierbar ist. Es gibt dafür große Beispiele in der Geschichte. Nein, dieses festgefahrene Bild heute von der selbsternannten Anti-Ceauşescu-Liga, den Anti-Securitate-Kämpfern und „Helden“ in der Öffentlichkeit, können wir Älteren sicher nicht mehr ändern. Eine Tatsache, die nicht nur mich zur Verzweiflung treibt, doch durchaus mit der Einsicht einhergeht, dass auch Macht-Mangel eine Art moralische Schuld bedeutet, weil sie notwendige Wahrheiten nicht durchsetzen kann, zusehen muss, wie Halbwahrheiten oder gar Lüge und Betrug triumphieren!

Der folgende Aufsatz ist also wichtig, um Geschichtsfälschungen wenigstens zu offenbaren und als solche anzuprangern! Und ich habe vor, nach dem Dokumentar-Roman über den siebenbürgischen Auschwitzapotheker, der es zu einem weltweiten Erfolg gebracht hat, nun auch über die zwei Epochen der Securitate und über das Spiel, das auch heute noch mit ihr getrieben wird, ein ganzes Buch zu schreiben Und es wäre schön, wenn auch hier Aufklärung weltweit Erfolg hätte.

Der folgende Aufsatz kann nur ein stark verkürztes Bild von dieser Problematik geben.

DIE ZWEI EPOCHEN DER SECURITATE, IHRE FOLTERMETHODEN, IHRE DISSIDENTEN UND INFORMANTEN.

Persönliche Erfahrungen

1
„Der zu Verhörende wurde mit dem Kopf nach unten aufgehängt… Mit einer Sonderzange wurden ihm die Fingernägel ausgerissen … Seine Fußsohlen wurden mit einer Stichflamme gebrannt … die Hoden wurden mit einem dicken Bleistift oder einer dünnen Weidenrute so lange geschlagen, bis das Opfer unter fürchterlichen Schreien in Ohnmacht fiel, und in vielen Fällen verstarb. (Methode des Securitate-Folterers Franţ Ţandără, der auch nasse Sandsäckchen zu Schlägen auf Rückgrat und Nieren benützte. Sein Bekenntnis erschien am 21. März in der Zeitschrift „Singur“ in Bukarest) …Schreckensschreie oder Stöhnen von nahen Verwandten wurden dem Opfer zu Gehör gebracht… Schläge mit einem Prügel auf den Kopf des Opfers … Tritte mit dem Stiefelabsatz in den Mund, die Zähne des zu Verhörenden … Hetzen eines Wolfshundes auf das nackt an einem Pfahl festgebundene Opfer … Isolierung des Gefangenen über Wochen und Monate in engsten Zellen, wo er nur stehen konnte …“
Die Quellen sind inzwischen weitgehend zugänglich, vor allem durch den offiziellen „Raport Final“, eine Art Schwarzbuch des rumänischen GULAG, erschienen in Bukarest 2007 im Humanitas Verlag. Die Aufzählung der Foltermethoden stammt aus diesem Bericht. Der ehemalige politische Häftling Cezar Zugravu zählt in seinem Bericht „Die Foltermethoden der Securitate“ Einundvierzig „Methoden“ auf.

Es wird neuerdings zum Thema Securitate viel Unsinn geschrieben, noch mehr gequatscht und angegeben; man kann sich der vielen selbstgerechten Moralisten, Widerständler, Dissidenten und tapferen Autoren der späteren, der sanften Tauwetter - und Ceauṣescu-Zeit kaum erwehren. Vergessen aber wird die Folter- und Schreckenszeit vor 1965 mit über zwei Millionen Opfern. Man muss dabei nicht auf die vielen Memoiren, etwa von N. Steinhardt, Lena Constante, auf das Buch über das furchtbare, jede Vorstellung überschreitende Folter-Experiment in den Zellen des Gefängnisses von Piteṣti in Südrumänien (im „Raport Final, S. 598-614), die Gefängnis-Romane von Paul Goma oder auf das Dokumentar-Buch über das Folterregime der stalinistischen Hölle, das 1959 auch fünf deutsche Schriftsteller traf, zurückgreifen. (Es ist deutsch 1993 im Verlag IKGS der Münchner Uni unter dem Titel: „Worte als Gefahr und Gefährdung“ erschienen). Wie sehr es dem Terror-Regime darum ging, jeden Glauben, jede Identität zu zerstören, die menschliche Würde mit Füßen zu treten, das Gewissen umzukehren, um ein negatives glaubensloses Hasssubjekt in seinen Zwangsdienst nehmen zu können, zeigt im unerträglichen Extrem die „Reeducare“ (Umschulung, Umerziehung) im Vernichtungsgefängnis Piteṣti: „Die delierierende Phantasie von Eugen Ţurcanu – schreibt Virgil Ierunca, der das wohl wichtigste Buch zum „Phänomen Piteṣti“ 1991 in Bukarest veröffentlicht hat, „wurde vor allem dann entfesselt, wenn er es mit Studenten zu tun hatte, die an Gott glaubten und versuchten, ihren Glauben nicht zu widerrufen. So wurden diese jeden Morgen „getauft“, indem ihr Kopf in einen Kübel mit Fäkalien und Urin getaucht wurde, während die Umstehen die Taufformeln psalmodieren mussten.“
Ein Blick in den außerordentlich akribisch und mit einer Überfülle an Dokumentar-Material belegten offiziellen „Raport Final“ über die rote Diktatur, wo auch diese Details ausführlich zitiert werden, genügt, um zu erkennen, wie relativ harmlos die siebziger und achtziger Jahre im Verhältnis zur stalinistischen Zeit der fünfziger und sechziger Jahre waren. Unter den vielen Folterberichten und Fällen aus dem rumänischen Gulag, gibt es im „Raport Final“ nur wenige aus der Ceauṣescu-Zeit. Das gleiche gilt für die Untersuchungen der roten Verbrechen in Rumänien durch die Gedenkstätte Sighet (Memorial- Sighet), die von der bekanntesten rumänischen Lyrikerin Ana Blandiana und ihrem Ehemann Romulus Rusan begründet wurde, und dessen erschütternder Bericht, „Chronologie und Geografie der kommunistischen Unterdrückung in Rumänien,“ Fundaţia Academia Civică, 2008, kürzlich auch auf Deutsch erschienen ist.
Ich habe diese Quellen, ohne die ein Verständnis der Securitate und ihrer Spitzel- und Folterwelt unmöglich ist, in keiner der inzwischen massenhaft erschienenen Artikel zum Nobelpreis 2009 an Herta Müller oder zum IM-Fall Werner Söllner gefunden. Auch die beeindruckenden Augenzeugenberichte einer Zeitschrift des rumänischen Schriftstellerverbandes „Memoria“ nicht. Wichtig ist „Memoria“, vor allem Nr. 1/1990, weil sie Fakten aufklärt, die die Securitate-Verfolgung der Autoren in Rumänien betrifft. „Memoria“ zeichnet schlimmste Folterberichte auf. So auch jene aus der Folterkammer „camera 4-spital“ Piteṣti, jener einmaligen Erfindung der Securitate, wo Häftlinge sich Tag und Nacht gegenseitig foltern mussten, einmalig in der ganzen Gulag-Geschichte. All diese Berichtewurden gleich nach dem Fall der Diktatur von Betroffenen veröffentlicht!

In „Memoria“ wird auch der vielen Toten und Verschwundenen gedacht, sogar eine Suchliste wird veröffentlicht. Doch kein einziger Bericht oder Fakt stammt aus der Tauwetter-Zeit Ceauṣescus. Und die Aufarbeitungs-Moral heutzutage ist in den meisten Fällen nichts als ein Mäntelchen, das sich alle, auch jene, die keine Ahnung vom Stoff haben, umhängen. Und die sich ausschließlich mit der Ceauṣescu-Zeit beschäftigen, die im Verhältnis harmloser, aber sehr viel bunter und „mediengerechter“ ist.
Mit einer Ausnahme, der kurzen Analyse des Literaturkritikers Gerhardt Csejka, der objektiv und präzise die ganze kommunistische Epoche ins Blickfeld rückt und nicht nur den harmloseren Tauwetter-Ausschnitt, dabei auch dem Rufmord-Opfer Werner Söllner gerecht wird. Csejka schreibt über die „Zäsur“, die das „Tauwetter“ der Ceauṣescu-Zeit ab 1965 charakterisiert: „Zu den kulturpolitisch relevanten Folgen dieser Zäsur gehörte eine deutliche Reduktion der Angst, sich mit einem falschen Wort um Kopf und Kragen zu reden (oder zu schreiben). Auch der Gedanke an die ständige Präsenz der Securitate-Lauscher war in der Folgezeit weit weniger verhaltensbestimmend als in der Zeit davor.“ (Büßen für die Schurken. IM ja, Spitzel nein? Der Tagesspiegel, 12.12.2009.) Csejka, der selbst Mitglied der „Aktionsgruppe Banat“ war, ist Jahrgang 45, er hat die Zeit des fürchterlichen rumänischen Gulag noch am eigenen Leib miterlebt, die fast zehn Jahre Jüngeren der „Aktionsgruppe“ hatten keine Erinnerung daran. Nirgends sonst wird der Folterepoche der Stalinzeit vor Ceauṣescu und der wirklichen Opfer gedacht, jener in den Untersuchungs- und Foltergefängnissen Ermordeten, der in den Securitate-Kellern oder in den Lagern am „Kanal“ und im Donaudelta Umgekommenen.
Es gab freilich auch in der Ceauṣescu-Zeit Einzelfälle von Morden, doch beschränkte sich die Securitate auf diese, die massenhaften Verhaftungen, die oben beschriebenen Foltermethoden, und den physischen Genozid gab es nicht mehr, unter Ceauṣescu gab es wenige Prozesse; dazu gehört etwa der Prozess gegen Widerständler und ganzer Gruppen und „Rädelsführer“ von Arbeiteraufständen, etwa in Kronstadt, oder gegen die freie Gewerkschaft SLOMR mit etwa 2000 Mitgliedern. All das war auch ein Resultat der größeren Freiheitsmöglichkeiten, undenkbar in der Gulag-Zeit. Es gab also nicht nur den Literatenwiderstand der „Aktionsgruppe Banat“ (der als Randerscheinung in den Quellen kaum, meist keine Erwähnung findet!), da sie nur im Alleingang wirkte und keinerlei Verbindung oder gar Solidarität mit den realen sozialen Aktionen zeigte. Was heute zu heftigen Reaktionen und sogar Angriffen, etwa des Bürgerrechtlers Paul Goma oder des SLOMR-Mitbegründers Carl Gibson gegen die Aktionsgruppe geführt hat. Beide Kontrahenten, Goma und Gibson, saßen jahrelang im Gefängnis, Goma auch in der Gulag- und Folterzeit. Was man von den Banater Literaten nicht behaupten kann. Sie unterstützten diese Initiativen nicht, wussten vielleicht gar nicht von ihnen. Goma, der „rumänische Solschenitzyn“, hat sie in einem Artikel auf seiner Webseite (Fragment de jurnal, 9 octombrie 2009) heftig attackiert, und spricht etwa der neuen Nobelpreisträgerin jeden Anspruch auf Dissidenz ab. Die „Aktionsgruppe“ habe sich 1977, als Goma sich der tschechischen Charta zur Verteidigung der Menschenrechte anschloss, selbst eine Charta gründete, geschwiegen. Und Carl Gibson hat die Banater Literaten in seinem Buch „Symphonie der Freiheit“ (Dettelbach, 2008) ebenfalls heftig angegriffen.

Die Methoden des kommunistischen Königs Ceauṣescu waren andere als bisher, persönliche Rachakte einer les majestatis: er ließ auch Gegner der deutschen Minderheit einfach ermorden, so wurde Georg Horn 1987 von Securitate-Leuten vor der Deutschen Botschaft in Bukarest erschlagen, und Roland Kirsch wurde noch 1989 in seiner Temeswarer Wohnung ermordet.
Die Morde waren freilich auch zur allgemeinen Einschüchterung und als "Exempel" gedacht, wie andere Morde auch. Sie sollten weiter die Schreckenserinnerung an die Zeit vor 1965 aufrechterhalten, und diese Traumata lebten vor allem in den Älteren weiter, ließ sie weniger mutig sein als die Jüngeren, auch die jungen Literaten, die unbelastet davon waren und sich so freier und verwegener bewegen konnten! Und diese Verwegenheit war ein Produkt eben dieser neuen freieren Zeit.

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In der gegenwärtigen Pressekampagne geht es jedoch nicht um Todesfälle, sondern vor allem um eine späte „Dissidenz“, um Verhöre und Verfolgungen, Drohungen und Erfindungen der Securitate, die auch diffamierte, ja, dazu, etwa im Falle von Herta Müller, diese möglicherweise zur IM stilisierte, um mit allen Mitteln einzuschüchtern und zu entwürdigen (Müller hat sich verteidigt und ausführlich in der ZEIT darüber berichtet). Es ging also um Traumata und um den Seelenschmerz von AutorInnen in einer Zeit, da es die wirklichen Schrecken gar nicht mehr gab. Es geht vor allem um diese literarische Dissidenz dieser jungen und weniger von Schreckenserinnerungen belasteten Autoren in der Tauwetterperiode des „dynastischen Kommunismus“ nach 1965, die nun die ganze Aufmerksamkeit und das Medienecho allein auf sich lenkt. Zu bedenken ist auch, dass die Alltagsangst im Ceauṣescu-Staat samt den drei F (foame, frig, frică, Hunger, Kälte, Angst) für die gesamte Bevölkerung, nicht nur für die Literaten galt; der oberste Bonze, der Herr der eigenen Eitelkeit mit Zepter und unsichtbarer Partei-Krone setzte Angst als Regimekitt ein, die ebenfalls alle täglich erfuhren. Die Securitate jener Zeit war so nur eine Angst- und keine Foltersecuritate, sie diente als Angstproduzent und Herrschafts-Instrument der Partei, und war kein Vernichtungsinstrument mehr. In dieser gewandelten Form freilich, war sie besonders wichtig. Es ging nach 1964/65 nicht um Gefängnis, Lager und Folter, die in einem geheimen Partei-Dokument von 1967 als Verhörmethode sogar kritisiert und als abgeschafft betrachtet wurden, sondern es ging nur noch um psychischen Terror (hinter dem aber kein fürchterlicher Gulag und kein mögliches Verschwinden stand wie in der Zeit vorher! Und das wusste jeder!). Es ging nur um Einschüchterung als „Prophylaxe“, um das Entstehen von Widerstand und politischer „Delinquenz“ von vorneherein zu verhindern! Außerdem musste ja in der lächerlichen Zepterwelt des kommunistischen Dynasten, die diplomatische Außenwelt (auch nach einigen internationalen Abkommen! Und Aufnahme des Landes in die UNO) eine gute Figur machen, um Gelder und Ehren zu ergattern; alles im Dienste der regierenden Familie. Die Dissidenz jener Jahre spiegelt dann auch diese clownartige, doch sinistre Theaterwelt der Macht wider, und war nicht die tödliche Dissidenz der endfünfziger Jahre, wo es sogar noch bewaffnete Partisanen in den Karpaten gab (bis 1961).

Doch zurück zum heutigen Echo im westdeutschen Medienbetrieb 2009 auf das Literaturecho der ehemals jungen rumäniendeutschen Autoren in jener finsteren Theaterwelt der Ceauṣescu-Zeit. Leider ist inzwischen auch der Fall des eigentlichen Opfers aus der „Aktionsgruppe“, William Totok unklar, seine Rolle widersprüchlich, er, der 1975 acht Monate Haft erleiden musste - einzig publizistische Entlarvung aus dem Westen, erzwangen seine Freilassung, ist nicht zweifelsfrei ein "Märtyrer".(Jene alte publizistische Aktion setzte damals mit Recht auf die Eitelkeit der Parteikönige („dynastischer Kommunismus“), auf deren Sorge um ihren Ruf und die Gelder aus dem Westen. Es gab damals in der Tauwetter- und Öffnungszeit diese schöne Macht der Westmedien, um gefährdete Kollegen zu schützen! Ich darf darauf hinweisen, dass ich selbst mit einem Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ und einer Sendung im hr, beteiligt war.) Und der Autor Helmuth Frauendorfer, der auch bei der Securitate „unterschrieb“, aber dann unter Risiko, die Mitarbeit verweigerte, erhält als Opfer kaum Aufmerksamkeit. Wichtiger sind jetzt andere, eben die Literaturdissidenten, die dazu noch vom roten Regime gepäppelt wurden (Herta Müller nahm mit Dank den Preis des kommunistischen Jugendverbandes und andere zwei politische Preise im roten Rumänien an!) oder Parteimitglieder waren, sogar veröffentlichen und in den Westen reisen durften. Auch Müller durfte mehrfach für ihre Bücher in den Westen reisen. Was ist das für eine seltsame Dissidenz?
Ich gebe zu, dass auch ich, wie viele Kollegen, es andererseits und "schizophrenerweise,“ Herta Müller danke, dass sie die rumäniendeutsche Literatur aus ihrer provinziellen "Ecke" geholt und weltweit bekannt gemacht hat. Uwe Wittstock hat das in der "Welt" gut beschrieben. Die Nobelpreisträgerin will freilich von solch einer "Stellvertretung" nichts wissen, sondern reklamiert den Preis einsam für sich, nennt auch außer Oskar Pastior keinen einzigen anderen Kollegennamen.
Auch stimme ich keinesfalls in den Jubel ein, den die Kritik weltweit zur "Atemschaukel" angestimmt hat, sondern bin da eher mit Iris Radisch einer Meinung, die im Sommer 2009 in der "ZEIT" das Buch scharf kritisiert, ja, verrissehn hat. Nach dem Nobelpreis ist dann auch Iris Radisch "umgefallen" und kennt nur noch Lob. Jetzt haben die Leser das Wort, die zuerst hunderttausendfach das Buch gekauft haben, inzwischen liegt es, die Enttäuschung ist groß, und ich höre aus Italien, aus Deutschland, aus Rumänien nur vernichtende Kritik der Leser, die diesen Aufstieg nicht begreifen können, und sich betrogen fühlen!

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Im Dezember 2009 wird, ebenfalls mit bereitwilliger und naiver West-Medienhilfe, nicht nur der wirklichen Opfer nicht gedacht, sondern es werden neue Opfer produziert, die als Täter vorgestellt, - denn zum Guten gehört ja das Böse – jene Diktaturzeit anschaulich und fast greifbar machen. Vor allem diese mutige und hochmoralische Leid- und Widerstandsgröße ist es, die weltweit Bewunderung erweckt, bei mir Bewunderung auch für das taktische Geschick und die Art, wie man aus Wenigem Viel machen kann. All dieses verhilft dazu, dass man die Securitate neu auferstehen lassen kann, da sie ja als Werk- und Lebensthema weiter gebraucht wird. Vorzeigbare Täter sind willkommen. Dabei geht es, wohlgemerkt, nicht um die kriminellen Zuträger und Denunzianten aus der Folterzeit, die Menschenleben auf dem Gewissen haben, sondern es geht ausschließlich um Täter aus der Theaterwelt des kommunistischen Königs, um mehr oder weniger harmlose und schwach gewordene Opfer der Hauptideologie der Securitate jener Zeit: die Einschüchterung!

Ich spreche hier vor allem vom Fall Werner Söllner, der inzwischen – was er mit seinen Gedichten und seiner Dinescu-Übersetzung so nicht schaffen konnte – nun auch Literaturfremden als IM-Bösewicht präsentiert, medienbekannt wird wie ein bunter Hund.
Es mag sein, dass diese ganze emotionsgeladene Kampagne in Interviews und Beiträgen Material liefert, wo Augenzeugen im Lebens- und Erinnerungsvergleich beim Umgang mit ihren eigenen Securitate-Akten wertvolle eigene Erfahrungen beitragen; ja, all das kann die Grundlage und der Anstoß für spätere ernsthafte wissenschaftliche Untersuchungen sein, doch die Securitate-Akten dürfen niemals als Quelle von Tatsachen oder gar von Wahrheitsbehauptungen wie in den erwähnten Artikeln, eingesetzt werden! Zur Zeit aber ist alles vorbelastet und, wäre es ein Straf-Prozess, müssten die Zeugen wegen „Befangenheit“ abgelehnt werden.
Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die wirklichen Täter, Folterknechte, deren Namen sogar bekannt sind, „Führungsoffiziere“, soweit noch am Leben, frei herumlaufen, ihre Pensionen als „Staatsbeamte“ genießen, während ihre durch Angstmethoden angeheuerten Opfer im „freien Europa“ nun zur Verantwortung gezogen, riskieren, dass ihre Karrieren und ihr Berufsleben, ja, ihr Leben zerstört wird; einige Selbstmorde wurden bekannt. Die eigentlich Schuldigen wurden nie bestraft.
Wir wissen, dass der Kollege Werner Söllner bei einer Tagung am 8. Dezember 2009 in München zum späten Thema „Securitate“, seine Zuträgertätigkeit und Mitarbeit offenbarte, sich dazu entschloss, eher entschließen musste! Und zerknirscht dann auch Interviews gab und in einem beeindruckenden Auftritt in 3sat bekannte, dass er zwar nach 30 Jahren nicht mehr genau wisse, was er wirklich getan habe, doch durch einen ungeheuren Angstdruck, dem er nicht lange widerstehen konnte, sondern – er bezichtigte sich selbst – Charakterschwäche gezeigt habe, im Dienste des Geheimdienstes Gedichte und andere Texte von Kollegen, darunter auch Texte von Richard Wagner, Herta Müller, Johann Lippet, Gerhart Ortinau, William Totok u.a., „interpretiert“ und nach „systemfeindlichen Inhalten“ ausgeforscht habe. Er sollte also dem berühmten „Versteckspiel in der Metapher“ auf der Spur sein, was fast ein Hohn für die rumäniendeutsche Literatur jener Zeit (1971-75, aber auch für meine Zeit nach 1959-1968) war, eine kleine Literatur, die damit groß geworden war, indem sie ihre Sprache unter solchen Gefahren geschärft hatte, und so Werte schaffen konnte, die sie dann bis zum Nobelpreis hinauf katapultierte. (Der Preis ist nicht nur für literarische Werte, die ja in hohem Maße da sind, wenn auch angezweifelt, so etwa von Iris Radisch in der ZEIT ("Kitsch oder Weltliteratur? 20. August 2009), sondern – leider- vor allem für einen „mutigen Widerstand“ gegen die Diktatur und nun stellvertretend für alle Dissidenten, in welchem Regime auch immer, verliehen worden!!!).

Das Gegenteil von der nun in den Himmel gehobenen Kollegin Müller ist Werner Söllner, kein schlechterer Autor, aber einer, der ins Inferno der Ächtung verstoßen wurde. Bittere und zerknirschte Bekenntnisse hat er, der sensible Lyriker und gewissenhafte Mensch, den ich als aufrichtigen, ausgewogenen und sehr leidensfähigen Schriftsteller kenne, selbst unter Schock geliefert. Denn seine Akte lag auf dem Tisch oder zumindest in den Köpfen der Teilnehmer, so dass er in Vorausverteidigung sozusagen gezwungen war, diese „mutige“ Tat zu begehen, seine „Jugendsünde“ (er war Student und 20 Jahre alt), seine geheimdienstphilologische Tätigkeit unter dem Decknamen „Walter“ zu gestehen. Es war eine gefährliche Offenbarung, deren Folgen ihm sicher klar waren. Vor allem ein negatives Image als Autor und Poet, der seinen Namen in die finsterste Ecke verbannt, sehen muss. Seine Fürsprecher, Eva Demski, Gerhard Mahlberg (im hr), Gerhardt Csejka, vor allem aber Michael Markel, der schon bei der Tagung sagte, dass Söllners „Interpretationen“ ihn vor Schlimmem bewahrt, ja, ihn gerettet haben, wurden jedoch sofort von Richard Wagner im Blog der „Achse des Guten“ attackiert und Söllner an den Pranger, ja an die Wand gestellt. (Vor allem auch in der FAZ vom 16.Dezember 2009).

Man darf freilich nicht vergessen, dass der Fall im Securitate-Schriftstellerbereich symptomatisch ist, dass solche geheimdienstlichen Text- „Deutungen“ auch im Falle der fünf deutschen Schriftsteller (Bergel, Scherg, Siegmund, von Aichelburg, Birkner) 1958-1959, also in der härtesten Zeit, eine große Rolle gespielt haben. Immer ging es um diese literaturversteckte interlineare „Tat“, die ein verstecktes “feindliches“, ja „regimefeindliches“ Denken offenbarte, bis hin zum angeblich „umstürzerischen“ Bewusstsein. Das vom Regime am meisten verfolgte, gefürchtete wilde Tier, war der Wahrheitsträger Sprache, und damit in erster Reihe Literatur und Witz! (Beim 1959 verurteilten rumäniendeutschen Autor Hans Bergel war es etwa schon das von „Geheimdienstphilologen“ aufgedeckte Gegensatzpaar „Fürst und Lautenschläger“, Dichter contra Diktatur, das ihm zum Verhängnis wurde!)

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Doch zurück zum unglücklichen Werner Söllner: Auch wenn alles wahr wäre, was gegen ihn vorgebracht wird, darunter „Tatsachen“, diese „Entlarvung“ hätte 1975 geschehen müssen, als sie noch geholfen hätte, das war damals aber unmöglich. So bleibt die Frage offen, wem hilft sie heute, und wozu das alles? Aufarbeitung? Wahrheit? Oder Rache, gekoppelt mit den Vorteilen des hellen Rampenlichts?
Allerdings, auch wenn wir vom wirklich wahrheitsmäßig Authentischen und der Substanz ausgehen, und diese „Aufarbeitung“ als wichtiges historisches Pensum ansehen, bleibt die Frage: Wer kann, wer darf da anklagen, und mit welchem Beweismaterial. Nun ergibt sich auch hier eine unangenehme Tatsache: Jene, die anklagen, haben möglicherweise kein Recht, kein Mandat dazu, denn einige haben selbst, zumindest als Parteimitglieder bis 1985 mit dem Regime kollaboriert. Und die Partei war es doch, die der Securitate die Aufträge gab (Die Securitate:Directia Generala a Securităţii), als Parteiinstrument wurde vom Sekretariat des Zentralkomitees der RAP (PMR ) am 10. Juli 1948 durch das „Dekret“ Nr. 221 gegründet, und ihre Terror- „Aufgaben“ festgelegt, die sich im Wesentlichen bis 1989 nicht verändert haben. Doch darf man nicht vergessen, dass die Beziehung Partei-Securitate sich veränderte. Und dass die Partei eher schwächer, die Securitate stärker wurde. Dass auch viele in die Partei eintraten, weil sie sonst einen führenden Posten gar nicht haben durften. Und viele sogar eintraten, um mehr Macht zu haben, positiv die Dinge zu verändern. Aber auch Gründe des sozialen Vorteils gab es freilich, so dass der Status des "einfachen" Parteimitglieds und überhaupt diese Mitgliedschaft sehr differenziert gesehen werden muss.

Aber wenn Söllner, sollte es wirklich stimmen, zur Zerschlagung der Aktionsgruppe so mit beigetragen hat, wäre das ein nun unvergessliches literaturhistorisches Phänomen in der Geschichte der Aktionsgruppe und damit in der rumäniendeutschen Literatur, die via Nobelpreis ja nun auch für die deutsche Literaturgeschichte eine viel größere Bedeutung hat als bisher! Und da ist noch etwas, was mich im „Fall“ Söllner besonders aufbringt: Vergleichbar wie er hat auch der Romancier Eginald Schlattner, aber in einer ganz anderen Zeit, gehandelt, dem Druck nachgegeben, unter ganz anderem lebensbedrohendem Druck, und er saß zwei Jahre im Gefängnis, wo er „bearbeitet“ wurde, so dass er als Kronzeuge der Anklage gegen fünf Kollegen auftreten musste, was freilich wenig bedeutet, da die Rollen im Schauprozess, sowie dessen Ausgang von der KP schon vorher festgelegt wurden. Oder ein anderer Fall: nach jahrzehntelangem Gefängnis wurde der rumänische Lyriker Ion Caraion, der 7 (11) Jahre gesessen hatte (wegen vier in den Westen geschickter Gedichte!), der initiativreichste Autoren-IM, der Secu-Portraits über viele Kollegen schrieb. Schlattner hat in seinem großen und sehr wichtigen Roman „Rote Handschuhe“ (Wien, 2000), vielleicht den besten Roman über diese Zeit geschrieben, wo er hautnah und aus dieser Gewissenslage heraus, diese Erfahrungen verarbeitet, als Grundargument für seinen erzwungenen "Verrat", auch Gewissensgründe vorbringt, dass er von der Zukunft des Kommunismus damals überzeugt gewesen sei (viele andere Autoren, auch in Ostdeutschland, waren damals 1960 „Überzeugte“, wie wir das nannten! Und ich nehme mich nicht aus!) Doch Söllner im Jahre 1974?! Er hatte weder im Gefängnis gesessen, noch drohte ihm Verhaftung, die einzige Drohung mit der ihn „Hertza“, sein "Führungsoffizier" dazu brachte, IM zu werden, war die Exmatrikulierung aus der Uni. Und man fragt sich heute: wäre diese Exmatrikulation nicht ein geringerer Preis gewesen als die jahrzehntelange Gewissensnot? Und ob dieser Preis damals 1971 auch wirklich zu zahlen gewesen wäre, steht sehr in Frage. Nicht nur Herta Müller verweigerte sich in jenen Jahren, sagt sie, sie habe aber der Verweigerung ihrer Mitarbeit wegen ihren Job als Übersetzerin verloren; Helmuth Frauendorfer, Mitglied der Gruppe, der nach eignem Bekenntnis (Interview mit Helmuth Frauendorfer: In den Fängen der rumänischen Securitate, Stern.de, 17.12.2009), zuerst sogar „unterschrieben“ hatte, dann aber jede Mitarbeit verweigerte und alles sogar „dekonspirierte“, Kollegen offenlegte, was einer strafwürdigen Tat gleichkam, hatte keine Folgen zu erleiden! Und mir ging es in den viel härteren Zeiten um 1960, als Redakteur der „Neuen Literatur“ in Bukarest, genau so, ich verlor ebenfalls - als ich die Mitarbeit verweigerte - meinen Posten nicht, sondern wurde nur weiter verfolgt und bedroht! Ich hatte seltsamerweise das gleiche Argument, die Mitarbeit zu verweigern, wie Herta Müller: ihr „Charakter“ mache sie zu solchen „Diensten“ ungeeignet. Ich hatte das gleiche Argument – 1960 als mir das drohte, was Schlattner geschah! Ich wurde nicht entlassen! Hatte ich es meinem guten Chef, Emmerich Stoffel, Mitglied des ZK, zu verdanken? Und ich war ja immerhin Redakteur der „Neuen Literatur“, einer Enklave im Regime, die besonders scharf beobachtet wurde! (Für Lyrik verantwortlich, der ähnliches, auch in jener viel gefährlicheren Zeit! schon damals betrieb: Versteckspiel in der Metapher! Und das gleiche „Versteckspiel“ auch meinen Kollegen, denen ich ihre Gedichte in der Zeitschrift veröffentlichte, empfahl! - Gab es denn keine Wanzen in meinem Redaktionszimmer? Ich war verrückt mutig damals. Dass mir nicht mehr geschah, war ein großes Wunder! Es waren wohl nicht nur die evangelischen Schutzengel aus Siebenbürgen, die mir geholfen haben, nachdem ich mich einigen meiner Kollegen offenbart hatte, also voller weiterer Angst auch Strafwürdiges tat, nämlich „dekonspirierte“. Doch weder Müller, Frauendorfer, noch ich sollten uns auf unsere Verweigerung etwas einbilden! Es gab einige, die es taten, ich kenne auch einige Fälle aus jener harten Zeit.
Unser aller Widerstand (mit einigen Ausnahmen, es gibt auch genug TMs und Schwächlinge zuhauf, die nur aus familiären und Karrieregründen schon mal in die Partei eintraten, ohne allgemeinen Nutzen, doch auch kaum allgemeinem, außer vielleicht persönlichem moralischem Schaden; doch gab es nicht nur eine Minderheit unter den Rumäniendeutschen, sondern es gab mehr Landsleute als bekannt, die versuchten, auf ihre Art leise und unbemerkt dem Regime zu trotzen, es gab sie in allen Bereichen, nicht nur in der Literatur, sogar die Kirche (und da bin ich mit der Haltung von Kollegin Herta Müller, die auch die Evangelische Kirche Siebenbürgens der Securitate-Mitarbeit verdächtigt, ganz und gar nicht einverstanden!), Lehrer, aber auch viele Leute in den Betrieben, Hochschullehrer, Journalisten, Kritiker, Bauern, Angestellte, Beamte, Autoren, Fernsehleute etc.etc. die mit Taktiken der Idiotie des Systems trotzten! Und es gab auch bei Zensur-Mitarbeitern „Interpretationen“, die Gedichte und Menschen retteten. Auch Söllner half dem Hochschullehrer Michael Markel durch seine Geheimdienstphilologie. In meinem Fall wurde von einer Kollegin durch „Interpretation“ politischer Gedichte in Interlinearversion, mein Gedichtband „Grenzstreifen“ ermöglicht, und ich vor Securitate-Folgen bewahrt, politische Gedichte wurden von ihr als Natur- oder Liebesgedichte interpretiert! Es war eine Studienkollegin bei der Zensur, die mich und meinen Band rettete, so dass mir nichts geschah, sondern der Gedichtband „Grenzstreifen“ mit regimekritischen Gedichten, 1968, erscheinen konnte! Ihr sei Dank. Wie viele andere Bücher und Menschen sie auf diese Weise gerettet hat, weiß niemand. Auch Parteieintritte, wie bei Wagner, Absprachen, zumindest mit der Zensur und der Partei, gar dem ZK, wie im Falle Stoffels oder des Redaktionskollegen und Romanciers Arnold Hauser, konnten auch als taktisches Manöver, als ein Sich-Einlassen mit dem Teufel eingesetzt werden. Auch bei den Rumänen wurde so gearbeitet, ich denke an den Fall des großen rumänischen Philosophen Constantin Noica, der viele Jahre in den Securitate-Kellern gesessen hatte, und der dann nur mit bis zum Verrat reichenden Kompromissen, sogar mit Securitate-Mitarbeit, seine „Akademie“, eine Gesprächrunde auf der Hohen Rinne“ bei Hermannstadt, zu der auch der spätere Außenminister Andrei Pleṣu gehörte, in den Bergen aufrechterhalten konnte! Alles Methoden, die es möglich machten, dass sowohl eine rumänische als auch eine deutsche Kultur überhaupt weiter bestehen konnte, die dann 1989 neu zum Vorschein kam!

Nachdem ich nun immer mehr Material zum Fall Söllner, auch „Report Final“ gelesen habe, zweifle ich immer mehr an dieser einseitigen, durch die deutsche Öffentlichkeit bekannt gewordene diffamierende Darstellung, wie auch bei den anderen Fällen, bei denen jene, die das „Gewissen der Nation“ und Moralapostel spielen und sich aufspielen, sich karrieregerecht zur Selbstprofilierung in der Öffentlichkeit zur Schau stellen!
Schon aus Fairness muss dieser Vernichtungsaktion gegen Werner Söllner entgegengetreten werden. Nicht Gerhard Mahlberg, nicht Eva Demski, sondern Gerhardt Csejka zitiere ich dazu (Büßen für die Schurken. IM ja, Spitzel nein? Der Tagesspiegel, 12.12.2009.) Csejka ist da völlig unverdächtig , da er selbst zur „Aktionsgruppe“ gehört hat, deren Texte Söllner im Auftrag der Securitate deuten musste, und dieses ist eigentlich sein einziges „Delikt“: „Ehe keine Kopie der (handschriftlichen?) Originalberichte von Werner Söllner vorliegt, lässt sich nicht darüber urteilen, ob er jemandem zum Schaden oder (wie offenbar im Fall des Klausenburger Germanisten Michael Markel) zu dessen Gunsten berichtet hat… Ich weigere mich allerdings zu glauben, dass er ein Spitzel war, also jemanden im Sinne der Securitate-Vorgaben ausgehorcht hat…Diese Sorte IMs ist in den Akten massiv vertreten, ja es lassen sich da noch einmal Abstufungen der Verwerflichkeit beobachten. Bei aller nötigen Deutlichkeit der Unterscheidung zwischen Tätern, Opfern und Nichttätern wäre es eine unerträgliche Verwischung des tatsächlichen moralischen Reliefs der beteiligten Menschenlandschaft und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, wenn die übelsten Schurken unerkannt und ungeschoren davonkommen und einer, der sich mit seiner Schuld spät aber doch dem Urteil der Öffentlichkeit aussetzt, quasi auch für die größten Schweine büßen muss.“
Diese IMs, die wirklich dazu beigetragen haben, dass Menschen vernichtet wurden, oder etwa Söllners "Führungsoffiziere", genießen einen unverdienten Ruhestand im Osten oder Westen, und sie würden über all diese Auseinandersetzungen unter „verrückten Schriftstellern“ nur höhnisch lachen.

Gekürzt aus: Dieter Schlesak, „SECURITATE vor Gericht. Augenzeugenberichte, Dokumente und persönliche Erfahrungen“ in Vorbereitung als Parallelerscheinung zum Dokumentarroman „Capesius, der Auschwitzapotheker, 2006, 2.Aufl. 2009

Dieter Schlesak, geboren in Siebenbürgen, 12 Jahre Redakteur der „Neuen Literatur“ in Bukarest, Lebt in Stuttgart und in Camaiore/Lucca. Essayist, Romancier, Lyriker, über 30 Bücher. Mitglied des PEN.
Viele Preise und Auszeichnungen, zuletzt Dr.h.c. der Universität Bukarest, Preis der Kulturstiftung Baden-Württenberg 2007.

Samstag, 6. März 2010

Die zwei Epochen der Securitate. Brief an Horst Samson


Auszüge aus  einem Brief über die zwei Epochen der Securitate an Horst Samson
Februar 2010


Lieber Horst, danke für deinen bestürzten, bestürzenden, also nicht sehr 
objektiven brief. Aber dank, dass du so offen bist und nicht hinter meinem 
rücken, wie das andere tun, mauschelst!

Du kennst nur eine zeit, ich kenne beide!
Aus diesen erfahrungen schrieb ich meinen text, und aus dieser erfahrung 
schreibe ich auch an einem buch SECURITATE, wo beide von mir und andern, die 
mehr gelitten haben als du und ich, erlebte epochen beschrieben werden, mit 
viel dokumentarmaterial, interviews, prozess- und secuakten, ähnlich wie der 
"Capesius" und Securitate ist als pendant dazu gedacht. Denn das augenmerk 
darf nicht nur auf den braunen verbrechen konzentriert werden, er muss auch 
die roten anvisieren! Doch nicht nur die leider der aktionsgruppe oder 
überhaupt der rdautoren. Wobei es auch da kollegen gibt, die wirklich nicht 
nur psychisch gelitten, sondern drin saßen und auch gefoltert wurden.
Zu welcher "besinnung" soll ich denn kommen?
Auf einem auge blind zu sein?
Und zuschauen, wie nur die "täteropfer" zu leiden haben, ihre anstifter, die 
führungsoffiziere, die wirklichen schweine, die das auch noch als "dienst" 
und beamte taten, ihre pensionen ungehindert geniessen, wie ich las, auch 
der Secuoffizoer,der für Wagner und wohl für die ganze aktionsgruppe 
"verantwortlich" war? und niemand ihn/sie angreift, nicht mal moralisch? 
Findest du das richtig?

Ihr alle kennt nur euch, seht monoman nur eure leiden.

Wobei ich keineswegs die IMs verteidigen möchte, nur klarstellen, dass sie tatsächlich "täteropfer" waren, denen aber jetzt recht geschieht, dass sie an den pranger gestellt werden, und dafür leiden müssen, dass sie leiden gebracht, ja kollegen gefährdet haben.


 
Und doch muss eben wieder betont werden, dass es eben zwei Securitate-Zeiten gab.
Glaubst du mir ging es so blendend als redakteur in den 
sechziger jahren in der Gulagzeit bei der NL? Ihr hattet den Berwanger, ich 
hatte niemanden, der mich in einer viel gefährlicheren zeit, wo viele 
freunde verschwanden,  schützte, wer aus eurem umkreis ist denn  einfach so 
"verschwunden"? und dass ich nur wöchentlich mit drohungen "gerufen" wurde, 
immer wußte, dass ich "dran" bin, weil sie mich in der hand hatten, ich 
angeblich "versteckte manuskripte" vom kollegen Mircea Palachiu besaß, ich hatte ihm eine veröffentlichung versprochen, der dann 5 jahre in den kellern saß und sich sofort nach der freilassung aus dem frenster stürzte. Glaubst du meine frau  hat 
damals  nicht sehr oft geweint. Oder ist hinter mir hergefahren, wenn sie 
mich (oft genug, oft wöchentlich!) "holten"?
Dass mir damals nicht mehr passiert ist, kommt einem wunder gleich. Oder hat mein Chef der ZK-Stoffel mich beschützt?

Doch ich darf nicht nur an meinen "Fall" denken, es geht um vielviel mehr! 
Und bitte vergiss das nicht!

Freitag, 26. Februar 2010

Securitate, neuigkeiten

Ich halte es für wichtig, meine neue Fassung des älteren Aufsatzes "Securitate", den ich jetzt bei Spiegel online veröffentlicht habe, auch wieder in meinen blog einzustellen, da es um einige neuigkeiten und um eine hetzjagd geht.

Vor allem aber da Mißverständnisse aufgetreten sind, als hätte ich meinen Standpunkt revidiert! Nein, dass ist nicht der Fall! Und kann nicht der Fall sein, da es um Tatsachen geht!
Und dieser Aufsatz wird auch in Matrix erscheinen, heute habe ich mit dem Verleger Traian Pop darüber gesprochen, der irrtümlicherweise diesen Essay in der neusten Ausgabe der Zeitschrift Matrix nicht veröffentlicht hat, weil dieser zeitweilig in meinem Blog nicht vorhanden war. ER hat mir heute zugesichert, dass er das Mißverständnis und seinen Fehler korrigieren und der Essay in der neuen Ausgabe der Zeitschrift erscheinen wird!
Der Aufsatz ist wichtig, um Geschichtsfälschungen zu vermeiden!

SECURITATE


„Der zu Verhörende wurde mit dem Kopf nach unten aufgehängt… Mit einer Sonderzange wurden ihm die Fingernägel ausgerissen … Seine Fußsohlen wurden mit einer Stichflamme versengt … die Hoden wurden mit einem dicken Bleistift oder einer dünnen Weidenrute so lange geschlagen, bis das Opfer unter fürchterlichen Schreien in Ohnmacht fiel, und in vielen Fällen verstarb. (Methode des Securitate-Folterers Franţ Ţandără, der auch nasse Sandsäckchen zu Schlägen auf Rückgrat und Nieren benützte. Sein Bekenntnis erschien am 21. März in der Zeitschrift „Singur“ in Bukarest) …Schreckensschreie oder Stöhnen von nahen Verwandten wurden dem Opfer zu Gehör gebracht… Schläge mit einem Prügel auf den Kopf des Opfers … Tritte mit dem Stiefelabsatz in den Mund, die Zähne des zu Verhörenden … Hetzen eines Wolfshundes auf das nackt an einem Pfahl festgebundene Opfer … Isolierung des Gefangenen über Wochen und Monate in engsten Zellen, wo er nur stehen konnte …“

Die Quellen sind inzwischen weitgehend zugänglich, vor allem durch den offiziellen „Raport Final“, eine Art Schwarzbuch des rumänischen GULAG, erschienen im Humanitas Verlag, Bukarest 2007 . Die Aufzählung der Foltermethoden stammt aus diesem Bericht. Der ehemalige politische Häftling Cezar Zugravu zählt in seinem Bericht „Die Foltermethoden der Securitate“ einundvierzig „Methoden“ auf.



Es wird neuerdings zum Thema Securitate viel Unsinn geschrieben, noch mehr angegeben; man kann sich der vielen selbstgerechten Moralisten, Widerständler, Dissidenten und tapferen Autoren der späteren, der sanften Tauwetter - und Ceauṣescu-Zeit kaum erwehren. Vergessen aber wird die Folter- und Schreckenszeit vor 1965 mit über zwei Millionen Opfern. Man muss dabei nicht auf die vielen Memoiren, etwa von N. Steinhardt, Lena Constante, auf das Buch über das furchtbare, jede Vorstellung überschreitende Folter-Experiment in den Zellen des Gefängnisses von Piteṣti in Südrumänien (im „Raport Final, S. 598-614), die Gefängnis-Romane von Paul Goma oder auf das Dokumentar-Buch über das Folterregime der stalinistischen Hölle, das 1959 auch fünf deutsche Schriftsteller (von Aichelburg, Bergel, Birkner, Scherg, Siegmund) traf, zurückgreifen. (Es ist deutsch 1993 im Verlag IKGS der Münchner Uni unter dem Titel: „Worte als Gefahr und Gefährdung“ erschienen). Wie sehr es dem Terror-Regime darum ging, jeden Glauben, jede Identität zu zerstören, die menschliche Würde mit Füßen zu treten, das Gewissen umzukehren, um ein negatives glaubensloses Hasssubjekt in seinen Zwangsdienst nehmen zu können, zeigt im unerträglichen Extrem die „Reeducare“ (Umschulung, Umerziehung) im Vernichtungsgefängnis Piteṣti: „Die delirierende Phantasie von Eugen Ţurcanu" – schreibt Virgil Ierunca, der das wohl wichtigste Buch zum „Phänomen Piteṣti“ 1991 in Bukarest veröffentlicht hat, „wurde vor allem dann entfesselt, wenn er es mit Studenten zu tun hatte, die an Gott glaubten und versuchten, ihren Glauben nicht zu widerrufen. So wurden diese jeden Morgen „getauft“, indem ihr Kopf in einen Kübel mit Fäkalien und Urin getaucht wurde, während die Umstehenden die Taufformeln psalmodieren mussten.“

Ein Blick in den außerordentlich akribisch und mit einer Überfülle an Dokumentar-Material belegten offiziellen „Raport Final“ über die rote Diktatur, wo auch diese Details ausführlich zitiert werden, genügt, um zu erkennen, wie relativ harmlos die siebziger und achtziger Jahre im Verhältnis zur stalinistischen Zeit der fünfziger und sechziger Jahre waren. Unter den vielen Folterberichten und Fällen aus dem rumänischen Gulag, gibt es im „Raport Final“ keinen einzigen aus der Ceauṣescu-Zeit. Das gleiche gilt für die Untersuchungen der in Europa am meisten anerkannten Aufarbeitungsstelle der roten Verbrechen in Rumänien, die Gedenkstätte Sighet (Memorial-Sighet), von der bekanntesten rumänischen Lyrikerin Ana Blandiana und ihrem Ehemann Romulus Rusan begründet, dessen erschütternder Bericht, „Chronologie und Geografie der kommunistischen Unterdrückung in Rumänien,“ Fundaţia Academia Civică, 2008, kürzlich auch auf Deutsch erschienen ist.

Ich habe diese Quellen, ohne die ein Verständnis der Securitate und ihrer Spitzel- und Folterwelt unmöglich ist, in keiner der inzwischen massenhaft erschienenen Artikel zum Nobelpreis 2009 an Herta Müller oder zum IM-Fall Werner Söllner gefunden. Auch nicht die beeindruckenden Augenzeugenberichte einer Zeitschrift des rumänischen Schriftstellerverbandes „Memoria“. Wichtig ist „Memoria“, vor allem Nr. 1/1990, weil sie Fakten aufklärt, die die Securitate-Verfolgung der Autoren in Rumänien betrifft; sie ist gleich nach dem Fall der Diktatur erschienen, sie zeichnet schlimmste Folterberichte auf, auch aus der Folterkammer „camera 4-spital“ Piteṣti, jener einmaligen Erfindung der Securitate, wo Häftlinge sich Tag und Nacht gegenseitig foltern mussten, einmalig in der ganzen Gulag-Geschichte.



In „Memoria“ wird auch der vielen Toten und Verschwundenen gedacht, sogar eine Suchliste wird veröffentlicht. Doch kein einziger Bericht oder Fakt stammt aus der Tauwetter-Zeit Ceauṣescus. Und die Aufarbeitungs-Moral heutzutage ist in den meisten Fällen nichts als ein Mäntelchen, das sich alle, auch jene, die keine Ahnung vom Stoff haben, umhängen. Und die sich ausschließlich mit der Ceauṣescu-Zeit beschäftigen, die im Verhältnis harmloser, dafür aber sehr viel bunter und „medien-gerechter“ ist.

Es gibt nur eine Ausnahme, die kurze Analyse des Literaturkritikers Gerhardt Csejka, der objektiv und präzise die ganze kommunistische Epoche ins Blickfeld rückt und nicht nur den harmloseren Tauwetter-Ausschnitt, dabei auch dem Rufmord-Opfer Werner Söllner gerecht wird. Csejka schreibt über die „Zäsur“, die das „Tauwetter“ der Ceauṣescu-Zeit ab 1965 charakterisiert… Nirgends sonst wird der Folterepoche der Stalinzeit vor Ceauṣescu und der wirklichen Opfer gedacht, jener in den Untersuchungs- und Foltergefängnissen Ermordeten, der in den Securitate-Kellern oder in den Lagern am „Kanal“ und im Donaudelta Umgekommenen.

Es gab freilich auch in der Ceauṣescu-Zeit Einzelfälle von Morden, doch beschränkte sich die Securitate auf diese, die massenhaften Verhaftungen, die oben beschriebenen Foltermethoden, und den physischen Genozid gab es nicht mehr, unter Ceauṣescu gab es wenige Prozesse; dazu gehört etwa der Prozess gegen Widerständler und ganze Gruppen und „Rädelsführer“ von Arbeiteraufständen, etwa in Kronstadt, oder gegen die freie Gewerkschaft SLOMR mit etwa 2000 Mitgliedern. All das war auch ein Resultat der größeren Freiheitsmöglichkeiten, undenkbar in der Gulag-Zeit. Es gab also nicht nur den Literatenwiderstand der „Aktionsgruppe Banat“ (der als Randerscheinung in den Quellen kaum, meist gar keine Erwähnung findet!), da sie nur im Alleingang wirkte und keinerlei Verbindung oder gar Solidarität mit den realen sozialen Aktionen zeigte. Was heute zu heftigen Reaktionen und sogar Angriffen, etwa des Bürgerrechtlers Paul Goma oder des SLOMR-Mitbegründers Carl Gibson gegen die Aktionsgruppe geführt hat. Beide Kontrahenten Goma und Gibson, saßen jahrelang im Gefängnis, Goma auch in der Gulag- und Folterzeit. Was man von den Banater Literaten nicht behaupten kann. Sie unterstützten diese Initiativen nicht, wussten vielleicht gar nicht von ihnen. Goma, der „rumänische Solschenizyn“ hat sie in einem Artikel auf seiner Webseite (Fragment de jurnal, 9 octombrie 2009) heftig attackiert, und spricht etwa der neuen Nobelpreisträgerin jeden Anspruch auf Dissidenz ab.

In der gegenwärtigen Pressekampagne geht es jedoch nicht um Todesfälle, sondern vor allem um eine späte „Dissidenz“ (Luxusdissidenz?)… die nun die ganze Aufmerksamkeit und das Medienecho allein auf sich lenkt.

Vor allem diese mutige und hochmoralische Leid- und Widerstandsgröße ist es, die weltweit Bewunderung erweckt, bei mir Bewunderung auch für das taktische Geschick und die Art, wie man aus Wenigem viel machen kann. All dieses verhilft dazu, dass man die Securitate neu auferstehen lassen kann, da sie ja als Werk- und Lebensthema weiter gebraucht wird. Vorzeigbare Täter sind willkommen. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um die kriminellen Zuträger und Denunzianten aus der Folterzeit, die Menschenleben auf dem Gewissen haben.. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die wirklichen Täter, Folterknechte, deren Namen sogar bekannt sind, „Führungsoffiziere“, soweit noch am Leben, frei herumlaufen, ihre Pensionen als „Staatsbeamte“ genießen, während ihre durch Angstmethoden angeheuerten Opfer riskieren, dass ihre Karrieren und ihr Berufsleben zerstört wird; mit kräftiger Mithilfe der Nobelpreisträgerin, die ihre Machtworte wirklich anderswo besser nützen könnte! Was bisher ausgeblieben ist! Taschentuchreden helfen da kaum weiter. Uralte Täteropfer eines vergangenen Regimes aus Moralrache fertig zu machen noch weniger.



Gekürzt aus: Dieter Schlesak, „SECURITATE, Augenzeugenberichte, Dokumente und persönliche Erfahrun-gen“ in Vorbereitung als Parallelerscheinung zum Dokumentarroman „Capesius, der Auschwitzapotheker, 2006, 2.Aufl. 2009

Samstag, 9. Januar 2010

zu "Securitate" Tagebuch vom 9.Januar 2010

Tagebuch, 9. Januar 2010. Kommentare zu „Securitate“


Erfreut war ich, als ich im Siebenbürgenforum http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/119-aufarbeitung-der-kommunistischen/seite26.html

die Reaktionen auf meinen Aufsatz über die zwei Perioden der Securitate sah, wie eingehend und intelligent, auch wissend, die meisten hatten ja wenigstens eine dieser Perioden am eigenen Leib miterlebt, darüber reflektiert wurde. Einige ihrer durchaus berechtigten und konstruktiv, ja, nachdenklich und fragend geäußerten Kritiken, waren einen gute Hilfe, und ich veränderte daraufhin den Text, übrigens auch andere Freunde und Bekannte, Kollegen zumal (darunter auch Richard Wagner), die den Text aufgespürt oder denen ich die blogadresse zugeschickt hatte, hatten Fragezeichen zum Nachdenken. Einige waren unbegründet, viele konnte ich noch einmal nachprüfen, vor allem in der äusserst wichtigen Dokumentation, eine Art Schwarzbuch des rumänischen Kommunismus „Raport Final“ (rumänisch), andere Deutungen oder Fakten waren zu korrigieren.

Es ist ja für einen Autor, der meist ganz einsam in seiner Schreibstube arbeitet, ungewohnt, sofort und unmittelbar mit Kollegen und Lesern in einem gemeinsamen Geprächsraum zu diskutieren, das was er ebhen verfasst hat, vielen anderen unterschiedlichen Hirnen und Erfahrungen auszusetzen, die wie ein unendlicher Spiegelsaal dann alles zurückwerfen oder vielleicht auch einiges Zurückpfeifen, wo du im einsamen Gedankengang produziert, vielleicht dich auch verrannt hast. Diese Teamarbeit ist sehr fruchtbar, auch wenn sie Ärger bringen kann. Sie kann bestätigend sein, sie kann aber auch dazu führen, dass du einen Text, eine Arbeit, ja, ein Gedicht zurückstellst, es abwartend in deiner Manuskripthöhle lässt, oder es vielleicht sogar ganz vernichtest.

Doch eines ist mir klar, wo es nicht nur um Artikel, Essays, um Fakten und Deutungen, sondern, wo es um kreative Prozesse geht, ist Teamarbeit unmöglich, da kann die eigene Intuition und der Phantasiegang der Inspiration nur einsam vor sich gehen. Meist nachts kommen die Einfälle, und zwar wie fertig „abgerundet“ und zwingend, als würden sie keinen Widerspruch dulden, du bist dann nur noch ihr „Instrument“, freilich auch weiter kritisierbar: nämlich die Art, wie du diese Stimme ausführst.
Es gibt auch in der Form Notwendigkeiten. Einiges, das besonders komplex und mehr erlebt, gefühlt, erlitten wurde, ist direkt und begrifflich nicht sagbar; da hat „Lavinia“ in ihrem Beitrag vom 7.9. (siehe weiter unten bei den Kommentaren!) völlig recht. So habe ich auch versucht, ein Essay Gedicht zu schreiben, da ich ja von Haus Lyriker, nicht nur Romancier und Essayist bin, und das in deinem Ich und Selbst unausgesprochen als "Zustand", Gefühlszustand zur Sache etc. angesammelt hast!; was aber bei dieser „Materie“ schwieriger ist, zu „subjektiv“ als die Prosaform, für die ich mich nun entschieden hab bei meinem Buch „Securitate“. Ich möchte nicht so weitermachen, wie mit meinem hier nachlesbaren Aufsatz, der eventuell einführend möglich ist. Ich hatte mir zuerst vorgenommen, mit möglichst vielen „abgesicherten“ also auch Fußnoten-Texten zu arbeiten, die Urfassung des nachlesbaren Aufsatzes ist auch mit extrem vielen Fußnoten, Hinweisen usw. versehen, was aber die Lesbarkeit dann fast zunichte macht! Vielleicht stelle ich doch einige Proben morgen oder übermorgen hier ein.
Hier also etwas aus dem „Essay-Gedicht“, das ich nach einem Gespräch mit meiner kritischen Frau (sie war mal Lektorin bei Fischer) nun doch als Ganzes „ablege“ und hier nur wenig mitteile, was auch "vergehen" darf:

1
Was nicht sagbar ist unter der Sonne/was Macht bringt auch unter dem Mond
Und gegen alle Sterne/ die zerschellen würden/ aus ihrer Bahn geworfen
Wider die Natur von ihrem Sein abgewichen: der Begriff durfte die Lüge/ nicht fassen.

Das Gedicht aber braucht den Beweis nicht/ es ist wie ein Kind
der Beweis.

Nun groß geworden im Fernseh Licht/ Schweigen wäre besser
gewesen … menschennah und geerdet), Erfindungen in eine/ nach glaubbarer Lüge
Gierende/ Welt.
Ein X für ein U/ wenn Gefühle Zähne hätten ...

2

Intelligent wie der Teufel/ sprühend, genial sag ich/ Aber. Aber sage ich/ wir alle
Die durch die Hölle gingen/ haben ein vollklingendes Instrument/ gereift
In schmerzender Enttäuschung/ mächtig klingend einsetzbar/ für Wahrheit oder Erfindung.
Die Zuhörer sind/ naiv und offen. Sie wollen das Lied vom Schmerz und vom Standhalten hören.
Wie leicht ist es doch Leichtgläubigen Märchen zu erzählen /und größer als groß zu werden durch sie.

Wieder Helden zu haben. Echte, die wirklich gelitten und im Kampf nicht gefallen
Aufgestanden immer wieder mit lauter leicht erzählten Geschichten
Helden gibt’s doch heute so selten/ lass sie uns doch/ wir möchten sie nah ganz nahe haben.

3
Ich sage jetzt alles/ was sonst/ doch aus Takt/ aus geklammert werden muss.
Was unsagbar ist. Unsäglich bleibt. Und Wirklichkeit wurde.

Mit der Wahrheit auf dem Papier/ geduldig. Die kurzen Beine
Gekappt und so auf dem Bauch/ gelandet: auf einem einsamen
Papier Berg in dieser Zeit der Macht als Betrug/ und dem Betrug als Macht?

Probleme, wenn auch anderer Art, hatte ich beim Schreiben meines Dokumentarromanes „Capesius, der Auschwitzapothekers“, der dann 2006 im Dietz Verlag, 2009 bei Hora, jetzt hier bei Garzant in Mailan in zweiter Auflagei, in Polen, in Ungarn in Buakrest erschienen ist, englisch und spanisch wird jetzt daran gearbeitet (Capesius ist Schäßburger, mir seit meiner Kindheit bekannt, Freund meiner Mutter, und wurde dann der bekannte Massenmörder, den ich mehrfach in Deutschland dann zum Gespräch traf.) Enzensberger und Manea rieten mir, mich da ganz rauszuhalten, da ich klein „Mandat“ habe; ich tat es nicht, und musste dann 400 Seiten rausnehmen aus dem Buch. Es ging nur mit Augenzeugenberichten und Dokumenten, Briefen, Interviews usw.
Bei „Securitate“ ist das nun anders, ich war ja selbst Betroffener, habe die Folterepoche miterlebt, wenn auch nicht, Gottseidank, in der Zelle selbst, wie mein Freund Goma, der mir mit einigen anderen als Haupt-Personen-Vorbild dienen kann, samt einem „Ich“ und einem Alter Ego..

Wer nan diesem Buch und anderen, auch als e-books abrufbar, etwa die Fortsetzung von "Capesius" "Transsylwahnien" (ebenfalls als e-book abrufbar) und viele andere informationen zu Siebenbrgen und zu meinen ca. 30 Büchern, der klicke bitte mal meine homepage an: www.dieterschlesak.de


Ich werde in den nächsten Blogspots mich bemühen die ersten erzählten Seiten reinzustellen. Zumindest darüber berichten. Es scheint so zu sein, dass ich da eine Verpflichtung habe, als einer der letzten Autoren-Augenzeugen, der auch die anderen, die nicht mehr Lebenden kannte, mein Wissen, meine Erfahrungen über jene Epoche, die wie die Naizeit nicht vergessen werden darf, in einer geeigneten Form den Jüngeren weiter zu geben.
Günter Czernetzky schrieb mir vor zwei Tagen:
lieber Dieter,
vielen Dank für die Zusendung.
Die Lektüre machte mir einige Mühe, da ich nicht alle "Materiale" der Banater kannte.
Der Presserummel war sicherlich der Auf- und Ab-arbeitung dieser 70er Jahre - nach der Tagung - nicht dienlich.
Deine Kritik ist berechtigt wg der 50er Jahre, ich glaube es lag aber zu wenig neu recherchiertes Material über die Betroffenen vor.
Natürlich hätte ich auch gerne mehr über und von diesen Opfern gehört.
Schade, dass Du nicht zu der Tagung gekommen bist!!!
Du bist Zeitzeuge und die sollten sich den UNWISSENDEN stellen.
Ich hoffe es kommt zu weiteren Tagungen in denen auch andere Opfergruppen zu Wort kommen.
Bis auf weiteres, viele Grüsse

Doch hier nun diese wichtigen Stimmen zum Securitate-Aufsatz (http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/119-aufarbeitung-der-kommunistischen/seite26.html) (In Auswahl):
Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur
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getkiss
Erstellt am 05.01.2010, 11:59 Uhr
Eine nüchterne, unaufgeregte und historisch gut fundierte Meinung:
- über die Securitate im Laufe der Zeit;
- über die wahren Opfer und Informanten;
- über mehr oder weniger selbsternannte Opfer;
- und wie man Söllner verteufelt hat;
geäußert von Dieter Schlesak auf seinem Blog:

schlesak.blogspot.com/2010/01/securitate.html


Lavinia
Erstellt am 05.01.2010, 14:08 Uhr und am 05.01.2010, 18:01 Uhr geändert.
@getkiss, danke, dass Du der Aufforderung Carl Gibsons vom Banatblog so prompt nachgekommen bist. Obwohl...unter seinem Nick "Don Carlos", der nicht gelöscht ist (?), hätte er es auch selber reinstellen können...

"Ich bitte darum, die Existenz des Blogs auch bei Schlesaks Landsleuten auf http://www.Siebenbuerger.de bekannt zu machen. (...)
Von Carl Gibson in Jan 5, 2010 - 11:55"Vorneweg: ich schätze Schlesak sehr. Seine Ausführungen sind wichtig und absolut lesenswert.
Mein erster Eindruck: Wir befinden uns auf einem Jahrmarkt (der Eitelkeiten?).
Hier wird die Securitate des Stalinismus gegen die Securitate des Ceausismus ausgespielt, die Dissidenz derjenigen, die im Gefängnis saßen, gegen jene, die ihm entkamen, die Parteimitgliedschaft gegen parteilose "nur" IM-Tätiglkeit, es werden die jeweiligen persönliche Risiken im Falle der Verweigerung der Mitarbeit gegeneinander aufgerechnet und dabei werden unterschiedliche Maßstäbe angesetzt. Dies alles aus dem geschichlichen "Rückspiegel". Differenziert wird auch nicht durchgehend, obwohl der Versuch, gerade im Fall des Herrn Söllner deutlich spürbar ist, nicht aber beispielsweise in Falle der Partei, die mit der Securitate in einen Topf geworfen wird. Den Frust darüber, dass bestimmte Widerständler nicht ins Scheinwerferlicht gerückt werden, kann ich verstehen; der Logik, den "Dissidentent-esten" aufzuspüren und zu kühren, kann ich nicht folgen. (Ungenauigkeiten wie der Gefängisaufenthalt Gibsons sind da noch eher verständlich.)
Zu Herta Müller: Dieter Schlesak hat in seiner Laudatio zu dem Literaturnobelpreis der Herta Müller darauf abgestellt, dass die speziellen Umstände prägend waren für einen spezifische Umgang mit Sprache der rumäniendeutschen Autoren generell. Bis jetzt scheint das einsame Strahlen des Nobelpreises jedoch lediglich eine Art Schattentheater anderer rumäniendeutschen Autoren zu beleuchten. Die ihre gespaltene Vergangenheit (gegeneinander) aufarbeiten. Das Publikum sitzt mediengerecht und gespannt vor der Leinwand, und die Akteure dahinter. Und wartet auf den nächsten Akt.


Johann
Erstellt am 05.01.2010, 18:19 Uhr und am 05.01.2010, 18:30 Uhr geändert.
Der Beitrag von Schlesak ist sehr ausgewogen. Es wird Niemand gegeneinander ausgespielt, sondern nur die Sachen ins rechte Licht gerückt. Kann da fast nur zustimmen!

Bin gespannt, ob sich nun die Müller-Wagner-Hagiographen trauen, genauso auf Schlesak wie auf Gibson herumzutrampeln.

Die Verdienste von Müller als Schriftstellerin bleiben davon unberührt. Da hat Gibson über das Ziel hinausgeschossen.
"Luxusdissidenz" (Schlesak) trifft die Sache ganz gut.

Folgende Auffassungen teile ich ganz:

"die KP war also die höhere Instanz und der Schreibtischtäter, und somit ist der Status des Parteimitgliedes negativ höher zu werten als der eines parteilosen IM, der unter Umständen eher als Opfer anzusehen ist. Wenn auch manche meinen, diese „Umkehrung“ sei „moralisch“ nicht wahr, muss man darauf bestehen: leider ist es so: die „Drecksarbeit“ hat die Securitate im Namen der Partei geleistet, sie war auch deren Henker und nicht irgendeine teufli-sche selbständige Organisation"

"Die Securitate jener Zeit (Ceausescu-Zeit JL) war so nur eine Angst- und keine Foltersecuritate, sie diente als Angstproduzent und Herrschafts-Instrument der Partei, und war kein Vernichtungsinstrument mehr"
Etwas idealtypisch, überspitzt formuliert, es gab aber einen großen Unterschied, auf den man zu recht hinweisen sollte.

"Die Dissidenz jener Jahre spiegelt dann auch diese clownartige, doch sinistre Theaterwelt der Macht wider, und war nicht die tödliche Dissidenz der sechziger Jahre, wo es sogar noch bewaffnete Partisanen in den Karpaten gab."

Joachim
Erstellt am 05.01.2010, 18:23 Uhr
Exakt !
Ich sitze erste Reihe mitte......
und warte..... auf die Aufführung.....

schully
Erstellt am 05.01.2010, 18:36 Uhr
bei klick auf den link kommt leider
"Die Seite, nach der Sie im Blog suchen, dieter schlesak existiert leider nicht."
ob die securitate ihre hände im spiel hatte ?
schade!
servus

Johann
Erstellt am 05.01.2010, 18:48 Uhr
Ich habe den Beitrag kopiert, weil ich keinen Text lese, der auf schwarzen Hintergrund publiziert wird (eine verbreiteter Designer-Quatsch).
Hier der Text!

"Montag, 4. Januar 2010
Securitate
Dieter Schlesak
SECURITATE
Verweigerung und Todesangst

Die zwei Epochen der Securitate, ihr Foltermethoden, ihre Dissidenten und Informanten.
Persönliche Erfahrungen
(USW.
Es ist der Text vom 5.Januar.Der gültige Text ist jetzt unter http://schlesak.blogspot.com/2010/01/securitate.html
einzusehen
D.S.)

schully
Erstellt am 05.01.2010, 19:29 Uhr
danke, Johann!
servus

bankban
Erstellt am 05.01.2010, 20:17 Uhr
Der Artikel von Schlesak ist der Tendenz nach recht gut und informativ. Insbesondere gut gefällt mir, dass er darauf hinweist, dass Dissidenz in den 1970er und 1980er Jahren eine "Luxusdissidenz" gewesen war. Auch wenn der Begriff übetreibt und letztlich die realen Ängste (und im Falle mancher Verhörten: die blutigen physischen und unblutigen psychischen Schmerzen) der damaligen Dissidenten lächerlich macht, muss er doch so gelesen werden, dass Dissidenz in den 70ern mit generell anderen Risiken einherging als in den 50ern. Wie das im Einzelfall war, hängt eben vom Fall, von der Person etc. ab. Freilich, Johann, dieser geringere Grad von Risiko gilt dann für alle, mithin für Gibson und Goma ebenfalls, nicht wahr?
Womit ich, Johann, nicht einverstanden bin, ist die bejahende Übernahme jener Stelle, die die Partei als "höhere Instanz" gegenüber der Securitate bezeichnet. Dies geht von einem chronologisch gleichbleibenden Verhältnis zwischen Parteiapparat und Geheimdienst aus. Fakt ist demgegenüber, dass die Partei in den 70ern noch recht mächtig war und manch führende lokale Parteisekretäre ("alte Kämpfer" zumal) sich durchaus gewisse Freiheiten der Zurechtweisung gegenüber Mitgliedern des Geheimdienstes herausnehmen durften und konnten. Dieses Verhältnis änderte sich dagegen in den 80ern, als die Securitate zunehmend stärker wurde, weil ihr eine noch größere Rolle in der Verbreitung prophylaktischer Furcht zukam. Sie gewann also die Oberhand gegenüber den Parteistellen. Fazit: das Verhältnis Partei vs. Securitate war kein statisches, sondern einer Entwicklung unterworfen, infolge dessen der Geheimdienst immer stärker wurde.
Nicht einverstanden bin ich auch mit der bar jeglicher Differenzierung erfolgten Einordnung aller Parteimitglieder. Wir wissen doch alle, dass die Parteimitgliedschaft in den meisten intellektuellen Berufen einfach die Bedingung war. Da Anfang der 1980er Jahre das Ende des Systems nicht absehbar war, ist es aus meiner Sicht verständlich, wenn jemand, der davon ausging, sein verdammtes Leben in dem System verbringen zu müssen, in die Partei eintrat. Nicht aus Überzeugung, sondern weil er Schwierigkeiten so am besten aus dem Weg gehen konnte. Ja, auf diese Weise sogar auf den Rest noch vorhandenen Schutzes der Partei gegenüber dem Geheimdienst zählen konnte. Die erwähnte Gleichmacherei und Verdammung der Parteimitglieder lässt außerdem außer Acht, dass viele Dissidenten und Oppositionelle ebenfalls Parteimitglieder waren. Wonöglich waren sie beim Eintritt in die Partei in den 60ern, 70ern überzeugt von ihrem Schritt gewesen und änderten erst später ihre Meinung. Ist es aber nicht das Recht eines jeden, Fehler zu machen? Worauf ich hinauswill, ist, dass man schon differenzieren sollte und nicht jeden einfachen Mensch, der Mitglied war, auf diese Stufe stellen sollte, wie einen Geheimdienstmitarbeiter. (Dass er gar noch schlimmer gewesen sein soll, wie Schlesak behauptet, ist, wie oben dargestellt, davon abhängig, von welchem Zeitabschnitt wir sprechen.)
Finally, noch ein letzter Punkt: Schlesak schreibt, und du zitierst es, Johann, vom bewaffneten Widerstand in den Karpaten in den 1960ern. Diesen Widerstand hat es zwar gegeben, doch meines Wissens hörte er spätestens nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstandes 1956 auf. Dass es ihn noch in den 1960ern gegeben haben soll, ist neu für mich und ich denke auch, dass sich Schlesak diesbezüglich verschrieben hat.
Bankban

getkiss
Erstellt am 05.01.2010, 23:06 Uhr
@Bankban:"Dieses Verhältnis änderte sich dagegen in den 80ern, als die Securitate zunehmend stärker wurde, weil ihr eine noch größere Rolle in der Verbreitung prophylaktischer Furcht zukam. Sie gewann also die Oberhand gegenüber den Parteistellen."

Bevor ich zur sogenanten "großen" Komission gerufen wurde, um wegen der Ausreise "geprüft" zu werden, hatte ich - auf mein Wunsch, eine Unterredung mit dem zuständigen Sekretär des Kreisparteikommitees Kronstadt.
Ich erfuhr privat, der sei der entscheidende Mann.
Also ging ich zum Kommitee (1986). Der Portier wollte mich nicht hereinlassen. Ich bestand darauf, der Mann traute sich offensichtlich nicht mich zu stoppen, sagte mir nur die übliche Drohung:"Sie werden schon sehen was der Genosse mit Ihnen macht". Üblicher Secu-Quatsch.
Der Genosse empfing mich höflich, distanziert, hörte mein Anliegen und meine Gründe an und beschied mir ich solle warten.
Bei der Kommission allerdings war er nicht mehr so höflich sondern "combativ".

Ich hatte für die Ausreise keinen Kontakt mit irgend einer Secu-Stelle. Aus meinem persönlichen empfinden heraus kann ich nur sagen: Auch 1986 hatten die Parteioberen im Kreis das sagen. Es war auch offiziell so festgelegt:
"Führende Rolle der Partei".

Selbstverständlich gab es da Rivalitäten und Machtkämpfe. Der "Oberste Genosse" entschied dann.
Sehr interessant sind die im Internet erschienene Erinnerungen von Paul Goma an die Zeit seiner "Eingaben"(1977), die so große Aufmerksamkeit hervorriefen - auch in dieser Hinsicht.

Was ich gerne erfahren würde: Welche Belege hat Bankban für seine These, die Secu wäre in ihrer letzten Zeit über der Partei gestanden? Denn dies einfach so zu behaupten, ist als Meinungsäusserung zulässig, aber nicht belegt.

getkiss
Erstellt am 05.01.2010, 23:13 Uhr
@Schully:
Bei mir funktioniert der Link.
@Joachim: Vergiss nicht den Mund zumachen vor lauter staunen, lach.
@Lavinia: Richtig bemerkt. Und da Sie so aufmerksam den Banatblog verfolgen, hätten auch Sie den Link setzen können. Aber der Inhalt passte wohl dann doch nicht.

seberg
Erstellt am 05.01.2010, 23:37 Uhr und am 06.01.2010, 09:43 Uhr geändert.
Mich hat vor allem die Stelle beeindruckt, wo Schlesak in Zusammenhang mit dem "Fall" Werner Söllner den Gerhardt Csejka zitiert: „Bei aller nötigen Deutlichkeit der Unterscheidung zwischen Tätern, Opfern und Nichttätern wäre es eine unerträgliche Verwischung des tatsächlichen moralischen Reliefs der beteiligten Menschenlandschaft und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, wenn die übelsten Schurken unerkannt und ungeschoren davonkommen und einer, der sich mit seiner Schuld spät aber doch dem Urteil der Öffentlichkeit aussetzt, quasi auch für die größten Schweine büßen muss.“

Ich musste dabei an meine eigene vorschnelle Unterscheidung zwischen Täter und Opfer in diesem "Fall" denken (im Thread ‚Herta Müller – Ehrung“, 18.12.09): Söllner schuldig – Frauendorfer unschuldig. Nach diesem Text von Schlesak bin ich vorsichtiger geworden. Es scheint, es gibt immer die noch „übleren Schurken“. Muss man sie sich schließlich und zuletzt als Monster und Bestien in Menschengestalt vorstellen? Und weiß man dann endlich, wer zum Abschuss freizugeben ist, damit die Welt wieder in Ordung ist?
Oder ist die wichtigere Aufarbeitung sogar jene, die bis zur kritischen Selbsbefragung zurückgeht, zum "Mit-sich-selbst-ins-Gericht-gehen"? - Schlesak weiß das natürlich und versucht es zumindest in Ansätzen auch dort, wo er von sich selbst spricht.


An anderer Stelle fragt Schlesak: “Wer kann, wer darf da anklagen, und mit welchem Beweismaterial?“. Und er zählt alles auf, was es bei Menschen aller sozialer Schichten an Kompromissen mit den rumänischen kommunistischen Machthabern gab, von Parteieintritten bis zur Securitatemitarbeit, und er sagt dazu: „Alles Methoden, die es möglich machten, dass sowohl eine rumänische, als auch eine deutsche Kultur überhaupt weiter bestehen konnte, die dann 1989 neu zum Vorschein kam!“

Aber klar, schnelle und selbstgerechte Ankläger werden sich immer finden... Vor allem solche, die nicht dabei und in der Situation waren...

Lavinia
Erstellt am 05.01.2010, 23:41 Uhr und am 06.01.2010, 00:35 Uhr geändert.
Wenn Johann einfach nur die Zitate, denen er zustimmt, reinsetzen würde und nicht im gleichen Atemzug, in dem er provoziert, sich einer antizipierten Entgegnung dieser Provokation paliativ erwehren würde, dann dürfte so mancher Kommentar von ihm einfach unbeachtet bleiben… So muss ich aber ran und die Sachen ins rechte Licht rücken…;-)
Aber wirklich ärgern tut er ja nicht, denn sein Lieblingswort, „Hagiographen“ stimmt mich immer wieder versöhnlich, erinnert es mich doch an den Witz meiner Mutter, wenn ich als Kind ihre Brille aufsetzte: “Oh, Annabelle, du bist so intellektüell…“ . Das Wort ist Deine Brille, Johann...;-)

getkiss, die joviale Aufforderung Gibsons richtete sich explizit an Dich. Deshalb ließ ich Dir den Vortritt...Aber wie immer man es auch macht,richtig mach ich es nimmermehr, gell, getkiss?
Aus deinem Beispiel bin ich nicht schlau geworden...wofür stand es denn? für die Macht des Parteibosses? Konntest du ausreisen, nachdem der Parteiboss sich "combativ" verhielt?
Ach ja, getkiss...wo bleibt dein Ruf nach copyright, wenn du dir das Zitieren des integralen Textes von Schlesak so anguckst? Passt dir wohl, stimmt's....?

Aber wenden wir uns Schlesak’s Ausführungen zu.
Ich denke, dass der Begriff „Luxusdissidenz“ sehr griffig und publikumswirksam ist aber im Endeffekt Betroffene verhöhnt und zynisch ist. Führt man den Gedanken weiter, dann ist auch monatelange Isolierung auf engstem Raum eine „Luxusfolter“ im Vergleich zum Fingernägel ausreißen usw. No go. Auch in der Tatsache, dass sich viele Menschen insbesondere zur Ceausescuzeit äußern sehe ich keinen Grund zum Tadeln, sondern Betroffenheit und Interesse. Und wir leben in einer medialen Welt… Goma, der Herta Müller jede Dissidenz abspricht kennt nur einen Maßstab: sich. Sein Leiden. Sein Heldentum. Und Helden kommen nur ganz schlecht zurecht mit der Anziehungskraft der Erde… Mein Eindruck.
Die Securitate hat auch in der Ceausescuzeit, die Dieter Schlesak „ nur noch Angst-und keine Foltersecuri-tate“ nennt, Existenzen vernichtet. Ich finde es bedauerlich, dass die Einschätzung Schlesaks, dass ‚jeder das wußte’, (dass es sich bei den Securitatemaßnahmen um „Prophylaxe“ handelte, um das Entstehen von Widerstand zu verhindern), die Realität der Betroffenen ausklammert. Ihr Leiden negiert.
Aus der „Rückspiegelperspektive“ betrachtet, mag wohl die Realität viel weniger gefährlich gewesen sein. Für die Verfolgten, Abgehörten, Abgefischten, Zermürbten, Verängstigten etc. sieht gelebte Realität anders aus. Deswegen ist auch die Vortäuschung von nahem Tod Folter. (Guantanamo). Es scheint mir, gelinde gesagt, unziemlich, ganz besonders im Fall Herta Müllers in Verbindung mit dem Rummel um ihren Nobelpreis, von ‚taktischem Geschick’ zu sprechen, wenn man selbst gerade ein Buch über die Securitate schreibt und solcher Art Unterstellungen zur eigenen Person weit von sich weisen würde, wie ich annehme. Und zu Recht. Es gilt wahrzunehmen, dass Herta Müller einen anderen Ansatz und Schwerpunkt hatte und hat, als den, die Folter und ihre Knechte aus der Vor-Ceausescuära dokumentarisch aufzubereiten. Sie hat andere Verletzungen erlebt und darüber schreibt sie.
Und ich denke, dass die Täter-Opfer-Differenzierung wahrscheinlich sehr viel einfacher sein dürfte für die 50-er und 60-er Periode als für die Zeit danach. Ich finde die Erklärungen zu Fragen wie… wieso ein solches Unterdrückungssystem, gerade nach einer Gulagzeit, mit solchem „Erfolg“ weitergeführt werden konnte, für sehr wichtig. Die Verstrickungen, das Hineinschlittern, das Erkennen der subtilen Mechanismen der Macht(ausübung) sind wichtig.
Der Forderung Schlesaks, die „Richtigen“ (Führungsoffiziere) zur Rechenschaft zu ziehen würde sich wahrscheinlich ausnahmslos jeder anschließen. Nur die zur Rechenschaft ziehen zu wollen halte ich für falsch, denn das wäre ein Freibrief für verbogenes Verhalten für jeden, vorausgesetzt, er hat keine hohe Position inne. Es würde den Einzelnen der Verantwortung entbinden, an seinem Platz "aufrecht" zu handeln...Ich hoffe, das habe ich einfach nur falsch verstanden. Übrigens, die Verantwortlichen scheinen für ihn beispielsweise nicht im Kirchenvorstand zu suchen zu sein… Meint er. Die heutige Welle von Denunziation, so sagt Schlesak, vernichtet Karrieren und Leben. Er führt das Beispiel Söllner an. Wie viel schneller und radikaler konnten dann diese in der clownsartigen Theaterwelt der Macht’ vernichtet werden…? Den Hohn, den Schlesak in folgender Bemerkung zum Ausdruck bringt, kann ich nicht wirklich nachvollziehen: „Aber dass Söllner, sollte das wirklich stimmen, zur Zerschlagung der Aktionsgruppe SO mit beigetragen hat, wäre es ein nun unvergessliches literaturhistorisches Phänomen in der Ge-schichte der Aktionsgruppe und damit in der rumäniendeutschen Literatur, die via Nobelpreis ja nun auch für die deutsche Literaturgeschichte eine viel größere Bedeutung hat als bisher!“ Dieter Schlesak berücksichtigt, meiner Meinung nach, zu wenig, dass die Situation in der gelebten Zeit ganz anders einschätzen kann als aus der Perspektive, die man im Nachhinein annehmen kann. Und, dass Menschen, bei gleichen Ausgangsbedingungen nicht zur gleichen Einschätzung der Situation kommen und schon gar nicht zum gleichen Verhalten dazu. Dies aber zeigt Herta Müller brilliant auf.

bankban
Erstellt am 06.01.2010, 09:39 Uhr
@ getkiss:
Ich glaube kaum, dass es zulässig ist, Ihre Behandlung durch Partei- oder/sowie Securitatestellen in der Angelegenheit Ihrer Aussiedlung zu vergleichen mit der Behandlung von (vermeintlichen oder tatsächlichen) Oppositionellen durch die gleichen Stellen. Wurde jemand in den 1980ern oppositioneller Tätigkeit verdächtigt, bekam die Person es sofort und vor allem mit der Securitate zu tun. Aber nicht oder allenfalls am Rande mit dem Parteivertreter des Betriebes/der Institution, welcher Vertreter natürlich Vorwürfe machen konnte, warum und wieso man undankbar etc. sei.
Zur gewachsenen Bedeutung der Securitate innerhalb der staatlichen Institutionen seit Ende der 1970er Jahre möchte ich aus dem Stegreif auf den Aufsatz des englischen Rumänienspezialisten Dennis Deletant verweisen: "Securitatea si statul politienesc in Romania (1949-1989)", der die Einleitung des Bandes "Banalitatea raului. O istorie a Securitatii in documente 1949-1989", welcher von Marius Oprea im Jassyer Polirom Verlag irgendwann um 2002 herausgegeben wurde.

Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur
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getkiss
Erstellt am 06.01.2010, 13:37 Uhr und am 06.01.2010, 13:59 Uhr geändert.
@Lavinia:
"Aus deinem Beispiel bin ich nicht schlau geworden...wofür stand es denn? für die Macht des Parteibosses? Konntest du ausreisen, nachdem der Parteiboss sich "combativ" verhielt?"

Natürlich, für die Macht des Parteibosses.
Denn möglicherweise NACH ev. Anhörung anderer Stellen, hat nach meinem empfinden dieser entschieden: Vor die Kommission zugelassen.
Sein Verhalten in der Kommission beleuchtet nur die Vorgangsweise innerhalb der Partei: Die Mitglieder, auch die Oberen, mussten sich "Offensiv/Combativ" verhalten, vor allem in der Gegenwart anderer.
Und ja, ich bekam die Ausreise. Wenn man weiss wie "Abstimmungen" abliefen, ist die Sache auch klar. Da hat bestimmt nicht irgend ein Secu_offizier entschieden, nicht einmal der Herr Eisenburger (ZK-Mitglied!). Der durfte fleissig Wadenbeissen.
Was alles selbstverständlich nur was selbst erlebtes ist....

(Der Apparat der Securitate wurde letztendlich ebenfalls vom "Genossen Oberbefehlshaber" dirigiert, also persönlich von Ceausescu. Das sieht man auch in dem verhalten in den ersten Tagen der Revolution, wo doch NC nicht im Land war und der Schießbefehl m.W. von Elena veranlasst wurde, ob aus Eigeninitiative oder in Absprache mit Nicolae. Da wurde nichteinmal der Kronprinz befragt...)

Das die Securitate sich nicht scheute auch höhere "Genossen" auszuspionieren, wissen wir vom Fall Berwanger.
Aber auch hier, trauten sich die Herren nur das in die Wege zu leiten, nach der Zustimmung des Parteioberen des Kreises!

@Lavinia:
"Ach ja, getkiss...wo bleibt dein Ruf nach copyright, wenn du dir das Zitieren des integralen Textes von Schlesak so anguckst? Passt dir wohl, stimmt's....?"

Erstens: hatte ich nicht nötig das zitieren des Textes anzugucken, weil ich VOR meinem Posting das Original schon anguckte.

Zweitens:Was Sie von einem "Befehl" Gibsons an mich, bezüglich des Postings bei SBS behaupten ist schlicht und einfach eine Lüge, ich zitiere Gibson:
"Der Dichter, Schriftsteller und Essayist
DIETER SCHLESAK
hat einen Blog gestartet.
http://schlesak.blogspot.com/2010/01/securitate.html
Er arbeitet an einem Werk “Securitate”.
Dabei redet er Klartext und sagt Dinge, die schon längst hätten gesagt werden müssen.
Schlesak hat noch die stalinistische Phase der Securitate selbst erlebt.
Ich bitte darum, die Existenz des Blogs auch bei Schlesaks Landsleuten auf http://www.Siebenbuerger.de bekannt zu machen.
Wer zum Thema Securitate etwas zusagen hat, kann sich auf Schlesak Blog anmelden und kommentieren.
Carl Gibson
Von Carl Gibson in Jan 5, 2010 - 11:55"
Ergo: mein Name wird von Ihnen missbraucht um hier irgendwas hereinzuschmuggeln.
Das wo Sie doch immer sooo auf Korrektheit (anderer) bedacht sind.

Drittens:
Ich beziehe mich auf Copyright-Rechte, wenn meine Rechte tangiert sind.
Ob andere durch irgendwelche Übertretungen des CR tangiert sind - wie im Falle Schlesack - dann dürfen die das selbstverständlich selber monieren, ich bin kein unbezahlter Anwalt, grins.
Es könnte ja sein, der Zitierende hat das Eiverständniß eingeholt?

Joachim
Erstellt am 06.01.2010, 14:07 Uhr
Der Unterzeichnende hat zumindest das Einverständnis von Herrn Schlesack zu spät, bzw. erst im nachhinein eingeholt.
Denn er rudert eben ganz gewaltig zurück.
Und das nach 10 Semester Jura.
Was hat da wohl den Blick getrübt ?

Lavinia
Erstellt am 06.01.2010, 17:02 Uhr und am 06.01.2010, 17:06 Uhr geändert.
@getkiss, wem versuchst Du hier einen Bären aufzubinden?

Hier das Zitat aus dem Banatblog, signiert Carl Gibson,
Jan 5, 2010 - 15:07 :

"Hier, Getkiss, der Nachtrag zu Schlesak!

Wenn möglich, bitte unter SbZ zitieren.

Dieter Schlesak schreibt:

MONTAG, 4. JANUAR 2010
Securitate
Dieter Schlesak
SECURITATE
Verweigerung und Todesangst"

...und dann folgt der gesamte Text Schlesaks aus dessen Blog...

Und jetzt wäre eine Entschuldigung angebracht, denn Du bezichtigst mich - man höre und staune - des "Mißbrauchs" Deines Namens...und das ist erwiesenermaßen eine Unwahrheit, gell?

Joachim
Erstellt am 06.01.2010, 19:46 Uhr
Ach was Lavinia,
das ist typich getkiss.
Worte verdrehen und hinterfotzige Kommentare einstellen.
Mehr kann er nicht.
Es gibt auch neues bei der Brennstoffzelle.
Entgegen der Argumentation von getkiss schreibt die Rhein-Zeitung am 30.12.09 : "Zweiter Anlauf für Serienproduktion.
Prototypen funktionieren im Alltag fast perfekt."
Da ist für getkiss einfach die Zeit stehen geblieben.
Gruß
Joachim

getkiss
Erstellt am 06.01.2010, 21:54 Uhr und am 06.01.2010, 22:17 Uhr geändert.
@getkiss:"Erstellt am 05.01.2010, 11:59 Uhr• [antworten]
Eine nüchterne, unaufgeregte und historisch gut fundierte Meinung:
- über die Securitate im Laufe der Zeit;
- über die wahren Opfer und Informanten;
- über mehr oder weniger selbsternannte Opfer;
- und wie man Söllner verteufelt hat;
geäußert von Dieter Schlesak auf seinem Blog:

schlesak.blogspot.com/2010/01/securitate.html"

Und:
@C.Gibson:"Danke, Getkiss für das Setzen des Links auf http://www.siebenbürger.de
...Carl Gibson
Von Carl Gibson in Jan 5, 2010 - 15:42 "


Alles klar, Lavinia?
Ich hatte dieses Posting VOR der zitierten Aufforderung (15:07)getan.
Und das Dir das Posting des Links von Schlesack, nicht in den lobhudlerischen Kram passt, ist nicht mein Problem!
Es bleibt dabei, was ich schrieb!
Wenn jemand sich entschuldigen sollte, dann findest den in Deinem Spiegel!

Lavinia
Erstellt am 06.01.2010, 23:43 Uhr
@getkiss, nochmal, im Detail:

Carl Gibson in Jan 5, 2010 - 11:55"
"Ich bitte darum, die Existenz des Blogs auch bei Schlesaks Landsleuten auf http://www.Siebenbuerger.de bekannt zu machen." (...)

Der Bitte kommst du ein paar Minuten später nach:

getkiss: am 05.01.2010, 11:59 Uhr•
"Eine nüchterne, unaufgeregte und historisch gut fundierte Meinung:(...)
schlesak.blogspot.com/2010/01/securitate.html "

Dann bittet Gibson speziell Dich den gesamten Text Schlesaks reinzusetzen:

Carl Gibson,Jan 5, 2010 - 15:07 :
"Hier, Getkiss, der Nachtrag zu Schlesak!
Wenn möglich, bitte unter SbZ zitieren."

Dann dankt Dir Gibson für das Setzen des Links:

Carl Gibson in Jan 5, 2010 - 15:42
"Danke, Getkiss für das Setzen des Links auf http://www.siebenbürger.de"

Meine Bemerkung:

Lavinia am 05.01.2010, 14:08 Uhr und am 05.01.2010, 18:01 Uhr geändert.•
"@getkiss, danke, dass Du der Aufforderung Carl Gibsons vom Banatblog so prompt nachgekommen bist. Obwohl...unter seinem Nick "Don Carlos", der nicht gelöscht ist (?), hätte er es auch selber reinstellen können..."

Und ich fügte die kleine Bemerkung, die dich dermaßen geärgert hat, meinem Text bei, weil aus dem Gesamtkontext klar wurde, dass Du auf die Bitte Gibsons reagiert hast, dich angesprochen fühltest... Was ich genau meinte, waren die paar Minuten zwischen der Bitte Gibsons um Bekanntmachung im Sibiforum und das Posten des Links durch Dich am Vormittag...Alles klar?
Das Setzen des Links hat mich, entgegen Deiner Unterstellung, eher gefreut, denn es ist ein guter Text, über den man sprechen kann.
Dass Du mich der Lüge und des Mißbrauchs deines Namens bezichtigst ist Schwachsinn. Dagegen habe ich mich verwahrt und eine Entschuldigung gefordert. Aber wie Joachim schon sagte: getkiss as usual...

Ich hoffe, dass wir jetzt wieder zum Thema zurückkehren können.

getkiss
Erstellt am 07.01.2010, 23:11 Uhr und am 07.01.2010, 23:23 Uhr geändert.
@Lavinia:"Und ich fügte die kleine Bemerkung, die dich dermaßen geärgert hat, meinem Text bei, weil aus dem Gesamtkontext klar wurde, dass Du auf die Bitte Gibsons reagiert hast, dich angesprochen fühltest... "

Was geht Dich überhaupt an ob, wann, oder warum ich auf Beiträge anderer User reagiere?
Bist Du hier die Securitate, bei der man eine Erlaubniss einholen muss? Sozusagen die Big Sister?

seberg
Erstellt am 08.01.2010, 00:48 Uhr und am 08.01.2010, 00:51 Uhr geändert.
Wie ich sehe, hat Schlesak den Begriff „Luxusdissidenz“ aus seinem Text entfernt (bzw. in späte „Dissidenz“ verändert). Und das ist gut so, denn sonst müsste man am Ende auch noch von einer „Luxus-Literatur“ reden, obwohl es ja nur gute oder schlechte Literatur gibt, egal ob sie unter Bedingungen eines Terrorregimes oder unter sog. „Luxusbedingungen“ eines mehr oder weniger „normalen“ Staatswesens entstanden ist.

U.a. schreibt Schlesak über die rumäniendeutsche Literatur im Kommunismus aber auch: „…eine kleine Literatur, die damit groß geworden war, indem sie ihre Sprache unter solchen Gefahren geschärft hatte, und so Werte schaffen konnte, die sie dann bis zum Nobelpreis hinauf katapultierte“.

Eigentlich wäre ich über eine rumäniendeutsche Literatur viel glücklicher, die ohne Gefahr vor Securitate-Verfolgung – oder auch „nur“ aus Angst davor – „groß“ geworden wäre. Diese Literatur, meint Schlesak, konnte Werte schaffen, literarische und moralische, „die sie dann bis zum Nobelpreis hinauf katapultierte“, indem sie ihre Sprache unter solchen Gefahren geschärft hatte. –

Unter Terror geschärfte Sprache und damit „fit“ gemacht für große Literatur? Heißt das, dass diese „kleine“ rumäniendeutsche Literatur ohne stalinistischen Terror und ohne Ceausescu-Regime nicht so „groß“ geworden wäre?

Eine hypothetische Frage freilich, auf die es nie eine Antwort geben wird. Wenn es aber so wäre, würde ich auf ihre – tatsächliche oder unterstellte – „Größe“ gerne verzichten angesichts der Millionen Opfer des Terrors.

Immerhin bemerkenswert, dass es eine „große“ rumäniendeutsche Literatur bis zum stalinistischen Terror nicht gegeben hat – … und auch weiterhin nicht gegeben hätte?

Gar nicht auszudenken, was man mit Schlesak alles als „Luxusdissidenz“ und „Luxusliteratur“ bezeichnen müssten, die unter Verhältnissen be- und entsteht, wie sie z.B. heute in Deutschland herrschen. An Angst und Ängsten und Konflikten und Existenzgefährdungen als unterstellter Motor für Kunst und Literatur herrscht jedenfalls kein Mangel. An keinem Ort. Nirgends.

bankban
Erstellt am 08.01.2010, 08:47 Uhr und am 08.01.2010, 08:52 Uhr geändert.
Hallo seberg,

ich glaube, deine letzten Ausführungen lassen sich in der Frage zusammenfassen, die Julia Schoch in der letzten Ausgabe der Zeit unter dem Titel subsummierte: "Der klassische Held und die Freiheit. Gedeiht große Literatur nur in Zeiten der Repression?" Guckst Du: http://www.zeit.de/2010/01/L-B-Literaturtauglichkeit

Die Entscheidung dieser Frage scheint mir zum Einen eine Frage des persönlichen Geschmacks zu sein, zum Anderen jedoch auch eine des Weltbildes, dem jeder zuneigt. Dies scheint für mich auch der Abschluss von Schochs Essay nahezulegen:

"Auch bei Kritikern und Lesern gibt es eine diffuse Sehnsucht nach dieser klassischen Sichtweise aller modernen Literatur: Die Forderung nach dem »Wenderoman« in den neunziger Jahren war zum Beispiel eine solche. Eine allumfassende Geschichte, die für ein Volk, eine Epoche und eine einheitlich denkende Nachwelt Gültigkeit haben sollte. Natürlich muss dieses Verlangen nach dem Verbindlichen und Belangvollen vergeblich sein, denn es gibt ja kein Rückwärts in der Zeit. Unser Wissen um den Zwang zu Vielfalt, Offenheit und die Unendlichkeit der möglichen Erfahrungswelten sagt uns längst etwas anderes. Vielleicht hat der gelegentliche, leise empfundene Neid von Künstlern auf dieses Früher damit zu tun: Die erzwungene Auseinandersetzung, die Revolte gegen eine verspießerte oder klerikale oder politisch bevormundende Welt verschaffte dem Menschen – im Leben wie in der Literatur – den Eindruck, in einen Kampf mit etwas Großem, Titanischem verwickelt zu sein. Was sein Lebensgefühl bei aller Genervtheit jedes Mal auch ein bisschen titanischer färbte, denn man weiß ja: Unbezwingbare Gegner machen einen mit groß."

Hiervon abgesehen: danke für den Hinweis, dass Schlesak den Begriff "Luxusdissidenz" offenbar revidiert hat. Anscheinend gehen doch nicht alle Diskussionen hier ins Blaue hinein, sondern zeitigen Folgen.

P.s. Zum Wesen "kleiner" und "großer" Literaturen in Bezug auf die rumäniendeutsche Literatur könnte/müsste man vielleicht den Essay/Aufsatz von Deleuze/Guattari (?) über "kleine Literaturen" heranziehen. Ich habe ihn mal gelesen, doch weitgehend vergessen. Im Wesentlichen geht es darin, meine ich, um die deutsche Literatur von Prag (Kafka, Brod etc.), die ja in einer Insellage, unter dem fremdsprachigen Druck des Tschechischen und des (deutschen) Nichtjüdischen Großes hervorgebracht hat. Die Argumentationskette des Aufsatzes nachzuvollziehen und auf die rumäniendeutsche Literatur zu beziehen, würde ich gerne jemand anderem überlassen (und wäre dafür äußerst dankbar!).

getkiss
Erstellt am 08.01.2010, 10:49 Uhr und am 08.01.2010, 11:04 Uhr geändert.
@seberg/Schlesack:"Eigentlich wäre ich über eine rumäniendeutsche Literatur viel glücklicher, die ohne Gefahr vor Securitate-Verfolgung – oder auch „nur“ aus Angst davor – „groß“ geworden wäre. Diese Literatur, meint Schlesak, konnte Werte schaffen, literarische und moralische, „die sie dann bis zum Nobelpreis hinauf katapultierte“, indem sie ihre Sprache unter solchen Gefahren geschärft hatte."

Du kannst ruhig glücklich sein. Die "große rumäniendeutsche" Literatur ist nicht unter den Umständen der Diktatur entstanden, sondern wurde "bis zum Nobelpreis hinaufkatapultiert" weil Sie, unter den Umständen einer freien Gesellschaft schaffend, überhaupt die Möglichkeit hatte, die mehr oder weniger reale Umstände in der Diktatur beschrieb!

Da gibt es einen himmelhohen Unterschied zwischen den damaligen Metaphern unserer banater RKP-Poeten und den Beschreibungen eines Paul Goma schon vor 1977, oder dessen politische Aktionen bezüglich Karta 77, Brief an Ceausescu oder die Sicherheitskonferenz! Gerade in der Zeit schrieb Müller über "sich waschen über der Jauchegrube", über "Alkoholismus des SS-Vaters" u.s.w.

Da kann man ruhig fragen:
Wo war die Dissidentenstimme von Wagner&Co. im Jahr 1977?
Wo war Ihr Ruf für den Respekt der Menschenrechte?

Da war nix zu hören. Und wenn ich richtig liege, waren Ihre "Metaphern" auch nicht mehr hörbar. Die "nicht existente Zensur" sorgte auch dafür.
Und die Vorstellung dieser "Dissidenten" beim Kreisparteikommitee Timisch, fand auch viel später statt, als man schon wusste, mit von Goma kopierten Taktik, kann man eine Ausreise in die "Dissidenz" erreichen.

Ich meine nämlich, der Begriff "Luxusdissidenz" ist im Vergleich zu den Erfahrungen von Bergel&Co. aus früheren Jahren, richtig gewählt. Auch wenn die Ohrfeigen von Frauendorfer real waren...

Und wenn Sie unter diesen hiesigen Umständen nicht auch gewissen politischen Ansichten gedient hätte, hätte auch kein Katapult für diese Literatur dagestanden...
Das sieht man nämlich an der "freien" Reaktion der so genannten "freien" Medien, die prompt jede Meinung unterdrückten, dass nicht in das "entworfene Bild über Müller&Co." passte.

Und jetzt könnten wir bitte zum eigentlichen Thema zurück kehren, dass heisst "Aufarbeiten der kommunistischen Diktatur" und nicht "Herta Müller, rumäniendeutsche Schriftsteller und deren Beschreibung der Diktatur". Den letzteres wurde hier schon genügend ge-, zer- und wiedergekaut...

Joachim
Erstellt am 08.01.2010, 11:23 Uhr
Na getkiss,
das hat Dir der Gibson schnell diktiert.....
von alleine wärste da gar nicht drauf gekommen.....

getkiss
Erstellt am 08.01.2010, 11:29 Uhr und am 08.01.2010, 11:39 Uhr geändert.
...sehr Inhaltvoll, das Gekläffe...vielleicht versuchst es mal als Generalsekretär der Linken, dann könntest, in der Sprache der Kabarettisten, deine Sekrete richtig loslassen.

Leider reicht´s nicht dazu, nur mit Gekläffe ohne Inhalt...
Der Gysi würde dich haushoch rauswerfen,falls andere dir dazu verhülfen.
Der hat nämlich dass, was dir fehlt: Grips.
Das hatte Gysi schon vor der Operation.
Bei dir würde nicht mal eine Operation helfen! Zu Grips. Da scheint nämlich das Gekläffe nicht gelernt zu sein.

getkiss
Erstellt am 08.01.2010, 13:47 Uhr und am 08.01.2010, 13:50 Uhr geändert.
Nachtrag zu den "Literaten".

Schlesack schreibt auf seinem blog über das Tagebuch von Paul Goma, bzw. das Datum 7.10.09 in diesem Tagebuch, als Goma seine Meinung über den Menschen Herta Müller, nicht über seine Meinung über Sie als Schriftstellerin äußert.

Die betreffende Passage ist zu finden in:

paulgoma.free.fr/paulgoma_pdf/pdf/LRP_JURNAL_2009_intreg.pdf

auf den Seiten 494/678 bis 497/678.

Dort schreibt Goma seine Meinung auch über die "Dissidentenqualität" der Schriftstellern der "Aktionsgruppe Banat".

Das Tagebuch ist in rumänischer Sprache. Leider habe ich kein Recht der Übersetzung und auch nicht die richtige Qualifikation - als Schriftsteller/Übersetzer.

Könnte sein das jemand aus der "Aktionsgruppe" mal außerdienstlich Courage zeigt und den Text übersetzt?