Sehr geehrte Frau Rus-Capesius,
als ich Ihren Leserbrief vom 9. Juli diesen Jahres gelesen habe, war ich erst einmal entsetzt über Ihre Ignoranz gegenüber dem darin geschilderten Thema und dann über Ihre, man kann schon sagen: Verleumdung des Autors Dieter Schlesak, der einst ein Bürger Ihrer Stadt war und es jetzt gefühlsmäßig immer noch ist, und das wissen Sie.
Das Werk des Schriftstellers Dieter Schlesak nährt sich zum größten Teil aus seiner Herkunft aus dieser Stadt und der Volksgruppe, der auch Sie anghören, der Siebenbürgischen Sachsen, aber nicht in nostalgischer, sentimentaler und schönfärberischer Weise, sondern er forscht den Ursachen für den Verlust der Heimat, der ihn auch nach so langer Zeit unendliche Heimwehschmerzen verursacht, und der auch Sie ja, obwohl Sie noch in Schäßburg wohnen, betrifft, nach.
Das erfährt man aber nur, wenn man seine Bücher liest, besonders die beiden: "Capesius, der Auschwitzapotheker", das Sie bis dato nicht einmal gelesen hatten und "Transsylwahnien", die sich mit den Ursachen dieses Heimatverlustes aus ganz naher, familiärer Betroffenheit auseinander setzen.
Sie sollten stolz auf diesen "Mitbürger" sein, der stellvertretend mit den Gaben eines Autors, dessen berufliche Pflicht es ist, auch schmerzlicher und schmerzhafter Wahrheiten auf den Grund zu gehen, in diesem Fall auch so dringend nötige Trauerarbeit leistet.
Wir, und ich schließe mich dabei mit ein, die direkten und indirekten Nachkommen der Täter des schrecklichen Naziregimes, können einen Beitrag zum Heilwerden der Welt erbringen, nicht, weil wir SCHULDIG sind, sondern, weil wir es sind, die WARNEN müssen, damit sich ähnliches nicht wiederholt, indem wir als erstes der Wahrheit ins Gesicht sehen und nicht, indem wir sie verleugnen.
Am 21. August diesen Jahres fand in Weimar eine Veranstaltung zu diesem Thema statt unter dem Titel: "Heile das Zerbrochene". Dort habe ich die Großnichte von H. Göhring, Bettina Göhring und die Enkelin Bogers, der zu den als am brutalsten und grausamsten SS-Angehörigen in Auschwitz zählt, Ursula Boger, persönlich kennengelernt. Beide haben unter größten Schmerzen mit dem monströsen Erbe ihrer Vorfahren jahrelange Seelenarbeit geleistet, um überhaupt lebensfähig zu sein.
In dieser Veranstaltung ging es um Versöhnung. Die Jüdin Eva Kor, die als Zwilling mit ihrer Schwester den schrecklichen Menschenversuchen von Mengele und den anderen Ärzten dort ausgesetzt war, ist in der ganzen Welt unterwegs, um Versöhnungsarbeit zu leisten. Sie hat Mengele und all den anderen vergeben. Das muß man sich mal vorstellen! Ihr Motto heißt: Versöhnung ist der Same des Friedens, Haß und Rache der Same des Krieges! Da kommt der Frieden her und nicht durch Verleugnung oder Verharmlosung durch die Täter-Nachkommen!
Ich weiß nicht, ob das mit der Versöhnung so geht, und das ist ja auch nicht unsere Aufgabe als Täter-Nachkommen. Ich glaube, wir müssen alles versuchen, um Klarheit zu erreichen und der Wahrheit ins Gesicht schauen. Dann bleibt uns nichts anderes mehr als Trauer Trauer Trauer….die löst.
Dennoch hat mich diese Veranstaltung dazu veranlaßt, ein Vorhaben, das schon lang in mir gärte, endlich auszuführen, nämlich: der Tätigkeit meiner Tante, der Schwester meiner Mutter, beim "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg " in der Ukraine, nachzuforschen. Nicht, um jemanden bloß zu stellen und mit Finger auf jemanden anders zu zeigen, sondern endlich dieses Tabu zu brechen, das es unmöglich machte, jemals in der Familie darüber zu sprechen.
Verdrängung und Verleugnung machen auf Dauer krank, auch körperlich, wie meinen armen Cousin, den Sohn dieser Tante, der mit 60 einen schrecklichen Schlaganfall hatte und seit 15 Jahren nicht mehr gehn und sprechen kann.
In Dieter Schlesaks Internet-blog kann man auch lesen, dass Sie seine Ehrenbürgerschaft, die vom Bürgermeister und vielen angesehenen rumänischen Bürgern und dem dt. Pfarrer und einigen anderen siebenb. Bürgern vorgeschlagen wurde, verhindern möchten.
Es wäre gut, wenn Sie Ihre Haltung zum Thema und vor allem zu Dieter Schlesak noch einmal überdächten und die Verleihung der ihm durch sein Engagement für seine Heimat-Stadt (ADS,nur ein Beispiel) so sehr gebührende Ehrenbürgerwürde unterstützten.
Mit vorzüglicher Hochachtung,
Elisabeth Krause
Am Sandhaus 10
13125 Berlin
Mail: elisande@t-online.de
Erwiderung auf einen Leserbrief in der „Hermannstaedter Zeitung vom 9. Juli 2010 mit der Überschrift:“Alte Wunden aufgerissen“
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Mittwoch, 22. September 2010
Donnerstag, 16. September 2010
Dieter Schlesak, Soll mein Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“ verboten werden? Dem Autor als „Nestbeschmutzer“ die geplanten Ehrenbürgerrechte seiner Heimatstadt versagt werden?
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„Transsylvania mon amour“ heißt mein jüngstes Buch. Es ist eine deutsche und rumänische Liebeserklärung an mein Herkunftsland, an meine Herkunftsstadt. Ich gebe zu, diese ferne Geliebte ist mein schwächster Punkt; ich durfte sie erst 1990 nach vierzehn Jahren schmerzlicher Abwesenheit wieder besuchen, da mich wegen meiner Flucht aus der Diktatur, aber auch wegen meines Werkes, ein Militärgericht zu sieben Jahren erurteilt Haft hatte.
Doch Liebe hat mich nicht blind gemacht, mein ganzes Werk setzt sich mit meinem Land, meiner Stadt, meiner Herkunft kritisch auseinander: Vor allem im Roman „Transsylwahnien“ und mehr noch im Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“.
Seit 1990, seit das Land wieder frei ist, fühle ich mich in Siebenbürgen wieder zu Hause; von rumänischer Seite wurde ich wieder sehr gut aufgenommen und sehr gefördert: mein Geburtshaus konnte ich zum Zentrum einer Kulturstiftung machen (ADS), ein Literaturkabinett wurde von Mariana Gorczyka, der Direktorin des Colegiul National „Mircea Eliade“ eingerichtet, das meinen Namen trägt. Die Universität Bukarest verlieh mir den Dr.h.c.
Jedoch, das Unvorstellbare für mich geschieht jetzt nach 20 Jahren: viele meiner deutschen Landsleute versuchen mich wieder zu „vertreiben“, zu verleumden, begegnen mir mit Hass. Und zwar wegen eines Buches über den Landsmann Victor Capesius, den freilich nicht ich zum „Auschwitzapotheker“ gemacht habe, ich habe seinen Fall in einem Dokumentar-Roman nur beschrieben und bekannt gemacht, seit kurzem weltweit.
Im Herbst bin ich von der Uni (Prof. George Guţu) nach Bukarest zu einem Celankongress und zu Lesungen , sowie zu einer Fernsehaufnahme ( Fernsehporträt tvr) eingeladen; ich wollte auch in meine Heimatstadt in Siebenbürgen zu Lesungen fahren. Was ich überdenken muss, denn sie wurde mir inzwischen wieder (moralisch geraubt). Dort wollen die jetzt dort „Zurückgebliebenen“, allen voran und als Sprecherin tritt die Nichte des Auschwitzapothekers auf, mir die Heimatstadt zum zweiten mal nehmen. Und zwar weil ich es gewagt habe, dieses Buch über den Schässburger Apotheker und Massenmörder (Capesius, der Auschwitzapotheker, Dietz 2006, Hora, Sibiu 2009) zu schreiben. Aus dem gleichen Grund gibt’s nun nach der roten Zensur, eine „Sachsenzensur“. Diese „Landsleute“ setzen sich vehement in der Presse gegen das Buch und den Autor als „Nestbeschmutzer“ ein und wollen verhindern, dass er, wie von rumänischen Autorenkollegen, Ion Negoş etwa, der einen profunden Essay über „Capesius“ veröffentlicht hat, von Lehrern, Rechtsanwälten Buchhändlern, Presse etc., der Lyzeumsdirektorin Mariana Gorczka vorgeschlagen, vom Bürgermeister Dorin Dăneşan, der den Vorschlag schon akzeptiert hatte, zum Ehrenbürger der Heimat-Stadt ernannt zu werden. Ausnahmen wie der Stadtpfarrer Bruno Fröhlich oder der Leiter des deutschen Forums Stefan Gorczyca u.a. bestätigen nur die Regel. Ich schlug vor, die Siebenbürger Sachsen aus meiner Heimatstadt sollen doch den Auschwitzapotheker Capesius zum Ehrenbürger ernennen!
Der Fakten zu dieser Initiative gibt es wenige, es ist eher die Stimmung, die nicht messbar ist; es war und ist noch nichts entschieden, sondern seit es in der Lokalpresse bekannt gegeben wurde, und es den, auch schriftlichen Protest, in der Presse der Nichte des Apothekers gab, nur auf Eis gelegt worden; nichts mehr geschieht. Und, wie mir ein Freund, Gernot Wagner, Schässburger, der im August einen Monat in der Stadt verbracht, mit vielen geredet hat, berichtete und riet: Fahr nicht! Pass auf mit den Lesungen, du wirst dann geschnitten mit leeren Sälen musst du rechnen. Dein Name ist zu Hause verflucht.
Es geht also um nichts Offizielles, Fassbares, nur um „Stimmungen“, doch immerhin um Hass.
Ich glaube, dass dieser skandalöse Fall bei weitem den kleinen örtlichen Skandal überschreitet und auch mein Name ist unwichtig, denn egal wer da in dieser Weise so „sonder-behandelt“ wird, es bleibt unglaublich, und es geht um einen unerhörten „Fall“, um eine Stadtschande, die auch mich schmerzt, sie wäre eines weltweiten Protests würdig, da es bei diesem Hass oder auch bestenfalls Ignoranz, um das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte geht, der Siebenbürger/ Schässburger Capesius inmitten. Da dieses Buch gerade wegen dieser unerhörten Nähe und Fassbarkeit des Verbrechens eine weltweite Anerkennung gefunden hat, in alle großen Sprachen und viele kleinen übersetzt wird, die spanische und die englische Übersetzung sind eben da, ist diese hasserfüllte Provinzialität erschreckend! Dabei, es ist nicht zu vergessen, viele „Landsleute“ weltweit, zu diesen Hassern gehören! Und möglicherweise erfüllt dieser Skandal auch den strafgesetzlichen Tatbestand der Auschwitzleugnung , einen Paragrafen, den es sowohl in Rumänien als auch in Deutschland gibt.
Mir hat es gereicht, dass meine Erinnerungen, auch die so kostbaren Kindheitserinnerungen durch die Erinnerung an 4 SS-Verwandte, alles Schässburger, und den Heimatstadt-Apotheker, die alle in deutschen KZs zu Verbrechern geworden waren, vergiftet wurden! Ich hab das alles durch Schreiben, durch mein Werk versucht (auch für andere!) zu verarbeiten! Jetzt soll es eine neue Vergiftung geben? Jeder weiß, wie wichtig dieser Schatz der Erinnerungen für jeden Menschen ist; für einen Autor aber sind sie fundamental, die Basis seines Werkes. Diese Liebe zu meiner Stadt soll nun neu vergiftet werden?
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Die Capesius-Nichte Rus-Capesius hat mich in der kleinen „Hermannstädter Zeitung“ (9. Juli 2010. hz@logon.ro) unter dem Titel „Alte Wunden neu aufgerissen“ attackiert und quasi wegen „Capesius, der Auschwitzapotheker“, der übrigens als Massenmörder in Rumänien zum Tode verurteilt worden ist, in Deutschland kam er mit 9 Jahren im Frankfurter Prozess davon, zur Verantwortung gezogen, unter heftigem Kopfnicken „meiner“ Sachsen, sozusagen das Buch zu „verbieten“, mich zum Schweigen zu bringen.
Nach einigen unhaltbaren Behauptungen, Capesius habe nie in Schässburg gewohnt, nur seine Frau und seine Kinder; Frau Friederike Capesius führte in jenen furchtbaren Jahren 1942-1944 diese Capesius-Apotheke „Zur Krone“, fragt mich die Capesius-Nichte, ob ich denn nichts anderes zu tun und zu schreiben hätte?!!. Ja, ich habe…:
Capesius, jener, den ich aus der Kindheit in S. kannte, und der mit meinen Eltern befreundet war, verwaltete das Zyklon B? Ja. Seit 2 Jahren etwa, seit es nun weltweit bekannt ist, beschäftigt mich immer mehr auch das Schicksal der Täter-Familien, diese Nähe zu meinem „Nest“, auch ihre Psyche, als wäre es meine eigene.
Das Schicksal der Täter von innen und auch von ihnen aus gesehen also, auch die Vier Täter aus meiner eigenen Familie will ich ins Zentrum stellen, Familienbriefe, Familienerzählungen, eigne Erinnerungen etc. aber auch Dokumente kommen hinzu. So verstehe ich durchaus auch Rosel Rus-Capesius, die Rus heissen wollte, nicht mehr Capesius, dass ihr all dieses keine Ruhe lässt, sie quält. Und ich glaube, dass vor allem auch die Frau von Capesius und ihre drei Töchter sehr gelitten haben. Durch die Trennung, die Haft, den Prozess. Den Namen. Das Exil. Und mein nächstes Buch wird sich mit all diesen Schicksalen und Psychen, den Seelennöten, den Gewissensqualen, aber auch dem Seelentod der SS-Täter beschäftigen. Und mit der Frage: Muss der Einzelne vor der Blutspur der Geschichte, ihrem Wahnsinn nicht geschützt werden?
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Doch dann kommt gleich die Frage: Und die Familien der Opfer, Kinder, Babys, Frauen, Alte, die in die Gaskammern getrieben wurden, was geschah mit den Überlebenden, die alleine blieben mit dieser WUNDE?! Im Auschwitzapotheker gibt es mehrere Augenzeugenaussagen dafür.
Und wenn wir uns vorstellen, dass solche Szenen, die auch in meinem Buch geschildert werden, wo 2000 arme nackte Menschen, schreiende Säuglinge, jammernde Kinder, weinende Frauen im Stockfinstern eines riesigen kalten Betonraumes zitternd auf ihren Erstickungstod warten? Der Auschwitzapotheker mit dem Zyklon B sie dann (oft auch persönlich) „erlöste“?
Verblasst mein Mitleid mit den Familien der Täter.
Hier eine Szene aus meinem Buch, eine Prozessschilderung, in Anwesenheit von Capesius im Gerichtssaal und einem jüdischen Opfer-Augenzeugen:
„Vorsitzender: Sie haben hier den Angeklagten Dr. Capesius erkannt. Was können Sie über ihn sagen?
Paisikovic: Er war Arzt und ist einmal mit dem Rote-Kreuz-Wagen zum Krematorium gekommen. Er hat den Fahrer noch um eine Gasbüchse geschickt, weil eine fehlte. Ich kann mich bei ihm keinesfalls irren.
Verteidiger Dr. Laternser: Wollen Sie den Vorfall genau schildern?
Zeuge Dov Paisikovic: Der Mann ist einmal ins Krematorium gekommen mit dem Roten-Kreuz-Wagen. Und sind rüber auf die andere Seite, wo die Gaskammer war. Sie warfen die von der anderen Seite, nicht wo … warfen die von unten. Der Mann sagte so: »Wo ist die Büchse? Wo ist das Zyklon?« Der Chauffeur bringt eine Büchse. Sagt er: »Wo ist die zweite?« Sagt er: »Ich habe nur eine gebracht.« Hat er ihn angeschrien und ihn geschickt, noch einmal … Büchse zu holen.
Vorsitzender Richter: Bitte sehr. Ja. Und damals, als er da war und nach der zweiten Büchse geschickt hat, waren da die Menschen schon in der Gaskammer, dass sie vergast wurden?
Zeuge Dov Paisikovic: Die Menschen waren in der Gaskammer, noch nicht vergast.
Vorsitzender Richter: Ist er da allein gekommen mit dem Rotkreuzwagen, mit dem Chauffeur, oder waren da noch andere dabei?
Zeuge Dov Paisikovic: Es war unsere SS dabei. Der Mann und unser Unterscharführer, Steinberg. Die Gasmaske hat der Unterscharführer Steinberg gehabt. Und er hat das Gas hineingeschüttet.
Vorsitzender: Wie oft haben Sie Capesius beim Krematorium gesehen?
Paisikovic: Vielmals“.
Pein, Schuld, Scham …dass solcher Henker ganz nahe kommen als Siebenbürger…
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Und Frau Rus-Capesius wagt zu schreiben, C. sei „als freier Mensch in seinem Bett friedlich gestorben“, wie Roland Albert, der andere Verbrecher übrigens auch. Und: „hat DS nichts anderes zu schreiben, als alte Wunden aufzueißen“.
DS hat. Er hat auch anderes zu schreiben!! Jetzt auch über die „Rote Hölle“ der Securitate. Aber da hätte Frau Rus jetzt dann Beifall geklatscht, wie viele Sachsen. Es ist mein Beruf, gegen das Vergessen und das friedlich Schlafen und die angebliche Schuldlosigkeit anzugehen!! Mit zu verhindern, dass diese furchtbaren Dinge auf andere Weise wieder geschehen. Denn ich habe mir ein großes Gewicht, das mir keine Ruhe ließ und lässt, als gehörte ich (zumindest virtuell) mit zu den Schuldigen, auch für andere, auch für Frau Rus von der Seele schreiben wollen. Und es ist mein Beruf als Autor als Zeuge der Augenzeugen alles aufzuschreiben! Die Nichte des Auschwitzapothekers aber, sie wagt zu urteilen, ohne eine blasse Ahnung zu haben. Sie hat es selbst so gesagt: Sie habe weder das Buch über das vielleicht größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit gelesen, noch will sie wahrhaben, dass ihr Onkel im Zentrum dieses Verbrechens stand! Es ist unglaublich: Sie behauptet, nicht einmal zu wissen, wofür er verurteilt worden ist!!! Das, wofür er verurteilt worden ist, kann man nicht einfach, wie sie als Argument wagt anzuführen: 9 Jahre lang absitzen, wie ein normales Verbrechen, und dann friedlich in seinem Bett, sogar als „freier Mann“ sterben, mit sich und der Welt gar im Reinen. So etwas Ungeheuerliches zu sagen…
„Alte Wunden“? Für mich sind diese Wunden nicht alt und vernarbt, sondern immer noch offen. Seit über dreißig Jahren arbeite ich an diesem Buch über den so nahen Schässburger Auschwitzapotheker, nicht nur im Versuch, sie zu heilen, zu therapieren, sondern vor allem um Zeugnis abzulegen, gegen das Vergessen anzugehen, diese Wunde offen zu halten. Dabei geht es auch um meine eigne Familie, nicht nur um die von Capesius. Auch meinen Kopf und Biografie hin zu halten: denn wäre ich 7 Jahre älter gewesen, wäre ich (mit der gleichen deutschen Erziehung und Herkunft) vielleicht auch ein SS-Offizier geworden, in Auschwitz oder anderswo eingesetzt worden, nachdem es den Vertrag Bukarest-Berlin April 1943 gab, durch den alle Rumänien-Deutschen zur Wehrmacht und SS eingezogen, ihre Wehrpflicht ableisten mussten.
Aber noch etwas: Diese „Wunde“ erleben wir doch täglich, nämlich, dass die meisten Sachsen nicht mehr zu Hause leben, dass wir wegen dieser SS- Verbrechen und dem Kriegs- und KZ-Einsatz, und dafür ist Capesius das schlimmste Symbol, die Gräuel in Russland auch, bis nach Moskau und Stalingrad kamen, die Rote Armee dann diese Heimat verteidigte, dann unsere berechtigterweise besetzte, die Deutschen in den Rückzug trieb, und dann blieb, das Rote Inferno, die Zerstörung, denn die Auswanderung war unsere eigne Anfangs-Schuld. Die alte Wunde leben wir täglich in der Heimatlosigkeit und in der Fremde.
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Diese offene Wunde: Massenmörder aus unsern Reihen, unseren Familien verdient als Beispiel einen anderen Umgang. Warum müssen immer „unsere“ Sachsen die „Zurückgebliebenen“ sein, die nichts als vergessen wollen oder gar leugnen, dass es unter ihnen solche Fälle gegeben, gar dass es Auschwitz gegeben hat! Da gibt es in Deutschland andere Stimmen von Nachfahren der SS-Täter, denen die Taten ihrer Väter, Großväter oder Verwandten keine Ruhe geben, und die jetzt –anders als die, die alles unter den Teppich kehren wollen - Bücher über diese „Fälle“ schreiben, bedrängt von der Frage: Wie das möglich sein konnte, dass ihr Vater, Onkel oder Großvater zu solchen Massenmördern wurden. Die Zeit scheint genau jetzt erst dazu reif zu sein! Etwa im Falle von Heinrich Himmler, über die Katrin Himmler, die Großnichte von Himmler ein Buch geschrieben hat: "Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte", S. Fischer 2005.. Sie nennt ihren Großonkel einen „Jahrhundertemörder“. Oder auch die Enkelin von Wilhelm Boger, der die schreckliche Boger-Schaukel für Verhöre in Auschwitz erfunden hatte, er ist im Auschwitzapotheker porträtiert, hier die Enkelin, die keine Ruhe finden kann. Sie schreibt: „Wegschauen, es nicht so genau wissen wollen, scheint erst mal einfacher. Doch es wirkt hemmend und bremsend in meinem Leben. Und hinschauen ist unendlich schmerzhaft und macht mich immer wieder sprachlos… Auch wenn ich weiß, dass ich selber nicht schuldig bin und nicht mein Großvater bin, empfinde ich Scham und in meinem Herzen ist tiefe Traurigkeit und ein Ozean von Tränen.”
— Ursula Boger
Heilung begann für sie, als sie anfing ihre Gedanken, Erfahrungen und starken Emotionen mit anderen zu teilen. „Es ist ein großes Geschenk, wenn da jemand ist, der Interesse daran hat und mit einem offenen Herzen zuhört.“ Ihr Weg führte sie zu einer jüdischen Psychotherapeutin und ihrem deutschen Kollegen, die zusammen seit Jahren Retreats zu den Nachwirkungen des Holocausts organisieren. An diesen Veranstaltungen nahm Ursula mehrmals teil und konnte dort die heilende Kraft der offenen Begegnung erfahren. Demnächst wird sie auf dem Treffen der Generationen in Weimar von ihren Erlebnissen berichten.
Oder der Fall Baldur von Schirach, dessen Sohn (Richard von Schirach: Der Schatten meines Vaters; München, Wien: Hanser, 2005;) über ihn geschrieben hat, der Sohn zunehmend fassungslos wird angesichts der Greueltaten des Regimes und der Schuld des Vaters, der keine Worte der Reue findet. Viel schärfer greift der Sohn Niklas von Hans Frank, des hingerichteten Gewnergouverneurs von Polen.. „Wenn man seinen Vater verfolgt, wie ich, wenn man in sein Hirn hineinkriecht, wie ich, wenn man seine Feigheiten studiert, und sie wieder findet, wie ich bei mir, wenn man bei den Recherchen sieht, welch Gierzapfen meine Mutter war, wie sie das Generalgouvernement Polen als Supermarkt auffasste, in dem sie als ‚Frau Generalgouverneur‘ die Preise selbst bestimmen konnte, wenn man, wie ich mit ihr, durch die Gettos fuhr und Pelze auflud aus den jüdischen Geschäften, deren Inhaber fälschlicherweise glaubten, durch Brigitte Frank ihr Leben retten zu können, dann kann aus all dem Leid und Hass zwischen den Leichenbergen nur eines entstehen: Die Groteske.“ (tern: Mein Vater der Nazimörder“.). Dann als Buch: Niklas Frank: Der Vater. Eine Abrechnung. Vorwort Ralph Giordano. Bertelsmann, München 1987. Aber auch die Enkelin von Roland Albert, sie ist Wiener Dramaturgin und Filmemacherin, beschäftigt sich in diesem Sinne mit ihrem Großvater. Und daher bin ich froh, dass es auch bei den Siebenbürger Sachsen nun solch ein Buch gibt, das ich schreiben musste.
Auch den vielen, durch Siebenbürger Sachsen Ermordeten zum Gedenken!
„Transsylvania mon amour“ heißt mein jüngstes Buch. Es ist eine deutsche und rumänische Liebeserklärung an mein Herkunftsland, an meine Herkunftsstadt. Ich gebe zu, diese ferne Geliebte ist mein schwächster Punkt; ich durfte sie erst 1990 nach vierzehn Jahren schmerzlicher Abwesenheit wieder besuchen, da mich wegen meiner Flucht aus der Diktatur, aber auch wegen meines Werkes, ein Militärgericht zu sieben Jahren erurteilt Haft hatte.
Doch Liebe hat mich nicht blind gemacht, mein ganzes Werk setzt sich mit meinem Land, meiner Stadt, meiner Herkunft kritisch auseinander: Vor allem im Roman „Transsylwahnien“ und mehr noch im Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“.
Seit 1990, seit das Land wieder frei ist, fühle ich mich in Siebenbürgen wieder zu Hause; von rumänischer Seite wurde ich wieder sehr gut aufgenommen und sehr gefördert: mein Geburtshaus konnte ich zum Zentrum einer Kulturstiftung machen (ADS), ein Literaturkabinett wurde von Mariana Gorczyka, der Direktorin des Colegiul National „Mircea Eliade“ eingerichtet, das meinen Namen trägt. Die Universität Bukarest verlieh mir den Dr.h.c.
Jedoch, das Unvorstellbare für mich geschieht jetzt nach 20 Jahren: viele meiner deutschen Landsleute versuchen mich wieder zu „vertreiben“, zu verleumden, begegnen mir mit Hass. Und zwar wegen eines Buches über den Landsmann Victor Capesius, den freilich nicht ich zum „Auschwitzapotheker“ gemacht habe, ich habe seinen Fall in einem Dokumentar-Roman nur beschrieben und bekannt gemacht, seit kurzem weltweit.
Im Herbst bin ich von der Uni (Prof. George Guţu) nach Bukarest zu einem Celankongress und zu Lesungen , sowie zu einer Fernsehaufnahme ( Fernsehporträt tvr) eingeladen; ich wollte auch in meine Heimatstadt in Siebenbürgen zu Lesungen fahren. Was ich überdenken muss, denn sie wurde mir inzwischen wieder (moralisch geraubt). Dort wollen die jetzt dort „Zurückgebliebenen“, allen voran und als Sprecherin tritt die Nichte des Auschwitzapothekers auf, mir die Heimatstadt zum zweiten mal nehmen. Und zwar weil ich es gewagt habe, dieses Buch über den Schässburger Apotheker und Massenmörder (Capesius, der Auschwitzapotheker, Dietz 2006, Hora, Sibiu 2009) zu schreiben. Aus dem gleichen Grund gibt’s nun nach der roten Zensur, eine „Sachsenzensur“. Diese „Landsleute“ setzen sich vehement in der Presse gegen das Buch und den Autor als „Nestbeschmutzer“ ein und wollen verhindern, dass er, wie von rumänischen Autorenkollegen, Ion Negoş etwa, der einen profunden Essay über „Capesius“ veröffentlicht hat, von Lehrern, Rechtsanwälten Buchhändlern, Presse etc., der Lyzeumsdirektorin Mariana Gorczka vorgeschlagen, vom Bürgermeister Dorin Dăneşan, der den Vorschlag schon akzeptiert hatte, zum Ehrenbürger der Heimat-Stadt ernannt zu werden. Ausnahmen wie der Stadtpfarrer Bruno Fröhlich oder der Leiter des deutschen Forums Stefan Gorczyca u.a. bestätigen nur die Regel. Ich schlug vor, die Siebenbürger Sachsen aus meiner Heimatstadt sollen doch den Auschwitzapotheker Capesius zum Ehrenbürger ernennen!
Der Fakten zu dieser Initiative gibt es wenige, es ist eher die Stimmung, die nicht messbar ist; es war und ist noch nichts entschieden, sondern seit es in der Lokalpresse bekannt gegeben wurde, und es den, auch schriftlichen Protest, in der Presse der Nichte des Apothekers gab, nur auf Eis gelegt worden; nichts mehr geschieht. Und, wie mir ein Freund, Gernot Wagner, Schässburger, der im August einen Monat in der Stadt verbracht, mit vielen geredet hat, berichtete und riet: Fahr nicht! Pass auf mit den Lesungen, du wirst dann geschnitten mit leeren Sälen musst du rechnen. Dein Name ist zu Hause verflucht.
Es geht also um nichts Offizielles, Fassbares, nur um „Stimmungen“, doch immerhin um Hass.
Ich glaube, dass dieser skandalöse Fall bei weitem den kleinen örtlichen Skandal überschreitet und auch mein Name ist unwichtig, denn egal wer da in dieser Weise so „sonder-behandelt“ wird, es bleibt unglaublich, und es geht um einen unerhörten „Fall“, um eine Stadtschande, die auch mich schmerzt, sie wäre eines weltweiten Protests würdig, da es bei diesem Hass oder auch bestenfalls Ignoranz, um das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte geht, der Siebenbürger/ Schässburger Capesius inmitten. Da dieses Buch gerade wegen dieser unerhörten Nähe und Fassbarkeit des Verbrechens eine weltweite Anerkennung gefunden hat, in alle großen Sprachen und viele kleinen übersetzt wird, die spanische und die englische Übersetzung sind eben da, ist diese hasserfüllte Provinzialität erschreckend! Dabei, es ist nicht zu vergessen, viele „Landsleute“ weltweit, zu diesen Hassern gehören! Und möglicherweise erfüllt dieser Skandal auch den strafgesetzlichen Tatbestand der Auschwitzleugnung , einen Paragrafen, den es sowohl in Rumänien als auch in Deutschland gibt.
Mir hat es gereicht, dass meine Erinnerungen, auch die so kostbaren Kindheitserinnerungen durch die Erinnerung an 4 SS-Verwandte, alles Schässburger, und den Heimatstadt-Apotheker, die alle in deutschen KZs zu Verbrechern geworden waren, vergiftet wurden! Ich hab das alles durch Schreiben, durch mein Werk versucht (auch für andere!) zu verarbeiten! Jetzt soll es eine neue Vergiftung geben? Jeder weiß, wie wichtig dieser Schatz der Erinnerungen für jeden Menschen ist; für einen Autor aber sind sie fundamental, die Basis seines Werkes. Diese Liebe zu meiner Stadt soll nun neu vergiftet werden?
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Die Capesius-Nichte Rus-Capesius hat mich in der kleinen „Hermannstädter Zeitung“ (9. Juli 2010. hz@logon.ro) unter dem Titel „Alte Wunden neu aufgerissen“ attackiert und quasi wegen „Capesius, der Auschwitzapotheker“, der übrigens als Massenmörder in Rumänien zum Tode verurteilt worden ist, in Deutschland kam er mit 9 Jahren im Frankfurter Prozess davon, zur Verantwortung gezogen, unter heftigem Kopfnicken „meiner“ Sachsen, sozusagen das Buch zu „verbieten“, mich zum Schweigen zu bringen.
Nach einigen unhaltbaren Behauptungen, Capesius habe nie in Schässburg gewohnt, nur seine Frau und seine Kinder; Frau Friederike Capesius führte in jenen furchtbaren Jahren 1942-1944 diese Capesius-Apotheke „Zur Krone“, fragt mich die Capesius-Nichte, ob ich denn nichts anderes zu tun und zu schreiben hätte?!!. Ja, ich habe…:
Capesius, jener, den ich aus der Kindheit in S. kannte, und der mit meinen Eltern befreundet war, verwaltete das Zyklon B? Ja. Seit 2 Jahren etwa, seit es nun weltweit bekannt ist, beschäftigt mich immer mehr auch das Schicksal der Täter-Familien, diese Nähe zu meinem „Nest“, auch ihre Psyche, als wäre es meine eigene.
Das Schicksal der Täter von innen und auch von ihnen aus gesehen also, auch die Vier Täter aus meiner eigenen Familie will ich ins Zentrum stellen, Familienbriefe, Familienerzählungen, eigne Erinnerungen etc. aber auch Dokumente kommen hinzu. So verstehe ich durchaus auch Rosel Rus-Capesius, die Rus heissen wollte, nicht mehr Capesius, dass ihr all dieses keine Ruhe lässt, sie quält. Und ich glaube, dass vor allem auch die Frau von Capesius und ihre drei Töchter sehr gelitten haben. Durch die Trennung, die Haft, den Prozess. Den Namen. Das Exil. Und mein nächstes Buch wird sich mit all diesen Schicksalen und Psychen, den Seelennöten, den Gewissensqualen, aber auch dem Seelentod der SS-Täter beschäftigen. Und mit der Frage: Muss der Einzelne vor der Blutspur der Geschichte, ihrem Wahnsinn nicht geschützt werden?
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Doch dann kommt gleich die Frage: Und die Familien der Opfer, Kinder, Babys, Frauen, Alte, die in die Gaskammern getrieben wurden, was geschah mit den Überlebenden, die alleine blieben mit dieser WUNDE?! Im Auschwitzapotheker gibt es mehrere Augenzeugenaussagen dafür.
Und wenn wir uns vorstellen, dass solche Szenen, die auch in meinem Buch geschildert werden, wo 2000 arme nackte Menschen, schreiende Säuglinge, jammernde Kinder, weinende Frauen im Stockfinstern eines riesigen kalten Betonraumes zitternd auf ihren Erstickungstod warten? Der Auschwitzapotheker mit dem Zyklon B sie dann (oft auch persönlich) „erlöste“?
Verblasst mein Mitleid mit den Familien der Täter.
Hier eine Szene aus meinem Buch, eine Prozessschilderung, in Anwesenheit von Capesius im Gerichtssaal und einem jüdischen Opfer-Augenzeugen:
„Vorsitzender: Sie haben hier den Angeklagten Dr. Capesius erkannt. Was können Sie über ihn sagen?
Paisikovic: Er war Arzt und ist einmal mit dem Rote-Kreuz-Wagen zum Krematorium gekommen. Er hat den Fahrer noch um eine Gasbüchse geschickt, weil eine fehlte. Ich kann mich bei ihm keinesfalls irren.
Verteidiger Dr. Laternser: Wollen Sie den Vorfall genau schildern?
Zeuge Dov Paisikovic: Der Mann ist einmal ins Krematorium gekommen mit dem Roten-Kreuz-Wagen. Und sind rüber auf die andere Seite, wo die Gaskammer war. Sie warfen die von der anderen Seite, nicht wo … warfen die von unten. Der Mann sagte so: »Wo ist die Büchse? Wo ist das Zyklon?« Der Chauffeur bringt eine Büchse. Sagt er: »Wo ist die zweite?« Sagt er: »Ich habe nur eine gebracht.« Hat er ihn angeschrien und ihn geschickt, noch einmal … Büchse zu holen.
Vorsitzender Richter: Bitte sehr. Ja. Und damals, als er da war und nach der zweiten Büchse geschickt hat, waren da die Menschen schon in der Gaskammer, dass sie vergast wurden?
Zeuge Dov Paisikovic: Die Menschen waren in der Gaskammer, noch nicht vergast.
Vorsitzender Richter: Ist er da allein gekommen mit dem Rotkreuzwagen, mit dem Chauffeur, oder waren da noch andere dabei?
Zeuge Dov Paisikovic: Es war unsere SS dabei. Der Mann und unser Unterscharführer, Steinberg. Die Gasmaske hat der Unterscharführer Steinberg gehabt. Und er hat das Gas hineingeschüttet.
Vorsitzender: Wie oft haben Sie Capesius beim Krematorium gesehen?
Paisikovic: Vielmals“.
Pein, Schuld, Scham …dass solcher Henker ganz nahe kommen als Siebenbürger…
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Und Frau Rus-Capesius wagt zu schreiben, C. sei „als freier Mensch in seinem Bett friedlich gestorben“, wie Roland Albert, der andere Verbrecher übrigens auch. Und: „hat DS nichts anderes zu schreiben, als alte Wunden aufzueißen“.
DS hat. Er hat auch anderes zu schreiben!! Jetzt auch über die „Rote Hölle“ der Securitate. Aber da hätte Frau Rus jetzt dann Beifall geklatscht, wie viele Sachsen. Es ist mein Beruf, gegen das Vergessen und das friedlich Schlafen und die angebliche Schuldlosigkeit anzugehen!! Mit zu verhindern, dass diese furchtbaren Dinge auf andere Weise wieder geschehen. Denn ich habe mir ein großes Gewicht, das mir keine Ruhe ließ und lässt, als gehörte ich (zumindest virtuell) mit zu den Schuldigen, auch für andere, auch für Frau Rus von der Seele schreiben wollen. Und es ist mein Beruf als Autor als Zeuge der Augenzeugen alles aufzuschreiben! Die Nichte des Auschwitzapothekers aber, sie wagt zu urteilen, ohne eine blasse Ahnung zu haben. Sie hat es selbst so gesagt: Sie habe weder das Buch über das vielleicht größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit gelesen, noch will sie wahrhaben, dass ihr Onkel im Zentrum dieses Verbrechens stand! Es ist unglaublich: Sie behauptet, nicht einmal zu wissen, wofür er verurteilt worden ist!!! Das, wofür er verurteilt worden ist, kann man nicht einfach, wie sie als Argument wagt anzuführen: 9 Jahre lang absitzen, wie ein normales Verbrechen, und dann friedlich in seinem Bett, sogar als „freier Mann“ sterben, mit sich und der Welt gar im Reinen. So etwas Ungeheuerliches zu sagen…
„Alte Wunden“? Für mich sind diese Wunden nicht alt und vernarbt, sondern immer noch offen. Seit über dreißig Jahren arbeite ich an diesem Buch über den so nahen Schässburger Auschwitzapotheker, nicht nur im Versuch, sie zu heilen, zu therapieren, sondern vor allem um Zeugnis abzulegen, gegen das Vergessen anzugehen, diese Wunde offen zu halten. Dabei geht es auch um meine eigne Familie, nicht nur um die von Capesius. Auch meinen Kopf und Biografie hin zu halten: denn wäre ich 7 Jahre älter gewesen, wäre ich (mit der gleichen deutschen Erziehung und Herkunft) vielleicht auch ein SS-Offizier geworden, in Auschwitz oder anderswo eingesetzt worden, nachdem es den Vertrag Bukarest-Berlin April 1943 gab, durch den alle Rumänien-Deutschen zur Wehrmacht und SS eingezogen, ihre Wehrpflicht ableisten mussten.
Aber noch etwas: Diese „Wunde“ erleben wir doch täglich, nämlich, dass die meisten Sachsen nicht mehr zu Hause leben, dass wir wegen dieser SS- Verbrechen und dem Kriegs- und KZ-Einsatz, und dafür ist Capesius das schlimmste Symbol, die Gräuel in Russland auch, bis nach Moskau und Stalingrad kamen, die Rote Armee dann diese Heimat verteidigte, dann unsere berechtigterweise besetzte, die Deutschen in den Rückzug trieb, und dann blieb, das Rote Inferno, die Zerstörung, denn die Auswanderung war unsere eigne Anfangs-Schuld. Die alte Wunde leben wir täglich in der Heimatlosigkeit und in der Fremde.
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Diese offene Wunde: Massenmörder aus unsern Reihen, unseren Familien verdient als Beispiel einen anderen Umgang. Warum müssen immer „unsere“ Sachsen die „Zurückgebliebenen“ sein, die nichts als vergessen wollen oder gar leugnen, dass es unter ihnen solche Fälle gegeben, gar dass es Auschwitz gegeben hat! Da gibt es in Deutschland andere Stimmen von Nachfahren der SS-Täter, denen die Taten ihrer Väter, Großväter oder Verwandten keine Ruhe geben, und die jetzt –anders als die, die alles unter den Teppich kehren wollen - Bücher über diese „Fälle“ schreiben, bedrängt von der Frage: Wie das möglich sein konnte, dass ihr Vater, Onkel oder Großvater zu solchen Massenmördern wurden. Die Zeit scheint genau jetzt erst dazu reif zu sein! Etwa im Falle von Heinrich Himmler, über die Katrin Himmler, die Großnichte von Himmler ein Buch geschrieben hat: "Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte", S. Fischer 2005.. Sie nennt ihren Großonkel einen „Jahrhundertemörder“. Oder auch die Enkelin von Wilhelm Boger, der die schreckliche Boger-Schaukel für Verhöre in Auschwitz erfunden hatte, er ist im Auschwitzapotheker porträtiert, hier die Enkelin, die keine Ruhe finden kann. Sie schreibt: „Wegschauen, es nicht so genau wissen wollen, scheint erst mal einfacher. Doch es wirkt hemmend und bremsend in meinem Leben. Und hinschauen ist unendlich schmerzhaft und macht mich immer wieder sprachlos… Auch wenn ich weiß, dass ich selber nicht schuldig bin und nicht mein Großvater bin, empfinde ich Scham und in meinem Herzen ist tiefe Traurigkeit und ein Ozean von Tränen.”
— Ursula Boger
Heilung begann für sie, als sie anfing ihre Gedanken, Erfahrungen und starken Emotionen mit anderen zu teilen. „Es ist ein großes Geschenk, wenn da jemand ist, der Interesse daran hat und mit einem offenen Herzen zuhört.“ Ihr Weg führte sie zu einer jüdischen Psychotherapeutin und ihrem deutschen Kollegen, die zusammen seit Jahren Retreats zu den Nachwirkungen des Holocausts organisieren. An diesen Veranstaltungen nahm Ursula mehrmals teil und konnte dort die heilende Kraft der offenen Begegnung erfahren. Demnächst wird sie auf dem Treffen der Generationen in Weimar von ihren Erlebnissen berichten.
Oder der Fall Baldur von Schirach, dessen Sohn (Richard von Schirach: Der Schatten meines Vaters; München, Wien: Hanser, 2005;) über ihn geschrieben hat, der Sohn zunehmend fassungslos wird angesichts der Greueltaten des Regimes und der Schuld des Vaters, der keine Worte der Reue findet. Viel schärfer greift der Sohn Niklas von Hans Frank, des hingerichteten Gewnergouverneurs von Polen.. „Wenn man seinen Vater verfolgt, wie ich, wenn man in sein Hirn hineinkriecht, wie ich, wenn man seine Feigheiten studiert, und sie wieder findet, wie ich bei mir, wenn man bei den Recherchen sieht, welch Gierzapfen meine Mutter war, wie sie das Generalgouvernement Polen als Supermarkt auffasste, in dem sie als ‚Frau Generalgouverneur‘ die Preise selbst bestimmen konnte, wenn man, wie ich mit ihr, durch die Gettos fuhr und Pelze auflud aus den jüdischen Geschäften, deren Inhaber fälschlicherweise glaubten, durch Brigitte Frank ihr Leben retten zu können, dann kann aus all dem Leid und Hass zwischen den Leichenbergen nur eines entstehen: Die Groteske.“ (tern: Mein Vater der Nazimörder“.). Dann als Buch: Niklas Frank: Der Vater. Eine Abrechnung. Vorwort Ralph Giordano. Bertelsmann, München 1987. Aber auch die Enkelin von Roland Albert, sie ist Wiener Dramaturgin und Filmemacherin, beschäftigt sich in diesem Sinne mit ihrem Großvater. Und daher bin ich froh, dass es auch bei den Siebenbürger Sachsen nun solch ein Buch gibt, das ich schreiben musste.
Auch den vielen, durch Siebenbürger Sachsen Ermordeten zum Gedenken!
Dienstag, 23. März 2010
Neue Dokumente über den Auschwitzapotheker Capesius und der Dokumentarroman"Capesius" (Bonn, Dietz 2006)
Erschienen auf ZEIT ONLINE.
23.03.2010, 18.09 Uhr
Die Frankfurter Rundschau bringt am 22. März 2010 folgende dpa-Nachricht:
SS-Ärzte
Papiere aus Auschwitz
Warschau. 65 Jahre nach Kriegsende sind in Polen bislang unbekannte Dokumente über SS-Medizinpersonal aus dem Vernichtungslager Auschwitz aufgetaucht. Sie enthielten Informationen über die Lager-Apotheker Adolf Krömer und Victor Capesius sowie prominente SS-Ärzte, sagte Adam Cyra von der KZ-Gedenkstätte Auschwitz am Montag.
Die Sammlung habe historischen Wert, weil sie Personen betreffe, die an den medizinischen Expe-rimenten an den Häftlingen sowie an "Selektionen" der Juden vor ihrer Ermordung teilgenommen hätten, erläuterte der Historiker. Unter rund 280 Dokumenten befinden sich Nahrungsmittel-Bezugsscheine für prominente SS-Lagerärzte, darunter Horst Fischer und Heinz Thilo. Laut Cyra steht auf einem Schein der Name des "Todesengels von Auschwitz", Josef Mengele, allerdings in entstellter Form als "Josef Mergerle".
Unter den Dokumenten befindet sich auch die Todesurkunde von Krömer. Demnach starb er 1944 an Herzversagen. Sein Nachfolger, Victor Capesius, hatte nach dem Krieg behauptet, Krömer sei wegen Verbreitung von Defätismus erschossen worden. Capesius war 1965 im Auschwitz-Prozess zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden, kam aber bereits 1968 frei.
Die Sammlung soll auf einem Dachboden in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers in Os-wiecim bereits vor 15 Jahren gefunden worden sein. Ein Hobby-Historiker überredete demnach am vergangenen Freitag den Finder, die Dokumente zur Untersuchung zu Verfügung zu stellen. Der anonyme Finder will die Originale aber behalten. (dpa )
Im Dokumentarroman „Capesius, der Auschwitzapotheker“ (Bonn, 2006, 2. Auflage, Hermannstadt 2009), dessen deutsche und polnische Fassung sich im Auschwitzmuseum befinden, hat der Autor die sich selbst rechtfertigenden Erzählungen des Auschwitzapothekers, wie er sie in den langen Interviews in Göppingen (1976) auf Tonband gesprochen hat, eingefügt. Dieses Grauen kommt so nahe und wurde romanfähig, weil der Autor Capesius seit seiner Kindheit kannte, er aus der gleichen Stadt kam, er mit seinen Eltern „befreundet“ war.
Durch diesen neuen Fund von Dokumenten in Warschau erweist sich, dass Capesius durchwegs lügt, um seine schlimmsten Taten zu verschleiern oder zu rechtfertigen. Zur Charakterisierung dieses Massenmörders, der seine Schuld niemals anerkannt, gar eingestand, gehören diese Lügen, die die Schuldunfähigkeit all dieser Täter zeigt. Sein Porträt mit allen dazugehörigen Dokumenten und seinen Erklärungen sind im Dokumentarroman „Capesius“ nachzulesen. Adam Cyra, der Historikewr des Auschwitzmuseums, weist in seiner polnischen Nachricht ausführlich auch auf die polnische Übersetzung des „Capesius“ (Libron, Krakau) hin, und in den italienischen Nachrichten (das Buch erschien bei Garzanti, Herbst 2009, und geht in die vierte Auflage) wird ebenso wie in den rumänischen (Polirom, 2008) und der polnischen Übersetzung auf dieses erste Buch über den Au8schwitzapotheker Capesius hingewiesen, der das Zyklon B verwaltete und ausgab, selbst beim Massenmord mitwirkte. In den deutschen Nachri9chten zum Fund fehlen die Hinweise.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern und durchwegs großen bedeutenden Verlagen: so in New York, Prag, Amsterdam, Sao Paolo, London, Barcelona, Jerusalem etc. wo das Buch übersetzt wird, fand das Buch in Deutschland kaum Aufmerksamkeit.
Ist die Vergangenheit in Deutschland schon vergangen? Dass sie nicht vergehen kann, vor allem das Gedenken an Auschwitz nicht vergehen darf, zeigt sich nun wieder. Dass Capesius selektiert hat, sogar Bekannte und Kollegen und ihre FRauen und Kinder gnadenlos ins Gas schickte, war durchaus nachgewiesen durch die Zeugen auch während des Auschwitz-Prozesses; doch unklar war, ob er auch als Apotheker medizinische Versuche durchgeführt oder zumindest daran teilgenommen hat, ein Fall kam auch vor Gericht. Nun zeigt sich, dass er viel enger als bisher bekannt, mit Mengele "mitgearbeitet" hat! Im Dokumentarroman „Capesius, der Auschwitzapotheker“ gibt es ein ganzes Kapitel über Mengele und die medizinischen Experimente, auch eine ausführliche „liebevolle“ Beschreibung des Todesdoktors durch Capesius:
CAPESIUS: „Und der Klein Fritz hat als Untergebener vom Mengele Dienst gemacht in Birkenau und ist bei Selektionen und so immer hinter dem Mengele her spaziert und hat mitgemacht und so weiter, teils selbst gemacht, teils hat der Mengele gemacht. Und da kommt der eine Arzt aus Tg. Mureş mit seinen Zwillingen. Und der Klein hört wie der sagt, es seien Zwillinge, die bringt man dort gerade fort, und der Klein sagt: Zwillinge? Wo sind die? Und dann ist er gleich gesprungen zum Hauptsturmführer Mengele, der zwei Grad höher war“...
„Den kennt jeder, der ist sehr bekannt geworden“.
CAPESIUS: „Naja, weil sich alles um dies gedreht hat in Auschwitz. Denn die Amerikaner haben die Studien, Erbforschung... Zwillingsforschung und Erbforschung“...
FRAU FRITZI CAPESIUS: „Furchtbar“...
CAPESIUS: „Na sicher. (Pause). Und der Mengele hat abgewunken, weil es nicht eineiige waren. Und dann kommt der Klein zurück und klopft dem Mann auf die Schulter und sagt: Na, lassen Sie, in einer Stunde treffen Sie sich ja wieder...
Doch genau in dieser Szene, die Capesius Klein zuschreibt, hat Capesius selbst gewirkt, bis in die WOrtwahl: "In einer Stunde werdet ihr euch wiedersehn!"
Man muss sich Capesius in der Uniform eines SS-Sturmbannführers vorstel-len, er sah Dr. Mengele mehrmals in der Woche auf der Rampe neben dem siebenbürgischen Landarzt Dr. Fritz Klein stehen. Er beschrieb den SS-Arzt und Massenmörder auf seine bürokratisch-pingelige Weise so:
CAPESIUS: „Mengele war 174 cm groß, hatte eine kurze gerade Nase, Sommersprossen und einen stechenden Blick. Die Augen dunkelbraun, der Haarscheitel links. Mengele hatte eine mittlere Statur, drahtig, sportlich, und erinnerte wohl an seine Zigeunervorfahren, aus der Zeit wahrscheinlich als die Mengelewerke noch eine Schmiede waren. Mengele war ein Gerechtigskeitsfanatiker und sehr impulsiv“.
Das klingt so schön klar. Freilich gehört dazu, was am meisten bei Capesius irritiert, die weichgepresste und doch lockere Sprechstimme mit dem siebenbürgischen Akzent; ich bin überzeugt, er hat, wie es bei psychotisch veränderten Kranken der Fall ist, eine befehlsgewohnte Stimmveränderung im Lager und dann wie einen tiefen Sturz in der Haft eine Persönlichkeitsveränderung zum vernebelten Weichkopf eines Jammerlappens erlitten.
Beim Schreiben war er weniger analphabetisch, auch wenn er viele Fehler machte. Dafür ist die Schrift, wie das bei uns hieß, „knutzlig“, winzig, und würde einem Graphologen so manches an seelischer Magerkeit und Unreife verraten; dafür konnte er pingelig genau vor allem Äußerlichkeiten, Sichtbares und am besten Zahlen, Namen, Titel, Orte, Körpermaße etc. wiedergeben, wie ein kalter Bürokrat und Personalchef eben, er beschrieb Mengele in seinen Gefängnisaufzeichnungen so: „Dr. Dr. Joseph Mengele, Dr. phil. und Dr. med., auch „Pepo“ genannt (geboren in Günzburg an der Donau am 16.März 1911) war „Erster Lagerarzt“ in Birkenau“. Er fuhr einen Opel…Schon sein Vater besaß in Günzburg die Mengele Werke die landwirtschaftliche Wagen, ähnlich Unimoc, herstellt. Mengele war seit 1.12.42 in Auschwitz, seit 1.5.43 in Birkenau BIIf. "
Zu dem tödlichen Gas Zyklon B und dem für tödliche Spritzen gebrauchte Phenol, sagte der Zeuge Prokop, der als Häftlingsapotheker in der Auschwitzapotheke arbeitete:
Der Drogist Prokop: „Als ich in dieser Apotheke arbeitete, konnte ich oft beobachten, wie Viktor Capesius zusammen mit Josef Klehr in einen Raum des Kellers dieses Blockes gingen. Aus Neugierde beobachtete ich diesen Raum ge-nauer und eines Tages sah ich, dass der SS-Oberscharführer Jurasek in Begleitung von Josef Klehr in diesen Raum ging. Jurasek war technischer Mitarbeiter der Apo-theke. Durch die offene Tür erblickte ich einen Wandschrank. Aus der Unterhal-tung der beiden hörte ich, dass der Schlüssel zu diesem Schrank in der Apotheke liege. Als Jurasek die Schlüssel holte und den Schrank öffnete sah ich, wie er Josef Klehr zahlreiche Büchsen übergab. Dabei hörte ich etwa folgenden Satz: „Es wird wahrscheinlich eine größere Aktion“. Klehr bejahte es. Ich hatte es mir sofort gedacht, dass Jurasek im Auftrage von Capesius die Büchsen mit Zyklon B heraus-gab. Diese Vermutung hat sich auch bestätigt, denn tatsächlich vergaste man an diesem Tage ca. 32 000 ungarische Juden. (Randbemerkungen von Capesius dazu, er konnte in der Zelle immer Einsicht in die Prozessakten nehmen: „Theoretisch 6o Dosen, das sind 5 Kisten. Alles erfunden! 9000 war einmal am 29.6.44 Rekord!“) Erst später hatte ich davon gehört, es handele sich dabei um so eine große Aktion, dass infolge Platzmangels in den Verbrennungsöfen die Leichen der Ver-gasten in Gruben und auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Durch die Verbren-nung der vielen Leichen im Freien entstand in der ganzen Gegend ein unangeneh-mer süsslicher Geruch. Man suchte deshalb nach einem Mittel, um diesen Geruch zu neutralisieren. Mit dieser Angelegenheit befasste sich auch Jurasek, der selbst Drogist war. Ich vermute, er tat es im Auftrage von Capesius. (Randnotiz von Capesius: Vielleicht im Auftrag von Dr. C. weil er so etwas als Apotheker nicht wis-sen konnte?) Jurasek fragte mich als Drogisten, wozu Naphtalin gut sei. Ich erklär-te ihm, dass es sich um ein Mittel handele, welches unangenehme Gerüche in Räumen wie auch im Freien neutralisiert. Danach ging Jurasek weg.
Das Zyklon B stand in der Auschwitz-Apotheke neben dem gelben Schrank. Capesius aber hatte einmal zum Häftlingsapotheker gesagt, er wolle nichts damit zu tun haben. Und so lag das Zyklon dann im Keller neben dem Phenol, mit dem durch eine Spritze direkt ins Herz getötet wurde. Aufgeschichtete Büchsen standen da wie harmlose Konserven. Einige auch im alten Krematorium. Und im soge-nannten Theatergebäude“.
Doch auch was seinen Vorgänger Krömer betrifft, hat er, wohl um sich selbst zu rechtfertigen, nämlich wie gefährlich es gewesen wäre, Selektionen oder auch nur die normale Tätigkeit in der Auschwitzapotheke zu verweigern, gelogen, Krömer ist nämlich nicht hingerichtet worden, son-dern er ist an Herzversagen gestorben. Hier die Capesius-Version, wie er sie mir erzählte, und wie sie im „Auschwitzapotheker“ steht:
CAPESIUS: „Der Mann jedenfalls (Krömer) ist damals wegen Defätismus erschossen worden, weil er allen Ankommenden erzählt hat: sie werden noch Au-genmachen, da ist Sodom und Gomorra. Es gibt noch etwas mit der Unterwelt, ir-gend so ein Zitat, das auch vorkommt, das man so sagt, wenn es einem mies geht, am miesesten geht“...
„Die Apokalypse?“
CAPESIUS: „Nein, nicht das“...
„Das Inferno?“
CAPESIUS: „Ja, das Inferno in der Unterwelt sei nichts dagegen, so in der Art. Er hat aber eine kleine SS-Nummer gehabt, aus dem ersten Jahr“...
Nochmals nun und ausführlicher die Nachricht über die 280 neu gefundenen Dokumente, die Capesius von neuem entlarven! in der „freienpresse.de“:
Unterlagen über KZ-Arzt Mengele in Auschwitz entdeckt
280 Dokumente über hochrangige Nazis aufgetaucht
Bei Renovierungsarbeiten im früheren Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sind zahlreiche Doku-mente über den berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele und andere hochrangige Nazis entdeckt worden. "Es handelt sich inso-fern um eine wichtige Entdeckung, als die Namen auf den Dokumenten nicht einfachen SS-Leuten, sondern sehr bekannten Nazi-Verbrechern gehören", sagte Adam Cyra, ein Historiker der Gedenkstätte Auschwitz im Süden Polens, der Nachrich-tenagentur AFP. Dazu gehöre der Lagerarzt Mengele, der mit seinen menschenverachtenden Experimenten an Zwillingspaa-ren und anderen Häftlingen traurige Berühmtheit erlangte.
Insgesamt wurden rund 280 Dokumente entdeckt. Mengeles Name war den Angaben zufolge auf zwei Papieren zu den Nah-rungsmittelrationen der Lagerinsassen eingetragen worden. In einem Eintrag mit der Hand sei der KZ-Arzt offenbar falsch buchstabiert als "Dr. Josef Mergerle" erwähnt. Dennoch sei davon auszugehen, dass es in den Unterlagen tatsächlich um das SS-Mitglied Mengele gehe, sagte Cyra. Der KZ-Arzt war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Lateinamerika geflohen, 1979 starb er bei einem Badeunfall in Brasilien. Andere Dokumente betreffen laut Cyra den Chef-Apotheker des Lagers, Victor Capesius, der Häftlinge für pharmazeutische Experimente missbrauchte.
Auch Unterlagen über Capesius' Vorgänger Adolf Kroemer und den Arzt im Konzentrationslager Auschwitz III-Monowitz, Horst Fischer, wurden gefunden. In den neu entdeckten Dokumenten fänden sich Namen von Nazis wieder, "die eine ent-scheidende Rolle bei der Vernichtung der Juden in Auschwitz-Birkenau spielten, die sich um die Selektion der Juden, die Anwendung von Zyklon B kümmerten", erklärte Cyra.
Die Nazis hatten das KZ Auschwitz 1940 errichtet. Zunächst wurden dort politische Gefangene aus Polen inhaftiert, ab 1942 wurde es im Wesentlichen zur Vernichtung der europäischen Juden genutzt. Mehr als eine Million Menschen wurden in Auschwitz-Birkenau ermordet, die überwiegende Mehrheit der Opfer waren Juden.
Erschienen am 22.03.2010
In der italienischen "La Reppublica":
Varsavia, 20:47
0
SHOAH: AUSCHWITZ,TROVATE NUOVE CARTE CHE INCHIODANO CAPESIUS
Nuovi documenti sulle responsabilita' di Victor Capesius, il farmacista di Auschwitz, sono venuti alla luce nella soffitta di una casa poco lontano dal campo di sterminio. Piu' di 200 documenti sulle SS che gestirono il campo sono state trovate dagli operai che lavoravano alla ristrutturazione dell'abitazione nella cittadina polacca di Oswiecim, e tra questi - secondo quanto riferito dallo storico Adam Cyra - molti riguardano l'attivita' di Capesius. Il capo farmacista che dal febbraio 1944 fino alla liberazione di Auschwitz-Birkenau uso' i prigionieri come cavie per i suoi esperimenti, fu condannato a 9 anni di car-cere da un tribunale tedesco e mori' nel 1985. .
Oswiecim, Poland - More than 200 documents on the Nazi SS which ran the Auschwitz death camp have been found in an attic of a house in a nearby Polish town, the PAP news agency reported Sunday.
A number of the documents concern the doctor Victor Capesius, who conducted drug experiments on prisoners from Febru-ary 1944 and was the camp's last chief pharmacist, according to Auschwitz-Birkenau Museum historian Adam Cyra.
The documents were found in the attic of a house undergoing renovation in the town of Oswiecim, outside of which the Nazis built the Auschwitz-Birkenau death camp where they exterminated more than one million people, mostly Jews.
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Capesius, who was sentenced to nine years prison after the World War II by a German court, died in 1985.
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Die Frankfurter Rundschau bringt am 22. März 2010 folgende dpa-Nachricht:
SS-Ärzte
Papiere aus Auschwitz
Warschau. 65 Jahre nach Kriegsende sind in Polen bislang unbekannte Dokumente über SS-Medizinpersonal aus dem Vernichtungslager Auschwitz aufgetaucht. Sie enthielten Informationen über die Lager-Apotheker Adolf Krömer und Victor Capesius sowie prominente SS-Ärzte, sagte Adam Cyra von der KZ-Gedenkstätte Auschwitz am Montag.
Die Sammlung habe historischen Wert, weil sie Personen betreffe, die an den medizinischen Expe-rimenten an den Häftlingen sowie an "Selektionen" der Juden vor ihrer Ermordung teilgenommen hätten, erläuterte der Historiker. Unter rund 280 Dokumenten befinden sich Nahrungsmittel-Bezugsscheine für prominente SS-Lagerärzte, darunter Horst Fischer und Heinz Thilo. Laut Cyra steht auf einem Schein der Name des "Todesengels von Auschwitz", Josef Mengele, allerdings in entstellter Form als "Josef Mergerle".
Unter den Dokumenten befindet sich auch die Todesurkunde von Krömer. Demnach starb er 1944 an Herzversagen. Sein Nachfolger, Victor Capesius, hatte nach dem Krieg behauptet, Krömer sei wegen Verbreitung von Defätismus erschossen worden. Capesius war 1965 im Auschwitz-Prozess zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden, kam aber bereits 1968 frei.
Die Sammlung soll auf einem Dachboden in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers in Os-wiecim bereits vor 15 Jahren gefunden worden sein. Ein Hobby-Historiker überredete demnach am vergangenen Freitag den Finder, die Dokumente zur Untersuchung zu Verfügung zu stellen. Der anonyme Finder will die Originale aber behalten. (dpa )
Im Dokumentarroman „Capesius, der Auschwitzapotheker“ (Bonn, 2006, 2. Auflage, Hermannstadt 2009), dessen deutsche und polnische Fassung sich im Auschwitzmuseum befinden, hat der Autor die sich selbst rechtfertigenden Erzählungen des Auschwitzapothekers, wie er sie in den langen Interviews in Göppingen (1976) auf Tonband gesprochen hat, eingefügt. Dieses Grauen kommt so nahe und wurde romanfähig, weil der Autor Capesius seit seiner Kindheit kannte, er aus der gleichen Stadt kam, er mit seinen Eltern „befreundet“ war.
Durch diesen neuen Fund von Dokumenten in Warschau erweist sich, dass Capesius durchwegs lügt, um seine schlimmsten Taten zu verschleiern oder zu rechtfertigen. Zur Charakterisierung dieses Massenmörders, der seine Schuld niemals anerkannt, gar eingestand, gehören diese Lügen, die die Schuldunfähigkeit all dieser Täter zeigt. Sein Porträt mit allen dazugehörigen Dokumenten und seinen Erklärungen sind im Dokumentarroman „Capesius“ nachzulesen. Adam Cyra, der Historikewr des Auschwitzmuseums, weist in seiner polnischen Nachricht ausführlich auch auf die polnische Übersetzung des „Capesius“ (Libron, Krakau) hin, und in den italienischen Nachrichten (das Buch erschien bei Garzanti, Herbst 2009, und geht in die vierte Auflage) wird ebenso wie in den rumänischen (Polirom, 2008) und der polnischen Übersetzung auf dieses erste Buch über den Au8schwitzapotheker Capesius hingewiesen, der das Zyklon B verwaltete und ausgab, selbst beim Massenmord mitwirkte. In den deutschen Nachri9chten zum Fund fehlen die Hinweise.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern und durchwegs großen bedeutenden Verlagen: so in New York, Prag, Amsterdam, Sao Paolo, London, Barcelona, Jerusalem etc. wo das Buch übersetzt wird, fand das Buch in Deutschland kaum Aufmerksamkeit.
Ist die Vergangenheit in Deutschland schon vergangen? Dass sie nicht vergehen kann, vor allem das Gedenken an Auschwitz nicht vergehen darf, zeigt sich nun wieder. Dass Capesius selektiert hat, sogar Bekannte und Kollegen und ihre FRauen und Kinder gnadenlos ins Gas schickte, war durchaus nachgewiesen durch die Zeugen auch während des Auschwitz-Prozesses; doch unklar war, ob er auch als Apotheker medizinische Versuche durchgeführt oder zumindest daran teilgenommen hat, ein Fall kam auch vor Gericht. Nun zeigt sich, dass er viel enger als bisher bekannt, mit Mengele "mitgearbeitet" hat! Im Dokumentarroman „Capesius, der Auschwitzapotheker“ gibt es ein ganzes Kapitel über Mengele und die medizinischen Experimente, auch eine ausführliche „liebevolle“ Beschreibung des Todesdoktors durch Capesius:
CAPESIUS: „Und der Klein Fritz hat als Untergebener vom Mengele Dienst gemacht in Birkenau und ist bei Selektionen und so immer hinter dem Mengele her spaziert und hat mitgemacht und so weiter, teils selbst gemacht, teils hat der Mengele gemacht. Und da kommt der eine Arzt aus Tg. Mureş mit seinen Zwillingen. Und der Klein hört wie der sagt, es seien Zwillinge, die bringt man dort gerade fort, und der Klein sagt: Zwillinge? Wo sind die? Und dann ist er gleich gesprungen zum Hauptsturmführer Mengele, der zwei Grad höher war“...
„Den kennt jeder, der ist sehr bekannt geworden“.
CAPESIUS: „Naja, weil sich alles um dies gedreht hat in Auschwitz. Denn die Amerikaner haben die Studien, Erbforschung... Zwillingsforschung und Erbforschung“...
FRAU FRITZI CAPESIUS: „Furchtbar“...
CAPESIUS: „Na sicher. (Pause). Und der Mengele hat abgewunken, weil es nicht eineiige waren. Und dann kommt der Klein zurück und klopft dem Mann auf die Schulter und sagt: Na, lassen Sie, in einer Stunde treffen Sie sich ja wieder...
Doch genau in dieser Szene, die Capesius Klein zuschreibt, hat Capesius selbst gewirkt, bis in die WOrtwahl: "In einer Stunde werdet ihr euch wiedersehn!"
Man muss sich Capesius in der Uniform eines SS-Sturmbannführers vorstel-len, er sah Dr. Mengele mehrmals in der Woche auf der Rampe neben dem siebenbürgischen Landarzt Dr. Fritz Klein stehen. Er beschrieb den SS-Arzt und Massenmörder auf seine bürokratisch-pingelige Weise so:
CAPESIUS: „Mengele war 174 cm groß, hatte eine kurze gerade Nase, Sommersprossen und einen stechenden Blick. Die Augen dunkelbraun, der Haarscheitel links. Mengele hatte eine mittlere Statur, drahtig, sportlich, und erinnerte wohl an seine Zigeunervorfahren, aus der Zeit wahrscheinlich als die Mengelewerke noch eine Schmiede waren. Mengele war ein Gerechtigskeitsfanatiker und sehr impulsiv“.
Das klingt so schön klar. Freilich gehört dazu, was am meisten bei Capesius irritiert, die weichgepresste und doch lockere Sprechstimme mit dem siebenbürgischen Akzent; ich bin überzeugt, er hat, wie es bei psychotisch veränderten Kranken der Fall ist, eine befehlsgewohnte Stimmveränderung im Lager und dann wie einen tiefen Sturz in der Haft eine Persönlichkeitsveränderung zum vernebelten Weichkopf eines Jammerlappens erlitten.
Beim Schreiben war er weniger analphabetisch, auch wenn er viele Fehler machte. Dafür ist die Schrift, wie das bei uns hieß, „knutzlig“, winzig, und würde einem Graphologen so manches an seelischer Magerkeit und Unreife verraten; dafür konnte er pingelig genau vor allem Äußerlichkeiten, Sichtbares und am besten Zahlen, Namen, Titel, Orte, Körpermaße etc. wiedergeben, wie ein kalter Bürokrat und Personalchef eben, er beschrieb Mengele in seinen Gefängnisaufzeichnungen so: „Dr. Dr. Joseph Mengele, Dr. phil. und Dr. med., auch „Pepo“ genannt (geboren in Günzburg an der Donau am 16.März 1911) war „Erster Lagerarzt“ in Birkenau“. Er fuhr einen Opel…Schon sein Vater besaß in Günzburg die Mengele Werke die landwirtschaftliche Wagen, ähnlich Unimoc, herstellt. Mengele war seit 1.12.42 in Auschwitz, seit 1.5.43 in Birkenau BIIf. "
Zu dem tödlichen Gas Zyklon B und dem für tödliche Spritzen gebrauchte Phenol, sagte der Zeuge Prokop, der als Häftlingsapotheker in der Auschwitzapotheke arbeitete:
Der Drogist Prokop: „Als ich in dieser Apotheke arbeitete, konnte ich oft beobachten, wie Viktor Capesius zusammen mit Josef Klehr in einen Raum des Kellers dieses Blockes gingen. Aus Neugierde beobachtete ich diesen Raum ge-nauer und eines Tages sah ich, dass der SS-Oberscharführer Jurasek in Begleitung von Josef Klehr in diesen Raum ging. Jurasek war technischer Mitarbeiter der Apo-theke. Durch die offene Tür erblickte ich einen Wandschrank. Aus der Unterhal-tung der beiden hörte ich, dass der Schlüssel zu diesem Schrank in der Apotheke liege. Als Jurasek die Schlüssel holte und den Schrank öffnete sah ich, wie er Josef Klehr zahlreiche Büchsen übergab. Dabei hörte ich etwa folgenden Satz: „Es wird wahrscheinlich eine größere Aktion“. Klehr bejahte es. Ich hatte es mir sofort gedacht, dass Jurasek im Auftrage von Capesius die Büchsen mit Zyklon B heraus-gab. Diese Vermutung hat sich auch bestätigt, denn tatsächlich vergaste man an diesem Tage ca. 32 000 ungarische Juden. (Randbemerkungen von Capesius dazu, er konnte in der Zelle immer Einsicht in die Prozessakten nehmen: „Theoretisch 6o Dosen, das sind 5 Kisten. Alles erfunden! 9000 war einmal am 29.6.44 Rekord!“) Erst später hatte ich davon gehört, es handele sich dabei um so eine große Aktion, dass infolge Platzmangels in den Verbrennungsöfen die Leichen der Ver-gasten in Gruben und auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Durch die Verbren-nung der vielen Leichen im Freien entstand in der ganzen Gegend ein unangeneh-mer süsslicher Geruch. Man suchte deshalb nach einem Mittel, um diesen Geruch zu neutralisieren. Mit dieser Angelegenheit befasste sich auch Jurasek, der selbst Drogist war. Ich vermute, er tat es im Auftrage von Capesius. (Randnotiz von Capesius: Vielleicht im Auftrag von Dr. C. weil er so etwas als Apotheker nicht wis-sen konnte?) Jurasek fragte mich als Drogisten, wozu Naphtalin gut sei. Ich erklär-te ihm, dass es sich um ein Mittel handele, welches unangenehme Gerüche in Räumen wie auch im Freien neutralisiert. Danach ging Jurasek weg.
Das Zyklon B stand in der Auschwitz-Apotheke neben dem gelben Schrank. Capesius aber hatte einmal zum Häftlingsapotheker gesagt, er wolle nichts damit zu tun haben. Und so lag das Zyklon dann im Keller neben dem Phenol, mit dem durch eine Spritze direkt ins Herz getötet wurde. Aufgeschichtete Büchsen standen da wie harmlose Konserven. Einige auch im alten Krematorium. Und im soge-nannten Theatergebäude“.
Doch auch was seinen Vorgänger Krömer betrifft, hat er, wohl um sich selbst zu rechtfertigen, nämlich wie gefährlich es gewesen wäre, Selektionen oder auch nur die normale Tätigkeit in der Auschwitzapotheke zu verweigern, gelogen, Krömer ist nämlich nicht hingerichtet worden, son-dern er ist an Herzversagen gestorben. Hier die Capesius-Version, wie er sie mir erzählte, und wie sie im „Auschwitzapotheker“ steht:
CAPESIUS: „Der Mann jedenfalls (Krömer) ist damals wegen Defätismus erschossen worden, weil er allen Ankommenden erzählt hat: sie werden noch Au-genmachen, da ist Sodom und Gomorra. Es gibt noch etwas mit der Unterwelt, ir-gend so ein Zitat, das auch vorkommt, das man so sagt, wenn es einem mies geht, am miesesten geht“...
„Die Apokalypse?“
CAPESIUS: „Nein, nicht das“...
„Das Inferno?“
CAPESIUS: „Ja, das Inferno in der Unterwelt sei nichts dagegen, so in der Art. Er hat aber eine kleine SS-Nummer gehabt, aus dem ersten Jahr“...
Nochmals nun und ausführlicher die Nachricht über die 280 neu gefundenen Dokumente, die Capesius von neuem entlarven! in der „freienpresse.de“:
Unterlagen über KZ-Arzt Mengele in Auschwitz entdeckt
280 Dokumente über hochrangige Nazis aufgetaucht
Bei Renovierungsarbeiten im früheren Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sind zahlreiche Doku-mente über den berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele und andere hochrangige Nazis entdeckt worden. "Es handelt sich inso-fern um eine wichtige Entdeckung, als die Namen auf den Dokumenten nicht einfachen SS-Leuten, sondern sehr bekannten Nazi-Verbrechern gehören", sagte Adam Cyra, ein Historiker der Gedenkstätte Auschwitz im Süden Polens, der Nachrich-tenagentur AFP. Dazu gehöre der Lagerarzt Mengele, der mit seinen menschenverachtenden Experimenten an Zwillingspaa-ren und anderen Häftlingen traurige Berühmtheit erlangte.
Insgesamt wurden rund 280 Dokumente entdeckt. Mengeles Name war den Angaben zufolge auf zwei Papieren zu den Nah-rungsmittelrationen der Lagerinsassen eingetragen worden. In einem Eintrag mit der Hand sei der KZ-Arzt offenbar falsch buchstabiert als "Dr. Josef Mergerle" erwähnt. Dennoch sei davon auszugehen, dass es in den Unterlagen tatsächlich um das SS-Mitglied Mengele gehe, sagte Cyra. Der KZ-Arzt war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Lateinamerika geflohen, 1979 starb er bei einem Badeunfall in Brasilien. Andere Dokumente betreffen laut Cyra den Chef-Apotheker des Lagers, Victor Capesius, der Häftlinge für pharmazeutische Experimente missbrauchte.
Auch Unterlagen über Capesius' Vorgänger Adolf Kroemer und den Arzt im Konzentrationslager Auschwitz III-Monowitz, Horst Fischer, wurden gefunden. In den neu entdeckten Dokumenten fänden sich Namen von Nazis wieder, "die eine ent-scheidende Rolle bei der Vernichtung der Juden in Auschwitz-Birkenau spielten, die sich um die Selektion der Juden, die Anwendung von Zyklon B kümmerten", erklärte Cyra.
Die Nazis hatten das KZ Auschwitz 1940 errichtet. Zunächst wurden dort politische Gefangene aus Polen inhaftiert, ab 1942 wurde es im Wesentlichen zur Vernichtung der europäischen Juden genutzt. Mehr als eine Million Menschen wurden in Auschwitz-Birkenau ermordet, die überwiegende Mehrheit der Opfer waren Juden.
Erschienen am 22.03.2010
In der italienischen "La Reppublica":
Varsavia, 20:47
0
SHOAH: AUSCHWITZ,TROVATE NUOVE CARTE CHE INCHIODANO CAPESIUS
Nuovi documenti sulle responsabilita' di Victor Capesius, il farmacista di Auschwitz, sono venuti alla luce nella soffitta di una casa poco lontano dal campo di sterminio. Piu' di 200 documenti sulle SS che gestirono il campo sono state trovate dagli operai che lavoravano alla ristrutturazione dell'abitazione nella cittadina polacca di Oswiecim, e tra questi - secondo quanto riferito dallo storico Adam Cyra - molti riguardano l'attivita' di Capesius. Il capo farmacista che dal febbraio 1944 fino alla liberazione di Auschwitz-Birkenau uso' i prigionieri come cavie per i suoi esperimenti, fu condannato a 9 anni di car-cere da un tribunale tedesco e mori' nel 1985. .
Oswiecim, Poland - More than 200 documents on the Nazi SS which ran the Auschwitz death camp have been found in an attic of a house in a nearby Polish town, the PAP news agency reported Sunday.
A number of the documents concern the doctor Victor Capesius, who conducted drug experiments on prisoners from Febru-ary 1944 and was the camp's last chief pharmacist, according to Auschwitz-Birkenau Museum historian Adam Cyra.
The documents were found in the attic of a house undergoing renovation in the town of Oswiecim, outside of which the Nazis built the Auschwitz-Birkenau death camp where they exterminated more than one million people, mostly Jews.
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Capesius, who was sentenced to nine years prison after the World War II by a German court, died in 1985.
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